Seit dem 1.1. darf in Bayern weder in Gaststätten noch in Bierzelten geraucht werden. Toni Roiderer, Sprecher der Münchner Wiesnwirte, spricht im stern.de-Interview über die Wirtshauskultur, Klugscheißer und Verfassungsklagen.

Eine Bedienung läuft auf dem Oktoberfest 2007 mit vollen Maßkrügen beladen an ihren Kolleginnen vorbei© Karl-Josef Hildenbrand/DPA
San mir vielleicht Amerikaner? Mir san Bayern. Mir haben die größte Volksfestkultur.
Na, und die bleiben. Die brauchen wir für geschlossene Gesellschaften. Da häng ich a Schuildl naus mit "Zutritt nur für geladene Gäste", mach eine Gästeliste und dann schaun mer mal. Aber eine Ungerechtigkeit ist es.
Also, ich hab volles Verständnis für die Ausweitung der rauchfreien Zonen. Und ich bin ja auch Nichtraucher von Haus aus. Aber mir stinkt die Scheinheiligkeit, mit der das vollzogen wird. Zum Beispiel: Im Vereinsheim dürfen sie alle rauchen. In der Dorfwirtschaft nicht. Das ist doch ungerecht. Die Leut gehen doch nicht in eine Dorfwirtschaft, um zu essen. Die wollen Karten spielen, ratschen, griabig (gemütlich) beisammen sein. Dieses Kommunikationszentrum, diese Wirtshauskultur wird jetzt kaputt gemacht.
Hier geht es doch um viel mehr. Hier geht es darum, dass die Leut entmündigt werden, von ein paar Klugscheißern, die das Rad neu erfinden wollen und nun die Uhren zurückdrehen. Die verbieten heute, dass in den Wirtschaften geraucht wird und morgen darf keiner mehr Alkohol trinken, übermorgen wird die fette Schweinshaxe verboten, weil auch sie ungesund ist und irgendwann müssen wir zum Lachen ins Ausland. Diese Obergescheiten, die sagen, nun könnte man endlich wieder ins Wirtshaus gehen, die waren doch auch vorher nicht da.
Das sagen sie immer. Aber wenn der Vater säuft, dann ist seine ganze Familie geschädigt. Wer schützt die?
Ich hoffe ja. Aber da ist noch etwas. Wenn die Politiker glauben, 10.000 empörte bayerische Wirte könnten ihnen bei den nächsten Wahlen nicht schaden, dann ist das sogar richtig. Und es stimmt auch, dass nur 24 Prozent der Bayern rauchen. Aber 75 Prozent sind gegen das strenge Rauchverbot, dagegen das sie entmündigt werden und das bekommen die Herrschaften da oben bei den nächsten Kommunalwahlen im Frühjahr und bei den Landtagswahlen im Herbst zu spüren. Diese Arroganz, die wird bestraft werden.
Ich hab stundenlang gekämpft. Ich war in Ministerien, im Landtag. Ich hab dem Schüttelschorsch (Spitzname des jederzeit Hände schüttelnden neuen CSU Fraktionschefs Georg Schmid, der das Verbot durchsetzte) alles um die Ohren gehaut. Es war, als ob man gegen eine Wand anrennt.
Der Günter Beckstein, der hat das so bestimmt nicht gewollt. Und wir hatten ja noch unter dem Stoiber eine Lösung gefunden, die akzeptabel war und mit der die kleinen Wirtschaften, die Eckkneipen und das Oktoberfest leben konnten. Aber dann kamen die neuen Politiker, die alles ändern wollten und der Günter Beckstein hatte offenbar leider was anderes zu tun, als sich darum zu kümmern.
Schon. Aber an der Fraktionsspitze saßen nun Abgeordnete die da neu waren. Den Schüttelschorsch hat doch vorher keiner gekannt. Das wollte der doch ändern.
Wir haben in Straßlach viele Räume. Da gibt es wohl keine Probleme. Mein 15-köpfiges Servicepersonal, das hat Probleme, weil die alle Raucher sind und nun naus müssen.
Das wird spannend. Zum Beispiel in meinem Hackerzelt. Ich hab da ein fünf mal zehn Meter großes Cabriodach, das man öffnen kann und - wie alle anderen Festzelte auch - zwölf Meter freien Raum über den Tischen. Wenn ich da mitten unter etwa 7000 Besuchern einem angetrunkenen, rauchenden Gast, sag: "Des darfst aber net", schreit der doch: Hoid dei Fotzn sonst schiab ich dir oane (Halts Maul, sonst knallt´s).
Was das Gesetz uns befiehlt, werden wir einhalten, soweit es in unserer Macht steht.
Interview: Rupp Doinet