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Guttenbergs Geist beflügelt Ghostwriter

Die Plagiatsaffäre um Ex-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg lässt die Ghostwriter-Branche boomen. Nun streiten sich zwei Anbieter vor Gericht. Es geht um Wettbewerbsverzerrung in einem lukrativen Markt.

Von Simon Book

Eine Dissertation in Kernphysik? Eine Masterarbeit in Psychologie? Und gerade keine Zeit, selbst zu schreiben, weil nebenbei noch Politik und Familie rufen? Kein Problem: Einfach googeln, und schon steht geballte Ghostwriter-Kompetenz zu Diensten.

Die Affäre Guttenberg hat die Branche der Heimlichschreiber ins Licht der Öffentlichkeit gezogen. Die wissenschaftliche Dienstleistung ist lukrativ. Ab 2000 Euro gibt es einen wissenschaftlichen Text, eine Dissertation ist ab 10.000 Euro zu haben. Kompetenz ist angeblich auf nahezu allen Fachgebieten vorhanden. Geschrieben wird nur von studierten Ghosts, oft mit Promotion, heißt es.

"Ein ehrenwertes Geschäft"

Dummerweise gibt es immer mehr schwarze Schafe - und zwar unter den Kunden. Denn die scheinen die Arbeit der Fremdschreiber falsch zu verstehen: Die Ghosts gehen davon aus, dass ihre Arbeiten nicht bei den Unis eingereicht werden. Das wäre verboten. Die Manuskripte sollen - so der Coup - lediglich als Orientierung dienen, wie eine solche Arbeit auszusehen hat. "Das ist ein ehrenwertes Geschäft. Aber über Guttenberg wurde so berichtet, dass man jetzt nur noch Falsches sagen kann", sagt Harald Bahner, Ghost-Agenturinhaber. "Ich bekomme zunehmend viele Anfragen. Aber wenn mir zu Ohren kommt, dass jemand die Arbeit einreichen will, stelle ich die Arbeit ein."

Doch nicht nur einige seiner Kunden haben unlautere Motive. Bahner erkennt diese auch in einem Konkurrenten. Die Firma habe sich fälschlich als Marktführer bezeichnet, so sein Vorwurf. Die Beschuldigten klagten zurück: Bahner habe unrechtmäßig behauptet, einer der leistungsfähigsten, umsatzstärksten und erfolgreichsten Auftragsschreiber zu sein. Seit Dienstag zanken sich die beiden vor dem Landgericht Berlin darum, wer der Größere ist.

Geld-Zurück-Garantie

Der Ghostwriter-Olymp wird nun vermutlich per Vergleich geteilt: Beide behaupten nicht mehr, Marktführer zu sein, so die Einigung. Stattdessen gehören sie der marktführenden Gruppe an. Die Sache soll schnell abgeschlossen werden: "Es bringt ja nichts, sich gegenseitig alles zu zerschießen", sagt Klägeranwalt Bernd von Nieding. Erste Fremdschreibagenturen gehen bereits in die Vertrauensoffensive: Sie bieten eine Geld-Zurück-Garantie, falls die gelieferte Arbeit nicht wissenschaftlichen Standards entspricht.

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