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Nie mehr Toast zum Frühstück

Kein Brot, kein Kuchen, keine Nudeln: Wer das Klebeeiweiß Gluten nicht verträgt, muss viele Lebensmittel von seinem Speiseplan streichen. Die Krankheit heißt Zöliakie oder auch Sprue.

Ob Pasta oder Pudding - diese Leibspeisen vieler Deutschen ist für Zöliakie-Patienten ein Graus. Hinter dem wenig bekannten Begriff "Zöliakie" verbirgt sich eine Unverträglichkeit gegenüber dem Klebeeiweiß Gluten, das vor allem in Getreide und daraus hergestellten Produkten vorkommt. Experten gehen davon aus, dass einer von 100 Deutschen an der Krankheit, die auch Sprue genannt wird, erkrankt ist - viele davon, ohne es zu wissen. Jedes Jahr treten der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG) 3000 Neumitglieder bei. "Die Zahl der Diagnosen steigt auf Grund der besseren Aufklärung der Ärzte. Jedoch ist die Dunkelziffer immer noch sehr hoch", sagt DZG-Mitarbeiterin Doris Schelling.

Antikörpernachweis verschafft Gewissheit

Bei Zöliakie-Patienten lösen glutenhaltige Lebensmittel Entzündungen in der Darmschleimhaut aus. Dadurch bilden sich die so genannten Darmzotten zurück, über die normalerweise Nährstoffe in den Körper aufgenommen werden. Die Nährstoffe bleiben dann unverdaut im Darm zurück, und es kommt zu Mangelerscheinungen. Klassische Symptome sind Gewichtsverlust, Durchfall, Erbrechen, Müdigkeit und schlechte Laune.

Bei Kindern äußert sich das Leiden häufig mit einem Blähbauch und kann mit Wachstums- und Entwicklungsstörungen einhergehen. Die Diagnose kann schon anhand dieser Symptome erfolgen. Sicher bestätigt wird der Befund dann mittels eines Antikörpernachweises im Blut sowie einer Darmspiegelung. Wird die Krankheit über Jahre hinweg nicht therapiert, erhöht sich das Risiko von Osteoporose, Lymphdrüsen- und wahrscheinlich auch von Darmkrebs.

Auf eine Diagnose reagieren die Betroffenen nach Angaben Schellings sehr unterschiedlich: Einige seien verzweifelt. Für sie breche eine Welt zusammen. Andere hingegen, die einen langen Leidensweg hinter sich hätten, seien froh endlich zu wissen, woran sie erkrankt seien. 80 bis 90 Prozent der Patienten weisen kein Vollbild, sondern nur einzelne Symptome der Krankheit auf. Daher wird häufig die Diagnose gar nicht oder erst einige Jahre nach dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen gestellt.

"Noch vor einigen Jahren wurde Zöliakie als 'Kinderkrankheit' angesehen", erklärt Schelling. Die Sprue sei häufig bei Säuglingen beobachtet worden, die von der Muttermilch auf feste Nahrung umgestellt worden seien. Zöliakie kann nach Angaben Schellings jedoch auch im fortgeschrittenen Erwachsenenalter erstmals auftreten. Viele Betroffene hätten dann schon einen langen Leidensweg hinter sich und seien oft auch fälschlicherweise auf psychosomatische Erkrankungen hin untersucht worden. Heute nimmt man an, dass die Krankheit anderem auch von erblichen Faktoren ausgelöst wird. Aber auch das Immunsystem und verschiedene Umweltfaktoren können die Krankheit beeinflussen.

Verzicht muss sein

Die Diagnose ist der erste Schritt zu einem beschwerdefreien Leben. Das Problem der Betroffenen: Bei Glutenunverträglichkeit gibt es bisher keine Heilungschancen. Zwar arbeitet eine Arbeitsgruppe der amerikanischen Stanford-Universität derzeit an einem Medikament, das Gluten unschädlich machen soll. Dieses Konzept wurde jedoch bisher nur an Ratten getestet, und die Wirkstoffe sind sehr teuer. Die zurzeit einzige Möglichkeit, die Krankheit zu behandeln, ist daher ein lebenslanger Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel.

Gluten kommt vor allem in Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer sowie den daraus hergestellten Produkten vor. Erkrankte dürfen daher beispielsweise keine Nudeln und keine Backwaren essen, die aus glutenhaltigen Getreiden hergestellt wurden. Aber Klebeeiweiße finden sich auch dort, wo man es erst mal nicht vermuten würde: Viele Halbfertig- oder Fertigprodukte wie Suppen oder Soßen sind glutenhaltig. Die Substanz wird dort sehr häufig eingesetzt, da sie unter anderem ein guter Trägerstoff für Aromen ist und als Emulgator dient. Jedoch müssen in der EU seit dem 25. November 2005 glutenhaltige Lebensmittel als solche gekennzeichnet werden.

Glutenfrei sind unter anderem Reis, Obst, Gemüse, Milch, Naturkäse, Fleisch, Fisch und Hülsenfrüchte. Viele Betroffene schränken sich nach Ansicht Schellings aber zu sehr in ihrer Nahrungsvielfalt ein. "Viele denken, sie dürften jetzt nur noch naturbelassene Lebensmittel und Reformhauskost kaufen." Jedoch seien auch viele "normale" Supermarkt-Produkte glutenfrei. Auch der Einkauf beim Discounter sei unproblematisch. Mittlerweile werden aber auch spezielle glutenfreie Backmischungen angeboten. So müssen auch Zöliakie-Erkrankte nicht auf Brot und Brötchen verzichten und können wieder ein etwas "normaleres" Leben führen.

AP/AP

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