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Bodennahe Problemzone

Spezialdüsen? Nebelfeuchte Lappen? Q-Tips? Die Reinigung von Fußleisten stellt den modernen Menschen vor ungeahnte Herausforderungen.

Von Meike Winnemuth

Eine Frau kniet bei der Berlinale auf dem Boden und reinigt einen Vorsprung

Auch bei der Berlinale ein Thema - die Reinigung von bodennahen Gefilden

Wir müssen uns heute in den Dreck begeben, so leid es mir tut. Wenn Sie mir bitte folgen wollen und sich kurz neben mich knien? Sonst sehen Sie nicht, was ich meine: hier, diesen Schmutz oben auf den Fußleisten. Oder Sockelleisten oder Scheuerleisten oder wie immer Sie das in Ihrer Gegend nennen. Mein Problem ist Folgendes: Die Wand ist weiß, die Fußleisten sind weiß – oder vielmehr waren sie es, jetzt sind sie oben grau. Wie bitte kriegt man dieses Graue (nicht flusig Graue, sondern backsig Graue) da weg, ohne dass man beim Putzen die Wand einsaut? Absaugen mit einer Fugendüse bringt nichts, es brauchte einen nassen Lappen mit Putzmittel, aber wenn man den benutzt, dann ist der Sabsch an der Wand.

Plötzliches Bedürfnis nach Frühjahrsputz

 Begonnen hatte alles mit der fatalen Sehnsucht, einmal, ein einziges Mal nur, die Bude so sauber zu kriegen, als würde ich hier ausziehen – als würde mir der Mensch, der nach mir einzieht, echt was bedeuten. Frühjahrsputz also, das kommt ja dieser Tage über einen wie das Bedürfnis nach eingetopften Traubenhyazinthen. Ich gehöre zu den Leuten, die ihre Küchenarbeitsfläche reinigen, indem sie großzügig um Wasserkocher und Müslidose herumwischen. Ich weiß, ich weiß: Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich mich an dieser Stelle als Putzfee präsentiert, aber das war nur die halbe Wahrheit, das bezog sich ausdrücklich auf reines Lustputzen, in Fachkreisen auch Manufactum-Putzen genannt (Silberkanne, Edelhölzer, rahmengenähte Schuhe), nicht auf den ganzen elenden, verkrusteten Rest (Herde und Backöfen, Lamellenjalousien, Fußleisten).

Das Internet weiß auch keinen Rat

Das Internet hilft nicht weiter. Selbst der Hort der Hausfrauentipps www.fragmutti.de verrät nur, wie man die Streifen an den Fußleisten verhindert, die der Staubsauger hinterlässt: "Habe die Bodendüse rundherum (an den Seiten und vorne) mit Wattepads gepolstert. Einfach mit Tesa festgeklebt. Sieht zwar komisch aus, aber klappt super." Schön, aber das löst mein Problem nicht. Auch die online angebotene "Fußleisten- und Kantenbürste" für 6,95 Euro ("Endlich saubere Fußleisten und staubfreie Tür- und Fensterrahmen. Der intelligent geformte Besen entfernt mühelos ohne Bücken auch hartnäckigen Schmutz") überzeugt mich nicht, dann schon eher die daneben annoncierte praktische Steckdosenbürste ("Passt exakt in jede Standard-Steckdose. Einfach nur hin- und herdrehen. Bitte nur trocken benutzen").

"Nebelfeucht", sagt eine erfahrene Freundin, müsse ich die Leisten abwischen. Also ungefähr so feucht, als hätte ein 20-jähriger Arnold Schwarzenegger den Lappen ausgewrungen. Ich google "nebelfeucht": Nebelfeucht kriegt man ohne Schwarzenegger nur hin, indem man mit zwei Lappen arbeitet, einem feuchten, gut ausgewrungenen, und einem trockenen, in den man den feuchten einwickelt. Wahlweise könne man einen trockenen Lappen auch ganz sachte mit einer Blumenspritze besprühen. Leute! So kommen wir nicht weiter.

Wie immer, wenn ich nicht weiterkomme, mache ich erst mal: nichts. Ich gucke meinen Fußleisten beim Versiffen zu. Ist das nicht mit allen großen Menschheitsproblemen von Erderwärmung bis Staatsverschuldung so? Keiner geht da je ernsthaft ran, man überlässt es einfach dem nächsten Bewohner.

Heute Morgen kann ich es dann einfach nicht mehr ertragen. Eine Zahnbürste, trocken. Zehn Q-Tips, nebelfeucht. Zwanzig Minuten Arbeit, und das nach monate-, nein, jahrelangem Hadern mit dem Fußleistenproblem. Nun bin ich in Stimmung: Ich und meine Q-Tips, wir stopfen jetzt das Ozonloch.


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