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Deutschland ist zu dick

Mehr als jeder zweite Deutsche ist zu dick. Zu diesem Ergebnis kommt die erste gesamtdeutsche Verzehrstudie, die Bundesverbraucherminister Horst Seehofer heute vorgestellt hat. Ebenfalls besorgniserregend: Jede zehnte 17-Jährige hat Untergewicht. Generell können nur wenige Bürger ihren Energiebedarf richtig einschätzen.

Von Claudia Wüstenhagen

Vor allem Männer haben kräftig zugelegt: Zwei Drittel sind heute übergewichtig und haben einen Body-Mass-Index (BMI) von über 25. Bei der ersten nationalen Verzehrstudie in den 1980er Jahren fielen nur 39 Prozent der Männer in diese Kategorie. Weil diese Untersuchung inzwischen schon 20 Jahre zurückliegt und sich nur auf die alten Bundesländer bezieht, hatte das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Jahr 2002 die Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe mit einer neuen nationalen Verzehrstudie (NVS II) beauftragt. Fast 20.000 Menschen im Alter von 14 bis 80 Jahren haben die Wissenschaftler von November 2005 bis Januar 2007 bundesweit zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Mehr als 14.000 wurden vermessen und gewogen. "Noch nie gab es eine derart umfassende Untersuchung über die Ernährungsgewohnheiten der Menschen in unserem Land", sagt Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU), der heute die Ergebnisse in Berlin vorgestellt hat.

Junge Männer legen zu

Die Ergebnisse zeigen: Immer mehr Bundesbürger haben Probleme mit ihrem Gewicht. Deutlich gestiegen ist die Zahl der Übergewichtigen bei den jungen Erwachsenen. Das zeigt der Vergleich mit dem Bundesgesundheitssurvey 1998. Demzufolge wogen vor zehn Jahren beispielsweise nur 20 Prozent der 18- und 19-jährigen Männer zu viel, während es heute 28 Prozent sind. Übergewicht ist allerdings nicht nur ein Männerproblem. Die aktuelle Untersuchung zeigt, dass auch 51 Prozent der deutschen Frauen im Alter von 18 bis 80 Jahren betroffen sind. Allerdings sank bei den Frauen über 30 der Anteil Übergewichtiger je nach Altersgruppe um bis zu acht Prozent.

Dicke Jugendliche

Jeder fünfte Bundesbürger ist der Studie zufolge sogar adipös und hat einen BMI von über 30. Ein solcher Wert ist besonders bedenklich, da er mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Folgekrankheiten wie Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen kann. Laut Studie sind vor allem ältere Menschen von schwerem Übergewicht betroffen: Fast jeder dritte Teilnehmer über 60 ist adipös. Aber auch bei den jüngsten Teilnehmern haben die Wissenschaftler Adipositas festgestellt: 7 bis 11 Prozent der 14- bis 17-Jährigen sind schwer übergewichtig.

Allerdings sind nicht nur überflüssige Pfunde ein Problem in der Bevölkerung. Gerade bei jungen Frauen zeigt sich ein anderes, ebenfalls besorgniserregendes Bild: Bei Mädchen steigt die Zahl der Untergewichtigen zwischen dem 14. und dem 17. Lebensjahr deutlich an. Fast jedes zehnte 17-jährige Mädchen ist untergewichtig.

Adipositas: ein Problem der unteren Schichten

Die Verzehrstudie ermittelte außerdem, mit welchen anderen Faktoren das Körpergewicht in einem Zusammenhang steht. Dabei kam heraus, dass der BMI sowohl mit dem Bildungsniveau als auch der Höhe des Pro-Kopf-Nettoeinkommens variiert. Wer einen höheren Schulabschluss hat oder mehr verdient, wiegt meist weniger. Unter den Personen mit Hauptschulabschluss fanden sich fast doppelt so viele Übergewichtige wie bei Teilnehmern mit Fachhochschul- oder Hochschulreife. Die Wissenschaftler sehen Adipositas vor allem als ein Problem der unteren Schichten.

Die Untersuchung legt auch offen, was bei den Bundesbürgern auf dem Teller landet, wie gut sie über ihre Ernährung Bescheid wissen und wie sehr sie sich vor Gesundheitsrisiken durch Lebensmittel fürchten. So kam beispielsweise heraus, dass zwölf Prozent der Deutschen eine Diät halten, 1,6 Prozent sich vegetarisch ernähren und 28 Prozent Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Auffällig war zudem, dass nur acht Prozent der Erwachsenen ihren persönlichen Energiebedarf richtig einschätzen können. Mehr als die Hälfte machte dazu überhaupt keine Angaben.

Sorge vor Pestiziden und Gentechnik

Als mögliches Gesundheitsrisiko werden Nahrungsmittel und Getränke zwar insgesamt nur von wenigen gesehen. Bedenken zeigen sich jedoch bei gentechnisch veränderten Lebensmitteln oder Zutaten: 55 Prozent befürchten hierbei eine geringere Sicherheit im Vergleich zu herkömmlichen Lebensmitteln. Ein Risiko sehen die Befragten außerdem in Pestizid-Rückständen, verdorbenem Essen sowie Hormon- und Tierarzneimittelrückständen. Eine einseitige Ernährung und zu viel Essen erscheint den meisten dagegen weniger riskant. "Hier müssen wir mehr aufklären und den Bürgerinnen und Bürgern deutlich machen, was sie selbst tun können, um ihre eigene Gesundheit zu fördern und zu erhalten", sagt Seehofer.

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