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Chaos auf Schiene, Straße und Flughäfen

Viele Weihnachtsurlauber verzweifeln und auch Pendler und Spediteure leiden: Schnee und Eis haben in Deutschlands erneut für massive Störungen im Flug-, Bahn- und Straßenverkehr gesorgt. Und die Prognosen der Meteorologen verheißen nichts Gutes.

  Ein Schneeräumfahrzeug in Berlin: In ganz Deutschland kommt es durch das Winterwetter zu Verkehrsbehinderungen

Ein Schneeräumfahrzeug in Berlin: In ganz Deutschland kommt es durch das Winterwetter zu Verkehrsbehinderungen

Nach dem Winterchaos vom Wochenende ist der Reiseverkehr in Europa nur schleppend wieder angelaufen. Die Flughafen-Betreiber warnten am Montag vor weiteren Verspätungen und Ausfällen. Tausende Fluggäste harrten weiter in den Terminals oder in Hotels aus. Auf der Schiene brauchten Reisende ebenfalls viel Geduld. Starke Nerven mussten auch viele Autofahrer beweisen: Die Straßen waren oft spiegelglatt, liegengebliebene Lastwagen blockierten Autobahnen. Eine Winterpause ist nicht in Sicht: Meteorologen sagten für Donnerstag zwar mildere Temperaturen voraus, aber bereits am Freitag soll es von Norden her wieder kälter werden und erneut schneien.

In Frankfurt am Main wurden am Montag 376 der geplanten 1340 Starts und Landungen gestrichen, obwohl alle Start- und Landebahnen voll in Betrieb waren. Hauptgrund seien Ausfälle an anderen europäischen Flughäfen gewesen, die im stark vernetzten Luftverkehr auch immer Frankfurt treffen, teilte der Flughafenbetreiber Fraport mit. Am Mittag fing es wieder an zu schneien, mit weiteren Einschränkungen des Flugbetriebs sei deshalb zu rechnen. Die 1000 Notbetten im Transitbereich und im Terminal 2 sollten daher vorsorglich stehen bleiben. Etwa 800 Passagiere hatten auf den Notbetten die Nacht zum Montag verbracht, die meisten davon Umsteiger, die auf der Durchreise waren und nicht weiterfliegen konnten.

Auch andere deutsche Flughäfen wie Köln, Düsseldorf, Berlin, Hamburg und München meldeten Ausfälle und Verspätungen. Die Deutsche Lufthansa stellt sich aber bereits auf die Rückkehr zu ihrem normalen Flugplan ein. Am Dienstag sollen immer mehr Flüge wieder starten, für Mittwoch sei das gewohnte Programm geplant. Angesichts der gestrandeten Fluggäste plädierte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) für eine Lockerung des Nachtflugverbots. Das ermögliche, den Stau abzubauen, sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. In der "Bild"-Zeitung appellierte Ramsauer an die Bundesländer, Ausnahmegenehmigungen vom Nachtflugverbot zu erteilen.

Der Betrieb an Europas größtem Flughafen London-Heathrow wurde am Montag wieder aufgenommen. Der Flughafenbetreiber BAA warnte aber vor Ausfällen und Verspätungen. Das Chaos könne über Weihnachten hinaus anhalten. Bis zum Mittwoch könne "höchstens ein Drittel" der ursprünglich geplanten Flüge abgewickelt werden, teilte BAA mit. Tausende Menschen campieren in den Terminals, andere harren in Hotels aus. Auf den Pariser Großflughäfen Orly und Charles de Gaulle wurde der Luftverkehr wieder voll aufgenommen. Auch am Flughafen Schiphol in den Niederlanden normalisierte sich die Lage zunehmend.

Bahn spricht von "Extremsituation"

Bei der Bahn gab es einem Konzernsprecher zufolge auch am Montag "teilweise erhebliche Verspätungen". Vereinzelt seien Züge ausgefallen. In ganz Deutschland sei die Höchstgeschwindigkeit der ICE und Intercitys auf 200 Kilometer pro Stunde begrenzt, um Schäden an den Fahrzeugen zu vermeiden. Weil Fluggäste zur Bahn wechselten, seien die Züge sehr voll.

Auf die Frage, ob die Wintervorbereitungen ausreichend gewesen seien, antwortete der Sprecher: Angesichts der starken Schneefälle handele es sich um eine "Extremsituation", die Straßen, Flughäfen und die Schiene gleichermaßen treffe. Alle verfügbaren Mitarbeiter seien im Einsatz - auf den Bahnhöfen oder zur Räumung von Strecken. Ein Sprecher des Fahrgastverbands "Pro Bahn" forderte, die Reisenden besser zu informieren.

Staus, Unfälle und saure Spediteure

Im Straßenverkehr machte das Winterwetter vor allem Pendlern in Nordrhein-Westfalen zu schaffen. Bis zu 20 Zentimeter Schnee kamen in der Nacht zum Montag örtlich hinzu. Binnen acht Stunden kam es auf den Straßen in NRW zu 546 Unfällen. Zeitweise galt erneut ein Fahrverbot für schwere Lastwagen auf Autobahnen und einigen Bundesstraßen. Die Polizei warnte vor Blitzeis. In der Nähe von Paderborn rammte ein Fahranfänger ein fünf Quadratmeter großes Loch in eine Wohnzimmerwand, nachdem er auf glatter Fahrbahn die Kontrolle verloren hatte. Im Berufsverkehr waren die Staus so zahlreich, dass im Radio teilweise nur Behinderungen mit einer Länge von über 30 Kilometern durchgesagt wurden. Für Dienstag wurde vor überfrierender Nässe und sehr glatten Straßen gewarnt.

Vielerorts in Deutschland waren die Straßen bereits spiegelglatt. Unfälle gingen zumeist glimpflich aus, vereinzelt waren Autobahnabschnitte gesperrt. Bäume brachen unter der Last des Schnees zusammen und blockierten Straßen. Zwei liegengebliebene Lastwagen verursachten auf der A1 zwischen Hamburg und Berlin Staus bis zu 20 Kilometern Länge.

Wenn Lastwagen verschneite Autobahnen blockieren, sind nach Ansicht des Branchenverbands meist nicht die Spediteure schuld, sondern die Räumdienste. "Wir zahlen fünf Millionen Euro an Maut, da könnte man eigentlich ein bisschen verstärkten Winterdienst erwarten", sagte der Sprecher des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV) in Bonn.

Auch der Binnenschifffahrt bereitet die anhaltenden Kälte zunehmend Probleme. Auf der Elbe zwischen Barby in Sachsen-Anhalt und Geesthacht behindern nach Angaben der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Eisschollen die Schifffahrt. Erste Eisbrecher sind im Einsatz. Die Unterelbe zwischen der Hamburger Stadtgrenze und Cuxhaven ist nur noch für eisfahrttaugliche Schiffe geeignet. Im Hamburger Hafen sollten am Dienstag Eisbrecher eingesetzt werden.

Polizeihund retter Frau vor dem Erfrieren

In Chenée bei Lüttich (Belgien) erfror in der Nacht eine Patientin, die vor einer Klinik eine Zigarette rauchen wollte. Auf dem glatten Boden war die 59-Jährige gestürzt und bewusstlos liegengeblieben, erst Stunden später wurde die Frau tot gefunden.

In Koblenz rettete ein Polizeihund eine 54-Jährige auf einer Parkbank vor dem Erfrieren. Ihre Körpertemperatur lag bei 30 Grad, als sie ins Krankenhaus gebracht wurde. Der Hund hatte Gassi gehen sollen, war aber nicht zu seinem Hundeführer zurückgekehrt. Der Polizist suchte den Hund und fand ihn bei der Frau.

Chance auf weiße Weihnacht

Für Festtage im Schnee stehen die Chancen derweil gar nicht schlecht. "Das Weihnachtstauwetter scheint dieses Jahr nicht pünktlich zu sein, sondern zu früh zu kommen. Das nährt die Hoffnung auf weiße Weihnachten", erklärte ein Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Milder Südwind lasse den Schnee zwar zunächst schmelzen. Pünktlich zur Bescherung am Abend komme aber kalte Luft auf uns zu, so der Experte. "Dann könnten die Niederschläge immer mehr in Schnee übergehen."

mad/DPA/DPA

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