8. Januar 2007, 08:47 Uhr

Frühlingsgefühle im Januar

Weltweit spielte das Wetter am Wochenende verrückt: 22 Grad in New York, Schneestürme in Colorado. In Deutschland bleibt es mild - das Tropeninstitut prophezeit gar eine Rückkehr der Malaria. Doch Umweltminister Sigmar Gabriel warnt vor Panikmache.

Schneestürme in Colorado, Frühlingswetter in New York - das Wetter gerät aus den Fugen©

Das Wetter spielte komplett verrückt am Wochenende. Während es im New Yorker Central Park am Wochenende gut 22 Grad warm war, litt fast 2.000 Meilen weiter westlich Colorado unter dem dritten Schneesturm in Folge. An der Westküste der USA stieg die Waldbrandgefahr wegen Sandstürmen. Für Deutschland sagten die Wetterforscher anstelle des von vielen weiterhin erhofften Winters Regen, Sturm und Frühlingstemperaturen voraus. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel warnte vor neuen Gesundheitsgefahren. Der Nationale Wetterdienst der USA sagte für den Zeitraum von Dezember bis Februar um zwei Prozent höhere Temperaturen als im 30-jährigen Durchschnitt voraus.

Acht der zwölf wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen fallen in die Zeit seit 1990, wie David Robinson, staatlicher Klimatologe von New Jersey an der Rutgers-Universität, sagte. Dies habe mit dem Treibhauseffekt zu tun, erklärte er. Angesichts des neuen Schneesturms in Colorado nach zwei Blizzards um Weihnachten und Neujahr wuchs die Sorge um das Vieh auf den Weiden. Nach Einschätzung des Agrarexperten Leonard Pruett kosteten die Stürme der letzten Wochen allein im Südosten des US-Bundesstaats rund 3.500 Rinder das Leben. In den Nachbarstaaten Kansas und Nebraska waren mehr als 60.000 Menschen nach den vergangenen Stürmen noch ohne Strom.

In Kalifornien fiel wegen eines Sturms für rund 100.000 Haushalte und Betriebe der Strom vorübergehend aus. Die Santa-Ana-Winde, die mit Böen bis zu 130 Kilometern pro Stunde über den Küstenstaat zogen, gehörten nach Angaben von Meteorologen zu den stärksten der vergangenen Jahre. In weiten Teilen im Nordosten der USA fiel dagegen in diesem Winter bislang kein Schnee. Ähnlich hohe Temperaturen wie im New Yorker Central Park wurden auf dem Flughafen in Albany mit 21,7 Grad gemessen, vom Flughafen in Boston wurden 20,5 Grad gemeldet. Im Staat New Jersey fielen in Newark, Trenton und Atlantic City Temperaturrekorde für den Januar aus dem Jahr 1950.

Auch in Deutschland sind nach der Vorhersage des Deutschen Wetterdienst vorerst selbst in den Mittelgebirgen kaum Schnee oder Eis zu erwarten. Bei Werten bis 15 Grad soll es vielmehr frühlingshaft mild und zuweilen auch sehr stürmisch werden. Umweltminister Gabriel warnte davor, angesichts neuer gesundheitlicher Gefahren durch den Klimawandel in Panik zu verfallen. Vielmehr müssten die Maßnahmen zur drastischen Senkung beim Ausstoß von Treibhausgasen verstärkt werden, um den Klimawandel und seine Folgen beherrschbar zu machen, sagte der SPD-Politiker der "Bild am Sonntag".

Womöglich gar Malaria in Deutschland

Nach Einschätzung des Direktors des Münchner Tropeninstituts, Thomas Löscher, könnten sogar Infektionen wie die Malaria in Deutschland heimisch werden, wie das Blatt ihn zitierte. Laut "Bild am Sonntag" wurden Anopheles-Mücken, die die Krankheit übertragen, bereits in Bayern und Nordrhein-Westfalen gefunden. Wenn der Winter so mild bleibt, droht nach Angaben des Lübecker Medizinprofessors Werner Solbach eine Zeckenplage im Frühjahr, wie die "Lübecker Nachrichten" berichteten. Sorgen bereiten dem Mediziner zudem Bakterien namens Vibrio vulnificus, die sich im derzeit zu warmen Ostseewasser vermehren.

AP
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Shree (08.01.2007, 10:09 Uhr)
Klima Veraenderungen
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