. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
16. März 2009, 10:29 Uhr

Staatsanwalt ermittelt gegen Tims Vater

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden eingeleitet. Es bestehe der Verdacht der fahrlässigen Tötung. Der 17-jährige Todesschütze Tim K. soll die Waffe seines Vaters aus dem Schlafzimmer entwendet haben.

Winnenden, Amoklauf, Tim K., Schüler, Unterricht

Tim K., der unscheinbare Junge, tötete mit seinem Amoklauf 15 weitere Menschen. Auf dem Bild ist sein Elternhaus zu sehen© AP;Torsten Silz/DDP

Nach dem Amoklauf von Winnenden läuft gegen den Vater des 17-jährigen Täters ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung in 15 Fällen. Die Polizei in Waiblingen sagte am Montag, die Staatsanwaltschaft Stuttgart habe ein Verfahren eingeleitet. Die Anklagebehörde teilte mit, dass der Amokläufer Tim K. Mitte Dezember 2008 in Vorbereitung seiner Musterung einen Musterungsvorbereitungsbogen an das Kreiswehrersatzamt ausgefüllt habe. "Hierin hat er gesundheitliche Beeinträchtigungen in Form von Depressionen im Jahr 2008 geltend gemacht. Als behandelnden Arzt hat er einen Arzt des Klinikums am Weissenhof benannt."

Es lägen konkrete Anhaltspunkte vor, dass die Eltern Kenntnis von den gesundheitlichen Problemen ihres Sohnes hatten. "Auf diesen Umstand begründet sich der konkrete Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung. Zur Prüfung dieser Fragestellung hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart ein Ermittlungsverfahren gegen den Vater eingeleitet", hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Der Vater hatte 4600 Schuss Munition zu Hause gelagert und die großkalibrige Tatwaffe entgegen der Vorschriften im Schlafzimmer aufbewahrt - und nicht im Tresor wie seine anderen 14 Waffen.

Wegen fahrlässiger Tötung kann sich auch strafbar machen, wer am Tatgeschehen nicht unmittelbar beteiligt ist. Fahrlässigkeit bedeutet, dass ein Beschuldigter eine Tat nicht wollte, diese aber hätte vorhersehen können und müssen und trotzdem nicht handelte. Fahrlässige Tötung kann mit Freiheitsstrafe bis fünf Jahren oder Geldstrafe geahndet werden - egal, ob aktives Handeln oder Unterlassen vorliegt.

Einen Tag nach dem Amoklauf ihres Sohnes hatten die Eltern ihren Wohnort Leutenbach verlassen, weil das Haus von Journalisten belagert wurde. Tim K. hatte am vergangenen Mittwoch in seiner ehemaligen Schule ein Blutbad angerichtet und neun Schüler und drei Lehrerinnen erschossen. Auf der Flucht tötete er in Wendlingen drei Unbeteiligte und verletzte zwei Polizisten schwer. Nach einem Schusswechsel mit der Polizei tötete sich der Jugendliche selbst.

Rund 90 Prozent der etwa 580 Kinder und Jugendlichen der Albertville-Realschule kamen unterdessen erstmals wieder in ihrem jeweiligen Klassenverband, nicht aber in ihrem Schulgebäude zusammen. Zu dem freiwilligen Angebot wurden die Schüler mit Bussen abgeholt und in Räume in anderen Schulen sowie Sport- und Gemeindehallen gebracht, wie ein Sprecher der Stadt erklärte. Unterricht im eigentlichen Sinne soll dabei vorerst nicht stattfinden. Ob das beschädigte Gebäude der Realschule je wieder bezogen wird, sei unklar, sagte der stellvertretende Leiters des Staatlichen Schulamts in Backnang, Wulf Bonitz.

In dieser Woche sollen weitere Opfer des Massakers beerdigt werden. Die Ermittler setzten am Montag die Vernehmungen von Zeugen der Bluttat mit 16 Toten fort. Dabei müsse man auch die psychische Situation der Schüler und Lehrkräfte berücksichtigen. Das werde sicherlich noch eine ganze Zeit dauern, sagte Polizeisprecher Klaus Hinderer. Eine Zahl der zu vernehmenden Zeugen konnte er nicht nennen.

Nach Angaben des Schützenvereins SSV Leutenbach hat Tim K. nur ein einziges Mal, und zwar im Oktober 2008, in der Anlage mit einer Pistole geschossen. Das berichteten die "Stuttgarter Nachrichten" unter Berufung auf den Vereinsvorsitzenden Detlef Lindacher. Dies sei auch vorschriftsmäßig im Schießbuch notiert worden. Die Ermittler hatten berichtet, Tim K. sei als "Gastschütze" in Begleitung seines Vaters beim Schützenverein gewesen. Nach Informationen der Zeitung hat er drei Wochen vor dem Amoklauf, bei dem er 15 Menschen und sich selbst erschoss, noch ein zweites Mal auf der Schießbahn geschossen. Der entsprechende Eintrag im Schießbuch fehle aber, es gebe jedoch eine glaubwürdige Zeugenaussage.

Derzeit liegen immer noch vier Verletzte in den Krankenhäusern. Nach Angaben eines Polizeisprechers werden zwei Schülerinnen der Albertville-Realschule und zwei Polizeibeamte noch stationär behandelt. Alle seien außer Lebensgefahr.

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 27)
 
willichnichtsagen (17.03.2009, 19:07 Uhr)
Reaktion Einsatzreicht
ZU:"Erfolgreicher Geschäftsmann, klar, aber halt keinerlei Zeit für die Kinder. Und selbst die Zeit hatte er wohl eher im Schützenverein verbracht. Bei der Mutter wird es wohl nicht besser ausgesehen haben."
= Unterstellungen, wir kennen ja die Familie nicht persönlich.
Klingt nach kinderlosen Lehrern. Wie wäre es mit ein wenig Mitgefühl für alle "Opfer"?
einsatzreicht (17.03.2009, 09:34 Uhr)
Unfassbar
"Aber in der Verantwortung sehe ich die Familie nicht"
Wenn ich hier solche Sätze lese wird mir echt schlecht. Wer, wenn nicht die Familie ist für die Erziehung (bzw. wohl eher Nichterziehung) ihrer Sprößlinge Verantwortlich. Erfolgreicher Geschäftsmann, klar, aber halt keinerlei Zeit für die Kinder. Und selbst die Zeit die er hatte hater wohl eher im Schützenverein verbracht. Bei der Mutter wird es wohl nicht besser ausgesehen haben. Ich sehe es leider in unserer Nachbarschaft ständig. Statt sich um den Nachwuchs zu kümmern die Kids lieber am Montag in die Musikschule, am Dienstag in den Sprachkurs, Mittwoch zum Judo, Donnerstag weis der Geier wo hin. Hauptsache man muss sich selbst nicht drum kümmern. Aber dann am Elternabend hergehen und immer schön auf die Lehrer einhauen, das Kind hat zu viel Hausaufgaben, die Kleinen haben keine Freizeit mehr bla bla bla.
Wann wird eigentlich ein Führerschein für Kindererziehung eingeführt, bei manchen denke ich mir wirklich die haben ihr Kinde nur weils gerade "in" ist. Zum Thema Waffen in der Wohnung: Natürlich gehört der Vater angezeigt, das sollte doch gar keine Frage sein. Die Aussagen dass der Junge den Amoklauf so und so durchgezogen hätte kann ich nicht nachvollziehen. Ich wüsste zum Beispiel nicht wo ich eine Schußwaffe herbekommen würde, selbst wenn ich wollte. Und mit einem Messer wäre Hunterprozentig nicht so viel passiert.
Haris_Pilton (17.03.2009, 09:00 Uhr)
Natürlich
muss der Vater zur Rechenschaft gezogen werden. Ohne seine Schusswaffe wäre diese Tragödie nicht passiert! Tragisch selbstverständlich auch für die Kretschmers. Allerdings, sehe ich keinen Grund warum man überhaupt Schusswaffen zuhause haben muss. Die gehören in die Hände von Polizei und Konsorten. Siehe USA, wo Waffen sind da gibt es auch Schusswaffentote!
nussi1 (17.03.2009, 08:11 Uhr)
Staatsanwalt ermittelt...
und Papa hatte bestimmt noch ein Munitionslager im Schlafzimmer unter dem Kopfkissen.
Fahrlässiger geht's nimmer...
willichnichtsagen (17.03.2009, 07:53 Uhr)
Dumme Schuldzuweisungen
Ich verstehe die Trauer der Angehörigen der Opfer. Aber ich habe auch Mitleid mit der Familie des Täters. Ich denke nicht, dass sie dies von ihrem Kind/ Enkel erwartet haben. Auch der Vater hätte wohl bei einem Verdacht anders reagiert und die Waffe nicht liegen lassen. Er hat sein eigenes Kind verloren. Ist das nicht Strafe genug? Für so eine Tat kann man nicht die Familie verantwortlich machen. Ich finde es unfair, den Vater/ die Familie jetzt so vorzuführen.
giangastone (16.03.2009, 23:06 Uhr)
Massenmedien als Amok-PR
...liebe STERNis, bitte lasst das Thema fallen. Durch eure Hype signalisiert ihr potentiellen Minderwertigkeits-Neurotikern, dass ein Amoklauf der sicherste Weg ist, mal ganz groß rauszukommen. Auch ihr seid Teil der Mechanismen, übernehmt endlich eure Verantwortung!
peterpan1001 (16.03.2009, 22:17 Uhr)
psyhopharmaka

"Alle Jugendlichen die in den letzten 10 Jahre in Amerika Amok gelaufen sind, wurden mit Psychopharmaka behandelt, hauptsächlich Antidepressiva. Alle Schützen haben drei Sachen gemeinsam: 1. sie sind junge Burschen, 2. sie zeigen eine gefühllose Psyche mit kompletter Trennung zur Wirklichkeit, 3. sie haben psychiatrische Medikamente eingenommen."
quelle
http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2009/03/es-sind-die-medikamente-und-nicht-die.html
------------------
meine frage: warum wird das nicht untersucht und warum wird gegen die behandelnden ärzte und die pharmabranche nicht ermittelt?
zu mächtig? werden unsere politiker von der pharmabranche gesponsert? diese drogen-medikamente haben langzeitwirkung. warum wird das nicht untersucht? auch dieser fall bestätigt das wieder.
kepe (16.03.2009, 21:42 Uhr)
Wenn ich jeden Tag
auf`s Neue lese, wie der Amoklauf von der Presse ausgeschlachtet wird, wird mir richtig übel. Ich finde es absolut unwürdig.
Wie wäre es einmal mit ernsthafter Ursachenforschung? Problembearbeitung? Echtem Interesse?
Das ist wohl zuviel verlangt. Schliesslich verkauft man am Besten mit sovielen hässlichen Bildern wie möglich. Money makes the world go round. Schade eigentlich....
butcher99 (16.03.2009, 20:21 Uhr)
Ermittlung
Was soll wieder die ganze Aufregung?
Die Statsanwaltschaft ermittelt, und das muss sie in diesem Fall ja auch tun.
Wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind, und das Ergebnis veröffentlicht wird, sind wir hoffentlich alle schlauer.
Dann erst geht es um Anklage, oder Urteil.
provocateur (16.03.2009, 19:59 Uhr)
Lynchmob...
Da man des Verantwortlichen (doch, doch ein 17-jähriger kann durchaus die Konsequenzen seines Tuns abschätzen) aufgrund seines vorzeitigen, selbstgewählten Ablebens nicht mehr habhaft werden kann, folgt die Staatsanwaltschaft den Wünschen des Mobs: Einer muß hängen, irgendwer muß ja die Schuld tragen. Geldstrafe, sicherlich, Waffenschein einziehen, ja, warum nicht, wahrscheinlich gibt der Vater den Zettel sogar freiwillig ab. Aber in der Verantwortung sehe ich die Familie nicht. Immerhin, und das ist gut so, ist Sippenhaft ja abgeschafft.
MEHR ZUM ARTIKEL
Amoklauf von Winnenden Die Frage nach dem Warum

Warum hat Tim K. 15 Menschen getötet und dann sich selbst das Leben genommen? Was muss in einem Menschen vorgehen, dass er solch eine blutige Tat begeht? Er hatte doch alles, sagen Bekannte. Nur keine Freunde. Die Psychologin Rebecca Bondü sieht Parallelen zum Amokläufer von Erfurt. mehr...

Amoklauf von Winnenden "Lehrer haben heldenhaft reagiert"

Die Lehrerinnen und Lehrer der Albertville-Realschule haben sich nach Einschätzung des Stuttgarter Regierungspräsidenten Johannes Schmalzl angesichts des Amoklaufes vorbildlich verhalten. Unterdessen wird die Frage immer lauter, ob der Vater des Amokläufers sich juristisch verantworten muss. mehr...

Nach Amoklauf Merkel fordert strenge Waffenkontrollen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) denkt über politische Konsequenzen aus dem Amoklauf von Winnenden nach. Sie fordert strengere Waffenkontrollen und spricht sich für ein Verbot bestimmter Computerspiele aus. Einen Appell richtet sie insbesondere an Eltern und Erzieher. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe