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Es muss nicht immer Nespresso sein

Nespresso versucht vergebens, fremde Kaffeekapseln vom Markt zu klagen. Inzwischen gibt es sogar Billigalternativen. Für die Kaffeeklone spricht der Preis und die Freiheit von Nespressos Clubzwang.

Von Gernot Kramper

  Der Kaffee aus der Kapsel verdrängt die Filtermaschine.

Der Kaffee aus der Kapsel verdrängt die Filtermaschine.

Das Geschäft mit dem Kaffee aus der Kapsel blüht. Das Flaggschiff der Branche ist Nespresso von Nestlé. Der Kaffee aus Alupads wurde zum Kultprodukt. Mit verschiedenen Sorten - sie heißen "Grands Crus" -, exklusiven Geschäften, Clubausweisen. So wurde aus einem schnöden Genussmittel ein Prestigeprodukt mit VIP-Kundschaft macht.

Da störte es kaum, dass der Nestlé-Kaffee im Vergleich zu Muttis Filterkaffee unverschämt teuer ist und jede Menge Müll produziert. Aber auch hier kommt es auf die Perspektive an. Schaut der metropolitane Single auf die Preise von Starbuck ist auch die teuerste Nespresso-Sorte noch ein Schnäppchen, außerdem benötigt man für ihn keinen Einwegbecher.

Juristischer Dammbruch

Beim Kunden feiert Nespresso große Erfolge, aber vor Gericht hagelt es seit einiger Zeit Niederlagen. Mit juristischen Tricks versucht Nespresso, sich Nachahmerprodukte vom Leib zu halten. Ohne großen Erfolg. Im letzten Prozess mimte der Lebensmittelkonzern sogar den Verbraucherschützer. Wenn man die leidigen Konkurrenz-Kapseln schon nicht vom Markt klagen kann, sollte deren Hersteller zumindest gezwungen werden, große Warnhinweise auf die Packung zu drucken. Informationen, dass diese Fremdkapsel einer originalen Nespresso-Maschine bösen Schaden zuführen könnten. Vielleicht haben die Nespresso-Manager auch noch von einem Schockfoto wie auf einer Zigarettenschachtel geträumt, das eine soeben detonierte Nespresso-Maschine zeigt.

Aber so kam es nicht, vor Gericht hörte der Nespresso die bekannte Argumentation: Die Kapsel gehören nicht zum Kern der patentgeschützten Erfindung, Warnhinweise gibt es nicht.

Die Konsequenz: Die kompatiblen Kapseln breiten sich wie eine Seuche aus. Letzter Schlag für das Edelgebräu: Vor wenigen Wochen schickte der Discounter Lidl eine Kapselkollektion ins Rennen. Gibt es die Originale nur online oder im schicken Edelstore, liegen nun braune Pappschachteln mit dem Aussehen von DDR-Produkten der Lidl-Hausmarke Bellarom schmucklos im Regal. Profaner geht es kaum.

Es geht auch ohne Clooney

Was ist also dran an den Kapsel-Alternativen? Der Autor hat es ausprobiert. Die gute Nachricht für Nespresso-Freunde zuerst: Die Originalkapseln passen am besten in die Maschine und schmecken - soweit ich als normaler Kaffetrinker sagen kann - auch am aromatischsten. Warum bin ich dann Nespresso untreu geworden? Vielleicht ist die Markenbindung bei mir als Mann nicht so ausgeprägt, weil Nespresso mit George Clooney und nicht mit Megan Fox wirbt. Der trinkt seinen Nespresso verdammt sexy, doch bei mir wirkt das nicht.

Aber vor allem nervt der Kaffeekult. Registrierung, Clubausweis und Online-Bestellung - das ist deutlich zu viel Zeremonie für einen Kaffee am Morgen. Nespresso will zudem mehr Daten wissen als Facebook. Geht es noch? Meine Aversion geht so weit, dass ich bisher noch nicht einmal mein 50-Euro-Guthaben im mondänen Nespresso-Club vertrunken habe, denn im Supermarkt habe ich die Rettung entdeckt: Bei Rewe stehen fünf Sorten der Marke "Cafe Vergnano 1882". Zehn Kapseln kosten 2,99 Euro anstatt der 3,30 bis 3,60 Euro beim Original. Geschmacklich geben sie allerdings etwas nach - das dürfte aber nur für den Kaffee-Liebhaber wichtig sein, der jeden Morgen verzückt überlegt, welche Nespresso-Sorte er wohl heute in seine Maschine steckt. Nespresso-Fans finden den Geschmack schrecklich. Nun ja, ich habe noch mal verglichen. Das frisch sich entfaltende Aroma der Orginal-Kapsel ist überzeugender, aber schrecklich? Nein.

"Cafe Vergnano 1882" rangiert wie die meisten Alternativkapsel preislich nur geringfügig unter dem Original. Ich vermute daher, auch anderen Kunden ist die Prozedur des Premiums-Einkaufserlebnisses zuviel. Eine klare Alternative für mich. Läge der Nespresso-Kaffee im Regal daneben, würde ich ihn allerdings trotz des höheren Preises einpacken.

Anders bei Lidl: Hier kosten zehn Kapseln 1,99 Euro. Das ist deutlich weniger, den Billigpreis spürt man aber auch. Die Packung ist pappig, die Kapseln zicken gelegentlich in der Maschine herum. Das lässt sich beheben, aber es nervt. Der Geschmack vom Lidl-Kaffee ist ordentlich, von einer sensorischen Sensation jedoch weit entfernt. Espresso-Oberliga gibt es nicht zum Discounterpreis. Lidl ist also nichts für Liebhaber. Wenn man aber ohnehin jede Menge aufgeschäumte Milch dazugibt, wozu ich neige, fällt der Unterschied nicht auf. Auf mich muss Herr Clooney im Nespresso-Store also noch lange warten.

Nachtrag vom 26. 2. 2013: Wegen technischer Probleme hat Lidl die Kaffeekapsel für Nespresso-Maschinen vorübergehend aus dem Sortiment genommen

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