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Ein UFO in der Wüste

In einen Hafen gehören Schiffe - aber Raumschiffe? Im Hafen von Bahrain entdeckte ein deutsches TV-Team einen vor über zehn Jahren ausgemusterten sowjetischen Raumgleiter.

Ein Düsseldorfer Fernsehteam hat im Wüstenstaat Bahrain eine sowjetische Raumfähre entdeckt. Nach einem Tipp habe er das Shuttle vom Typ "Buran" auf dem riesigen Hafengelände Bahrains entdeckt, sagte der TV-Produzent Chris Maier am Donnerstag. Im Jahr 1988 fand der einzige Weltraumflug eines "Buran"-Shuttles ("Schneegestöber") statt. Mit dem Zerfall der Sowjetunion wurde das Programm 1993 eingestellt. Wie das Raumschiff in den Mittleren Osten gelangte, ist unklar. "Es lag wohl schon länger dort, ohne dass sich jemand dafür interessiert hat", glaubt Chris Maier.

Ein deutsches Museum ist nun auf dem besten Wege, stolzer Besitzer vom Bahrainer Buran-Shuttle zu werden. Das Auto & Technik Museum Sinsheim, das schon beim Kauf einer Concorde im letzten Jahr für Aufsehen gesorgt hatte, habe Ende 2003 einen Kaufvertrag abgeschlossen, so eine Sprecherin des Museums.

Konkurrenz zum US-Shuttle

Der Raumgleiter ist das Relikt eines ambitionierten sowjetischen Raumfahrt-Programms. Ab Mitte der siebziger Jahre sollte ein wiederverwendbares Raumschiff gebaut werden, um mit den Amerikanern gleich zu ziehen. Am 15. November 1988 hob das erste sowjetische Space-Shuttle zu einem unbemannten Jungfernflug in den Orbit ab. Es sollte zugleich der letzte Flug der Buran-Fähre sein. Mit dem Zerfall der Sowjetunion versiegten 1993 auch die Geldmittel für das Programm.

Das Original wurde zerstört

Andreas Schütz, Raumfahrtexperte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln, ist von der Wiederentdeckung des Gleiters begeistert. "Es gab vier Prototypen der Buran", berichtet der Experte. "Das Original-Raumschiff wurde beim Einsturz des Hangars im russischen Raumfahrtzentrum Baikonur zerstört." Ursprünglich war das Raumschiff nach Australien verkauft worden. Nach welcher Odyssee es im Hafen von Bahrain strandete, ist unklar.

Bei der Fähre auf der arabischen Halbinsel handelt es sich aus Expertensicht um die "Buran OK-GLI". "Die Fähre hat den originalen Nasenbaum zum Messen des Drucks und der Fluggeschwindigkeit", sagt Schütz.

Ferngesteuerter Flieger

Die Buran konnte mehr Last transportieren als ein US-Shuttle und im Gegensatz zur Version der Nasa auch ferngesteuert geflogen werden. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wollten sich die Russen kein zweites großes Raumfahrtprogramm neben Sojus leisten, sagt Schütz.

DPA/DPA

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