Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Wie der hässliche Affen-Jesus ein spanisches Dorf reich machte

Eine alte Frau restauriert ein lädiertes Jesus-Fresko, doch das geht gründlich daneben. Nun zeigt eine neue Dokumentation, wie das spanische Dorf Borja durch das Missgeschick reich und berühmt wurde.

Das überpinselte Jesus-Fresko von Borja wurde zum Touristenmagneten

Das überpinselte Jesus-Fresko von Borja wurde zum Touristenmagneten

Die über 80 Jahre alte Spanierin Cecilia Giménez konnte es nicht mehr ertragen, dass an einem Jesus-Fresko in ihrer kleinen Kirche der Zahn der Zeit nagte. Also beschloss sie, die Kirchenkollekte zu schonen und stattdessen das ramponierte Bild des Gottessohnes selbst mit Pinsel und Farbe zu retten. Doch gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht: Nachdem die alte Dame Hand anlegte, schmückt die Kirche von Borja seitdem das Gemälde eines verunstalteten Jesus Christus, der mit seinem einfältigen Gesichtsausdruck und der übermäßigen Körperbehaarung eher an einen fetten Affen mit Knopfaugen erinnert als an den Heiland mit Dornenkrone.

Jesus sehe auf dem Bild aus wie "ein aufgeblähter Igel", urteilte der britische "Guardian" seinerzeit. Sämtliche Rettungsversuche scheiterten, das Fresko war unwiderruflich zerstört. Später gab die Seniorin zu, "dass die Dinge etwas aus dem Ruder gelaufen seien".

Doch das Desaster wurde zum Glücksfall für die 5000-Seelen-Gemeinde, wie die neue britische Dokumentation "Fresco Fiasco" auf Sky Arts zeigt. Die Doku ist Teil einer neuen Reihe der "Failure Season", die sich mit berühmten Kunstdesastern beschäftigt. Im Netz wurde der Monchichi-Jesus zu einer kleinen Berühmheit. Medien auf der ganzen Welt berichteten über den schiefgelaufenen Restaurationsversuch. Die sozialen Netzwerke wurden mit hunderten Photoshop-Montagen überschwemmt.

"Ich weinte jeden Tag"

In der Dokumentation spricht Giménez über ihren Restaurationsversuch: "Ich glaubte zu wissen, wie ich das Gemälde rette", erklärt sie. "Aber die Farbe verschmierte." Deshalb brauchte sie für das Bild länger als erwartet, sodass sie bis zu ihrem Urlaub nicht fertig wurde. "Also blieb es unvollendet. Ich hatte keine Zeit mehr, das Gesicht zu korrigieren." Das unfertige Bild wurde während ihres Urlaubs entdeckt - und schnell zum Gesprächsthema im Dorf, später dann auf der ganzen Welt.

Die Künstlerin des neuen "Ecco Homo": Cecilia Gimenez

Die Künstlerin des neuen "Ecce Homo": Cecilia Giménez

Als Giménez wieder in ihr Dorf zurückkehrte, wurde sie gedemütigt. "Meine Nichte sagte 'Cecilia, sie werden dich dafür ins Gefängnis stecken'. Es war ein Witz, aber kein besonders komischer. Ich weinte jeden Tag", sagt die 82-Jährige in der Dokumentation. Die Anfeindungen setzten ihr stark zu: Giménez verlor 7,5 Kilogramm und musste Medikamente gegen Angstzustände nehmen, berichtet die "Daily Mail".

Die Touristen brachten den Wohlstand

Doch die anfängliche Lachnummer entwickelte sich zum Touristenmagneten: Als die ersten Reisenden kamen, hängten die Einheimischen eine Weltkarte in die Kirche, sodass jeder Besucher eine Nadel in seinen Heimatort stecken konnte. Nach einem Tag war die Karte voll. Und am nächsten Tag wieder. Weil die Schlangen irgendwann so lang wurden, schlug ein Wachmann vor, Eintritt zu verlangen. Mittlerweile haben mehr als 150.000 Besucher aus allen Ecken der Welt das Jesus-Fresko mit eigenen Augen bestaunt. Dank des Besucherstroms musste der Billigflieger Ryanair sogar seine Flüge zum benachbarten Flughafen in Zaragoza aufstocken.

Überpinseltes Jesus-Fresko: So lacht das Netz über den Jesus von Borja
  Der überpinselte Jesus von Borja wird zum Hit im Internet: Nachdem eine spanische Seniorin das Jesus-Fresko in ihrer Kirche eigenhändig "restauriert" hat, lechzt die Netzgemeinde nach weiteren Kunstwerken im Stil der rüstigen Rentnerin. Da sie aber vermutlich so schnell kein Gemälde mehr anrühren wird, werden die Nutzer eben selbst kreativ - und montieren den Kopf des verunstalteten Gottessohnes auf altehrwürdige Kunstwerke.  Nicht einmal vor Leonardo da Vincis weltberühmtem Abendmahl machen die Spaßvögel halt: In der modifizierten Version bekommt nicht nur Jesus ein neues Gesicht spendiert, sondern auch gleich seine zwölf Apostel.

Der überpinselte Jesus von Borja wird zum Hit im Internet: Nachdem eine spanische Seniorin das Jesus-Fresko in ihrer Kirche eigenhändig "restauriert" hat, lechzt die Netzgemeinde nach weiteren Kunstwerken im Stil der rüstigen Rentnerin. Da sie aber vermutlich so schnell kein Gemälde mehr anrühren wird, werden die Nutzer eben selbst kreativ - und montieren den Kopf des verunstalteten Gottessohnes auf altehrwürdige Kunstwerke.

Nicht einmal vor Leonardo da Vincis weltberühmtem Abendmahl machen die Spaßvögel halt: In der modifizierten Version bekommt nicht nur Jesus ein neues Gesicht spendiert, sondern auch gleich seine zwölf Apostel.

Anfangs wurde Cecilia Giménez als verwirrte, alte Frau abgestempelt, jetzt ist sie ein Star in ihrem Dorf. Dank des Touristenbooms brummen viele Restaurants und Geschäfte, auch lokale Museen und Händler profitieren vom Rummel um das verpfuschte Fresko. Und die Touristen lieben die ältere Frau: "Das ist Cecilia! Das ist Cecilia", rufen sie, wenn sie die Künstlerin auf der Straße erblicken.

Streit ums Geld

Auch andere Unternehmen nutzen den dicken Jesus, um ihre Waren an den Mann zu bringen: Ein nahegelegenes Weingut druckt den Affen-Heiland auf das Flaschen-Etikett, um den Verkauf anzukurbeln. Ein anderes Geschäft verkauft T-Shirts. In einem beliebten spanischen Film hat das Bild sogar einen Gastauftritt, als es von Dieben gestohlen werden soll. In den USA entstand eine Comic-Oper, in der die Geschichte einer Frau erzählt wird, die ein Fresko ruiniert und damit eine Stadt rettet. Giménez bekam sogar eine eigene Kunstausstellung angeboten.

Dass mit dem Fresko jetzt so viel Geld verdient wird, gefällt der alten Dame allerdings nicht: "Ich wollte nie Geld dafür. Ich sagte, 'Gebt das Geld dem Krankenhaus, das die Kirche verwaltet.'" Nach dem anfänglichen Trubel hat sie mittlerweile ihren Frieden gefunden: "Ich bin glücklich, dass alles gut ausging. Die Pfuscherei hat dafür gesorgt, dass die Stadt Borja jetzt in der ganzen Welt berühmt ist", sagt sie voller Stolz.

Weitere Themen

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools