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18. Juni 2010, 07:44 Uhr

Viel Lärm um einen "kranken Mann"

Walter Mixas Interview-Äußerungen werden zum Bumerang: Jetzt hagelt es sehr persönliche Kritik am zurückgetretenen Augsburger Bischof: Wirklichkeitsverlust, ichbezogen! Augsburger Jungpriester fordern Mixa auf, sich endlich ganz aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen.

Die Debatte um die Zukunft des Augsburger Ex- Bischofs Walter Mixa schlägt weiter hohe Wellen. Der frühere Redaktionsleiter von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen, sagte am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin": "Bischof Mixa müsste zur Wirklichkeit zurückfinden. Er ist auch ein kranker Mann, und deswegen ist es eigentlich blöde, wenn man so viel Lärm um ihn macht." Augsburger Jungpriester wandten sich von Mixa, der sie selbst einst geweiht hatte, in scharfer Form ab.

Laut "Augsburger Allgemeine" (Freitagausgabe) schrieben die zehn Kapläne an den 69-Jährigen: "Wir selbst haben Sie häufig als weltfremd und stark ichbezogen erlebt, dies erkennen wir auch in Ihrem momentanen Vorgehen". Weiter heißt es in dem Brief: "Dass Sie jetzt versuchen, sich als unschuldiges Opfer von Medien und Kirchenvertretern zu stilisieren, ist für uns und sicher für viele Mitchristen unverständlich und befremdlich." Die Jungpriester appellierten eindringlich an Mixa, "sich zum Wohl der Kirche aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen".

Gemmingen sagte im ZDF, Mixa habe in zwei verschiedenen Welten gelebt. "Er hat einen Wirklichkeitsverlust, und darüber muss er hinweg. Es ist schwer für ihn. Er bräuchte jetzt vor allem Freunde, die ihn an der Hand nehmen und sagen, so geht es nicht." Gemmingen zeigte sich gleichzeitig überzeugt, dass der Vatikan Mixa nicht auf den Bischofsstuhl zurückkehren lasse: "Er muss weg."

Mixa hatte seinen Rücktritt plötzlich infrage gestellt. Er habe die Entscheidung nur unter großem Druck von außen getroffen, hatte er der Zeitung "Die Welt" gesagt. Mixa erwägt, die Vorgänge um seinen Rücktritt vom päpstlichen Gerichtshof untersuchen zu lassen. Der Vatikan stellte aber klar, dass es es keine Rückkehr geben wird.

Nach Prügelvorwürfen ehemaliger Heimkinder und Vorwürfen einer Zweckentfremdung von Stiftungsgeldern für Waisenhauskinder hatte Mixa am 21. April bei Papst Benedikt XVI. um seine Amtsentpflichtung gebeten. Diese wurde offiziell am 8. Mai vom Vatikan angenommen. Vorermittlungen zu Missbrauchsvorwürfen hat die Staatsanwaltschaft eingestellt, die Prügelvorwürfe aus seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen bestehen aber weiter. Diese Vorgänge sind strafrechtlich aber verjährt.

Mixa hatte in dem "Welt"-Interview gesagt, er habe sein Rücktrittsangebot vom 21. April drei Tage später in einem Schreiben an den Papst widerrufen. Nach Informationen der Tageszeitung "Augsburger Allgemeine" (Donnerstag) gab es weitere Schreiben von Mixa, in denen er mal seinen Rücktritt dem Papst anbot und sich mal davon distanzierte.

Mixas Interview wirft auch weitere Fragen auf. So sagte er, dass er am 21. April eine bereits vorgefertigte Rücktrittserklärung unterschrieben habe. Die "Frankfurter Allgemeine" und die "Süddeutsche Zeitung" (jeweils Donnerstag) berichten dagegen, dass Mitarbeiter zwar den Text entworfen hätten, Mixa diesen aber mehrfach eigenständig abänderte.

Keine 24 Stunden vor dem Erscheinen des "Welt"-Interviews hatte Mixa der Augsburger Bistumsleitung versprochen, sich öffentlich nicht mehr zu äußern, wie die "Augsburger Allgemeine" am Donnerstag weiter berichtete. Beim Bistum heißt es, man werde keine weitere Stellungnahmen zu Mixa abgeben. Es gibt vorerst auch keine Informationen, wie lange Mixa noch im Bischöflichen Palais wohnen bleibt. Dort war er zur Überraschung in Kirchenkreisen am vergangenen Sonntag wieder eingezogen.

Mixa kann dem Bericht zufolge den 40. Jahrestag seiner Priesterweihe nun auch nicht in privatem Rahmen im Diözesanexerzitienhaus Leitershofen bei Augsburg feiern. Die Feier ist abgesagt worden. Ursprünglich wollte Mixa den Weihe-Jahrestag am 18. Juli mit einem Festgottesdienst im Augsburger Dom feiern.

DPA
 
 
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