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Fleischgenuss ohne CO2-Reue

Nicht nur Heizen, Autofahren und mit dem Flieger in den Urlaub düsen erzeugt das Klimagas CO2 - auch für die Erzeugung unserer Nahrung wird viel Energie verbraucht und die globale Erwärmung verstärkt. Besonders aufwändig ist die Produktion von Fleisch. Doch auch hier kann man CO2 einsparen.

Von Maren Wernecke

Rindfleisch

Während Mutterkühe auch in der konventionellen Tierhaltung oft auf Weiden gehalten werden, steht ein Mastbulle in der Regel im Stall - oft auf Beton oder Spaltenböden; mindestens drei Quadratmeter Platz gelten als Richtwert. Rindfleisch zu produzieren ist besonders aufwändig, da die Energie, die in Pflanzenfutter steckt, zum großen Teil wieder verloren geht: Um am Tag rund ein Kilo an Gewicht zuzulegen, muss ein Mastrind fünf bis sechs Kilo Futter fressen. Wird das Tier getötet, kann nur etwa die Hälfte seiner Masse verzehrt werden.

Mastbullen bekommen überwiegend Maissilage. Gras, Getreide und Soja werden nur in kleineren Mengen zugefüttert. Mais fördert Bodenerosion und Auswaschung von Nährstoffen und muss außerdem intensiv bearbeitet und gedüngt werden. Zur Herstellung dieser Futtermittel wird viel Energie und Dünger verbraucht. Oft wird das Futter auch importiert, da beispielsweise Soja nicht in Deutschland wächst.

Problematisch für die Umwelt ist das potente Treibhausgas Methan, das die Rinder beim Wiederkäuen in großen Mengen produzieren und aus dem Maul ausstoßen. Aus Gülle und Mist wird außerdem Ammoniak frei, das zur Versauerung des Bodens und der Gewässer beiträgt und das Waldsterben fördert, sowie Phosphat, das zur Überdüngung der Umgebung führen kann. Rindfleisch enthält im Durchschnitt weniger Fett und mehr Eisen als Schweinefleisch.

Bio-Schweinefleisch

Halten Bio-Bauern die strengen Auflagen ein, braucht man sich um den Tierschutz wenig Sorgen machen: Bioschweine haben Anspruch auf Auslauf, in ihren relativ geräumigen Ställen liegt Stroh zum Spielen und Wühlen, es gibt getrennte Kot- und Liegeplätze, mindestens 50 Prozent der Fläche müssen ohne Spaltenböden sein. Bioschweine bekommen Stroh, Heu oder frisches Gras zum Fressen sowie Kraftfutter, das weitgehend ohne synthetische Dünge- und Spritzmittel angebaut wurde. Die Nahrung verwerten sie relativ gut: Um ein Kilo zuzunehmen, brauchen Schweine aus konventioneller Haltung rund drei Kilo Futter, Bio-Schweine nur wenig mehr. Bei Schweinen kann ein vergleichsweise großer Teil des Körpers gegessen werden - rund 70 Prozent.

Um Umweltbelastungen wie den Ausstoß von Ammoniak oder Nitratauswaschungen in Grenzen zu halten, dürfen laut EG-Ökoverordnung höchstens 14 Mastschweine auf einem Hektar Land gehalten werden. Nach Berechnungen der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig werden für jedes Kilo Bio-Schweinefleisch 1,2 Kilogramm Kohlendioxid frei. Und es wird fast nur die Hälfte der Energie benötigt, die konventionell erzeugtes Schweinefleisch verbraucht. Zu bedenken ist allerdings: Bio-Schweine werden länger gemästet, belasten die Umwelt stärker mit stickstoffhaltigen Exkrementen und liefern in der Regel weniger Fleisch.

Schweinefleisch enthält viel hochwertiges Eiweiß, außerdem B-Vitamine und Eisen. Allerdings liefert gerade fettes Fleisch auch gesättigte Fettsäuren, die den Cholesterinspiegel ungünstig beeinflussen können. Das Risiko, Antibiotika oder Rückstände von Medikamenten ungewollt mit zu verzehren, ist bei Öko-Fleisch geringer als bei konventionell erzeugter Ware.

stern.de präsentiert diese Woche alle Bereiche unserer Nahrung im Hinblick auf ihre Klimabilanz

Teil 1 - Fleischgenuss ohne CO2-Reue

Teil 2 - Von Huhn, Ei und CO2

Teil 3 - Butter bei die Fische

Teil 4 - Weizen ohne Klima anzuheizen

Ist Fleisch vom Wild besonders umweltverträglich?

Ja. Vorausgesetzt das Fleisch stammt von wirklich frei lebenden Tieren aus der Region, etwa vom Reh, Hirsch, Wildschwein oder Kaninchen. Für jede Wildart gibt es gesetzliche Jagdzeiten, die Anzahl der zu tötenden Tiere ist (zumindest theoretisch) begrenzt. Bis zu ihrem Tod leben die Tiere artgerecht und weitgehend stressfrei. Sie können sich großräumig bewegen und ernähren sich - zumindest im Sommerhalbjahr - von dem, was die Natur ihnen bietet, wie Gräsern, Kräutern und Rinden. Ist der Naturkreislauf intakt, nehmen die Tiere praktisch keine schädlichen Fremdstoffe auf. Ihr Fleisch ist daher frei von Medikamenten oder Hormonen.

Frische Ware kann man direkt von Forstbetrieben und Jägern bekommen, die das Tier als Ganzes oder in portionierten Stücken anbieten. Auch Metzger und Wildhändler beziehen Wildfleisch aus der Region. Entsprechend kurz sind die Transportwege. Lange Lagerzeiten sind überflüssig. Wildbret gilt nicht nur als Delikatesse, sondern ist auch gesund: Es ist reich an Eiweiß und enthält wenig Fett.

Sollte Fleisch aus Übersee wegen der weiten Transportwege tabu sein?

Wird Fleisch mit dem Schiff transportiert, kommt das in der Öko-Bilanz eines Fleischprodukts kaum zum Tragen: Bis Fleisch aus Argentinien zum Beispiel in Deutschland ankommt, werden rund 350 g Kohlendioxid pro Kilo Fleisch ausgestoßen. Stammt das Fleisch aus Niedersachsen werden 180 g des klimaschädlichen Gases frei - allein durch den Transport mit dem LkW. Insgesamt also ein zu vernachlässigender Aspekt, kostet die Haltung eines deutschen Rindes bis zu seiner Schlachtung doch durchschnittlich 6,5 Kilo CO2 pro Kilo Fleisch! Anders sieht es aus beim Transport mit dem Flugzeug.

Sind Hormone und Antibiotika als Leistungsförderer im Fleisch noch ein Thema?

In Europa eigentlich nicht mehr: Hormone dürfen in der Tierhaltung nur zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden, als Leistungsförderer sind sie in der EU verboten. Auch antibiotische Leistungsförderer sind seit 2006 in der EU nicht mehr zugelassen. Davor war es durchaus gängige Praxis, dem Futter gering dosierte Antibiotika zuzusetzen, zum Beispiel bei Mastschweinen, die dadurch schneller zunahmen.

Welche Ware ist unter Umweltgesichtspunkten empfehlenswert?

Wer in Sachen Ernährung so wenig Energie wie möglich verbrauchen will, sollte schlicht weniger Fleisch essen und gelegentlich Wildfleisch kaufen, das in der Region erzeugt wurde. Auch Fleisch von Lämmern, die auf der Weide von Mutterschafen gesäugt werden, kann man mit gutem Gewissen essen. In Sachen Tier- und Umweltschutz ist Bio-Fleisch und Fleisch aus Freilandhaltung solchem von Stalltieren vorzuziehen.

Ist Bio besser?

Biotiere werden häufig tiergerechter gehalten als Tiere in konventioneller Haltung: Sie haben stets Auslauf ins Freie und mehr Platz in den Ställen - Hühner können scharren, Kühe weiden, Schweine sich suhlen. Auch die Ernährung ist artgemäß und der Entwicklung angepasst: Pflanzenfresser wie Kühe etwa bekommen mindestens zu 60 Prozent Raufutter wie Heu oder Gras.

Junge Säugetiere werden mit natürlicher Milch versorgt. Chemisch-synthetische Futterzusätze, Wachstums- oder Leistungsförderer sind tabu. Ein Tier bekommt nur dann Medikamente wie Antibiotika, wenn es wirklich krank ist. Nach einer Behandlung werden lange Wartezeiten eingehalten, bis das Tier geschlachtet werden darf. Ob Fleisch aus biologischer Produktion generell weniger Energie verbraucht und weniger Treibhausgase verursacht als konventionell erzeugtes Fleisch, ist unter Experten noch umstritten.

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