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2. Dezember 2010, 20:03 Uhr

Auf Salz gebaut

Berlin und Hamburg waren im vergangenen Winter gefährliche Rutschbahnen, weil der Winterdienst versagte. Sind die Städte dieses Jahr besser gerüstet? Im Prinzip, ja. Es darf nur nicht zu viel schneien ... Von David Bedürftig

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Passanten klettern in Berlin über Schneeberge, um in eine Straßenbahn einzusteigen© Wolfgang Kumm/DPA

Der Winter ist in Deutschland so richtig angekommen – mit Schnee, Eis und Verkehrsproblemen. Prompt werden Erinnerungen an den vergangenen Winter wach. Nicht nur in den Großstädten, in ganz Deutschland verwandelten Schnee und Dauerfrost die Straßen und Bürgersteige in Rutschbahnen.

Besonders schlimm war es in Hamburg und Berlin. Haben die Städte daraus gelernt? In Hamburg gibt man sich lernwillig. Wo sich im vergangenen Winter Stadtreinigung, private Räumungsunternehmen und Bezirke über Verantwortungsbereiche stritten, soll es dieses Mal kein Kompetenzgerangel geben. Hauptverantwortlich für den Winterdienst in der Hansestadt ist nun allein die Stadtreinigung. "Unsere Aufgabe wird dadurch natürlich nicht leichter", sagt der Sprecher der Stadtreinigung gleich mal vorbeugend. "Wir müssen zusätzliche 1100 Kilometer Strecke streuen."

Doch es gibt einen Plan. Unter anderem soll auch auf sogenannten verkehrswichtigen Gehwegstrecken ohne Anlieger Winterdienst geleistet werden, also Brücken oder Wege, die an Parks entlang führen. Ferner gibt es eine Glätte-Hotline. Findet der Bürger eine glatte Straße oder einen rutschigen Weg, kann er das unter 040/ 25761313 melden. "Dort wird dann entschieden, ob gleich ein Streufahrzeug geschickt wird", so der Sprecher. Wenn es sich um einen Anwohner handelt, der das Räumen versäumt hat, fährt ein Mitarbeiter des Bezirksamts los, um den Anlieger auf seine Schneekehrpflicht hinzuweisen.

Salz ja, Fahrzeuge nein

Außerdem hat die Hansestadt mehr Streugut eingekauft. Nach Angaben des Sprechers warten dieses Jahr 20.000 Tonnen Salz darauf, verstreut zu werden - doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. Das klingt gut, aber vielleicht nicht gut genug. Denn im harten letzten Winter wurden in Hamburg 27.000 Tonnen gestreut - und das reichte bei weitem nicht, Menschen mit Beinbrüchen mussten in den Krankenhäuser mit ihren Betten auf Fluren stehen, weil alle Zimmer überfüllt waren.

Nächste Schwierigkeit: Salz zu haben ist fein, es braucht aber auch Fahrzeuge und Fahrer, um sie auf den Asphalt zu bringen. Und hier gibt der Stadtreinigungssprecher zu: "Seit August sind wir auf Personalsuche, um aufzustocken. Wir suchen immer noch." Trotz der zusätzlichen 2,9 Millionen Euro vom Senat stehen lediglich 75 Fahrzeuge zur Verfügung – nicht genug, wenn das erneute Schneechaos einsetzt.

Alles beim Alten in Berlin

Streugutengpässe hin oder her – in Berlin nimmt man die Dinge betont locker. "Wir brauchen keine Aufstockungen, wir sind gut vorbereitet", sagt der Srecher der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR). Natürlich werde man alles daransetzen, die bevorstehenden Aufgaben zu bewältigen. "Wir führen ab drei Uhr morgens vor der Rush-Hour Kontrollfahrten durch." Und überhaupt: "Im vergangenen Winter gab es kein Verkehrschaos."

Das sehen die Hauptstädter anders. Sie befürchten, dass die BSR die Lage etwas zu entspannt sieht. Die Erinnerung an den Berliner Chaoswinter ist noch frisch. Am Donnerstagmorgen fanden die Bürger auf vielen Straßen noch eine dicke Schneedecke vor – die Einwohner von Berlin sind, wie jedes Jahr, frustriert und sauer. Doch der BSR sind teilweise die Hände gebunden: Auf Nebenstraßen sieht der Senat wieder nur Räumungen vor, auf Streusalz wird verzichtet. Was das bedeutet, hat sich im vergangenen Winter gezeigt: Riesige Schnee- und Matschhaufen versperren die Bürgersteige und blockieren die Bus- und Straßenbahnhaltestellen. Außerdem: Wenn nur geräumt wird, ist die Gefahr groß, dass die Schneemassen von den Kehrfahrzeugen zu einer eisigen Mischung zusammengeplättet werden.

Von David Bedürftig
 
 
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