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22. Januar 2011, 12:00 Uhr

"Da muss man auch mal Nein sagen"

Der Todesfall Sexy Cora: Der Witwer des Busenstars kämpft für ihr "Lebenswerk", der Staatsanwalt ermittelt, und der bekannteste Schönheitschirurg Deutschlands erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ärzte in Hamburg. Werner Mang fordert von den Kollegen, auch mal "Nein" zu sagen.

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"Die Brust der Frau war bereits groß genug": Sexy Cora wurde die sechste OP zum Verhängnis

Während der Witwer des verstorbenen Pornostars Sexy Cora das "Lebenswerk" seiner Frau "nicht abschalten" will, erhebt Deutschlands bekanntester Schönheitschirurg Vorwürfe gegen seine Kollegen an der Hamburger Alsterklinik. Werner Mang, Präsident der Internationalen Gesellschaft für Ästhetische Medizin, sagte der Deutschen Presse-Agentur (DPA): "Die Brust der Frau war bereits groß genug." Eine weitere Vergrößerung um ein Kilogramm pro Brustseite bezeichnete er als "äußerst bedenklich, auch medizinisch schädlich. Eine zu große Brust erzeugt Nackenbeschwerden, die Haut dehnt sich zu sehr, die Brust hängt mehr, die Drüse wird komprimiert. Da muss man zum Patienten sagen: Das ist medizinisch problematisch. Da muss man auch mal Nein sagen."

In der Schönheitsklinik im Hamburger Stadtteil Pöseldorf erlitt der Pornostar am 11. Januar während seiner sechsten Brustvergrößerung einen Herzstillstand. Tagelang lag die im "Big Brother"-Container zu Bekanntheit gelangte Cora in der Hamburger Universitätsklinik Eppendorf im Koma, bevor sie am vergangenen Donnerstag starb.

Das Geschäft boomt

Generell werde in der Branche der Schönheitschirurgen zu selten "Nein" gesagt, sagte Mang. "Weil der Arzt sich manchmal vom Patienten zu sehr bedrängen lässt und weil vielleicht dann doch manchmal das Geld lockt." Vielleicht boomt das Geschäft deshalb so sehr. Laut Mang hat sich die Anzahl der Schönheitsoperationen in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Nirgends sonst in Europa gebe es so viele Eingriffe. "Heutzutage will keiner altern, jeder will fit, gesund und schön sein."

Mang, der die Bodenseeklinik Lindau für Plastische und Ästhetische Chirurgie leitet, machte aber auch klar: "Die Schönheitschirurgie birgt genauso viele Risiken wie jede andere OP auch. Es ist egal, ob es nun eine Operation an der Gallenblase oder eine Brust-OP ist - bei einer Operation können immer Komplikation auftreten: eine Thrombose, eine Embolie, eine Infektion, ein Herzstillstand. So etwas kann vorkommen, ohne dass der Arzt eine Schuld hat. Das ist dann schicksalhaft."

Von Coras "Lebenswerk"

Die Leitung der Hamburger Alsterklinik, in der die Pornodarstellerin starb, die mit bürgerlichem Namen Carolin Wosnitza hieß, wehrt sich gegen Schuldzuweisungen. Ein Defekt des Narkosegerätes könne "ausgeschlossen" werden und fehlerhaftes Verhalten der Ärzte sei nicht bewiesen. Ein Rettungssanitäter hatte die Reanimation durch die Schönheitsärzte bemängelt. Die Klinik dreht den Spieß um. Es werde geprüft, "weshalb der Notarzt erst 20 bis 25 Minuten nach Absetzen des Notrufs eintraf". Die Staatsanwaltschaft ermittelt iallerdings gegen den 49- jährigen Chirurgen und die 54-jährige Narkoseärztin der Privatklinik. Verdacht: Fahrlässige Tötung. Die Ermittler wollen auch prüfen, ob die 23 Jahre alte Cora Wachstumshormone vor der Operation genommen hatte. Eine Obduktion der Leiche soll Klarheit bringen.

Witwer Tim Wosnitza hat offenbar mit dem Erbe seiner Frau noch Großes vor. Auf der Facebook-Seite "R.I.P. Sexy Cora alias Caroline Wosnitza" schreibt er, seine Frau habe nicht gewollt, "dass ihr Lebenswerk, ihre DVDs, ihre Internetseiten dem Erdboden gleich gemacht werden. Sie wollte mit ihrem Tun eine gewisse Unsterblichkeit erreichen, und hat diesen Job gerne gemacht. Deswegen sage er "Nein!" zu den Forderungen, dieses "Lebenswerk" zu zerstören. Es ist also mit einigen Filmveröffentlichungen zu rechnen. Sein Versuch, ein Denkmal im St. Pauli-Museum für die verstorbene Porno-Actrice errichten zu lassen, ist allerdings gescheitert. Die Museumsleitung sieht "keinen Bezug" zum Stadtteil.

ben/DPA
 
 
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