Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

14-Jährige argumentiert Talkshow-Profi ins Abseits

Schüler aufgepasst: Beim nächsten Referat lohnt es sich, etwas tiefer ins Thema einzusteigen. In Kanada ist ein 14-jähriges Mädchen mit ihrem Sachverstand beim Thema Genfood zum TV-Star geworden.

Von Annette Berger

  Rachel Parent kam gut vorbereitet in die Talkshow. Bewundert wird sie für ihre unaufgeregte, klare Argumentation.

Rachel Parent kam gut vorbereitet in die Talkshow. Bewundert wird sie für ihre unaufgeregte, klare Argumentation.

Er ist ein 59-jähriger Self-Made-Millionär und TV-Moderator, verdient sein Geld mit Software, Wein und Büchern wie "Die kalte, harte Wahrheit über Geschäfte, Geld und Leben." Sie ist eine Schülerin, die vor nicht allzu langer Zeit für ein Schulreferat das Thema Gen-Lebensmittel recherchierte. In einer TV-Show des kanadischen Senders CBC argumentierte das 14-jährige Mädchen den Medienprofi ins Abseits.

Zu sehen ist dies in einem Youtube-Video. Die Folge der kanadischen Talkshow "The Lang & O'Leary Exchange" vom 31. Juli verbreitet sich derzeit rasant im Netz, das Video wurde bisher knapp 1,5 Millionen Mal angeklickt.

Sie fordert ihn öffentlich heraus - und wird eingeladen

Der Film startet ganz unscheinbar-amateurhaft, die ersten Sekunden zeigen nicht die Talkshow, sondern die Vorgeschichte. Ein Mädchen steht auf einer Bühne und spricht in ein Mikrofon. Es ist laut, der Ton ist schlecht. Offenbar eine Versammlung von Gentechnik-Gegnern. Das Mädchen mit langen Haaren in Jeans ist Rachel Parent, und sie fordert den Moderator Kevin O’Leary in ihrer kurzen Ansprache heraus. O’Leary habe in seiner Show jüngst gesagt, alle Gegner gentechnisch veränderter Lebensmittel seien dumm, und er habe eine passende Antwort für sie: Sie sollten einfach nichts mehr essen.

Rachel sagt, sie käme gern in seine Show, um mit ihm zu debattieren. Aber wenn er sie "dumm" nenne, würde sie "Faschist" zu ihm sagen.

Nun ist die 14-Jährige nicht irgendein Teenager, sondern in Kanada inzwischen bekannt. Sie gründete den Verein "Kids Right to Know" und spricht öffentlich auf Veranstaltungen von Gentechnik-Gegnern. Der Sender CBC lud sie tatsächlich zu der Show ein.

"Weißt Du, was ein Lobbyist ist?"

Da sitzt sie nun an diesem Tag Ende Juli dem Moderatorenteam gegenüber, neben Kevin O’Leary ist das die Journalistin Amanda Lang. In der Talkshow der beiden geht es stets um Wirtschaft, Börse und Geldverdienen.

Rachel lächelt, erzählt zur Einstimmung, wie sie überhaupt auf ihr Anliegen "genmanipulierte Lebensmittel" kam: mit besagtem Schulreferat.

Moderator O’Leary versucht es zum Start des Streitgesprächs mit Herablassung. "Weißt Du, was ein Lobbyist ist", fragt er. Und ob sie sich selbst für einen solchen halte? Sie kontert, ruhig und ohne Polemik, sie sei ein Teenager, der wissen möchte, was in ihrer Nahrung ist. Schließlich müsse sie mit den Folgen leben.

Obwohl die "Von-Oben-herab"-Masche schon beim ersten Mal nicht zieht, probiert O’Leary sie erneut: Ob sie denn glaube, dass alle jungen Leute dagegen sind, dass man mit Gentechnik Nahrungsmittel verbessert? Sie kontert, sie glaube vor allem, dass jeder über den Inhalt seines Essens ausreichend Bescheid wissen sollte, um selbst eine Entscheidung zu treffen.

Aber, wäre sie ein mangelernährtes Mädchen in Asien...

Jetzt wechselt der Moderator zur "Du-verwöhntes-Wohlstandskind"-Methode. Wäre sie ein Mädchen in Asien und müsste an Vitamin-A-Mangel sterben. Würde sie auch in diesem Fall gegen eine gentechnisch veränderte Reissorte mit zusätzlichem Vitamin A argumentieren? Rachel lacht, die Freude ist echt. Lustig, dass der Moderator ausgerechnet den "Goldenen Reis" erwähne, wo der sich doch als Flop herausgestellt habe. Die Menschen würden an einseitiger Ernährung leiden, nicht darunter, dass normaler Reis kein Vitamin A enthält. Und vom "Goldenen Reis" müsse man 27 Schüsseln am Tag essen, um den Effekt zu merken. O’Leary widerspricht nur halbherzig. Nun ja, der "Goldene Reis" sei kein Flop. Er werde nur weiter getestet.

Während sie - stets ruhig - für ihre Standpunkte plädiert, dass man Gentechnik besser testen und Produkte im Laden kennzeichnen solle, versucht er es gegen Ende des Gespräch mit der "Vater-Tochter-Masche". Seine Tochter, sagt der Moderator, sei auch 14 Jahre alt. Und die sei auch zuerst gegen Gentechnik gewesen, habe sich aber ausreichend informiert und ihre Meinung geändert. Über dieses Umdenken habe seine Tochter sogar ein kleines Video gedreht, das er Rachel gern zeigen würde. Doch sein junger Talkshow-Gast ist gut vorbereitet: "Also, den Film habe ich schon gesehen und ich bin nicht mit allem, was dort gesagt wird, einverstanden", sagt Rachel.

Während seine Co-Moderatorin das Mädchen in der Show fair behandelte, allerdings auch weniger Fragen stellte, bekam O’Leary nach der Sendung eine Menge Kritik für seine Moderation, vor allem für seine herablassende Art.

Rachel ist inzwischen ein Star der Gentechnik-Gegner. Ob sie in nächster Zeit weitere Schulreferate vorbereiten muss, ist öffentlich zumindest nicht bekannt.

Weitere Themen

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools