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Am 19. Mai sollte die Welt untergehen

Endzeitstimmung herrschte vor genau 100 Jahren, als sich der Komet Halley der Erde näherte. Viele fürchteten gar den Weltuntergang. Heute dienen Kometen als Forschungsobjekte.

Gasmasken verkauften sich gut im Frühjahr 1910. Immerhin stand der Weltuntergang kurz bevor, glaubten manche Zeitgenossen. Denn der Halleysche Komet war im Anflug: Vor hundert Jahren, am 19. Mai, durchquerte die Erde den riesigen Kometen-Schweif, in dem Forscher kurz zuvor Blausäure nachgewiesen hatten. Freilich in einer Konzentration, die auch bereits nach damaligem Wissen völlig ungefährlich war - dennoch bescherte die Leichtgläubigkeit vieler Menschen, aber auch die uralte Furcht vor Kometen den Angstmachern gute Geschäfte.

Zwar nahmen damals Satiriker den Rummel um die Wiederkehr des Halleyschen Kometen genussvoll aufs Korn: Unter dem Titel "Der Weltuntergang vom 19. Mai 1910" spotteten sie mit einer ganzen Serie von Bildpostkarten über die Furcht vorm drohenden Weltende. So bot ein Fotograf auf einer dieser Karten "Momentphotographien vom Weltuntergang" an. "Sofort nach dem Untergang zu haben", stand auf seinem Werbeplakat, "nur gegen Vorauszahlung". Auf einer anderen Bildkarte dichtete ein Satiriker über das teuflische Spiel mit der Kometen-Angst: "Mit dem mächt'gen Riesenschwanze, wie ihn ein Komet nur hat, geht der Satan gleich aufs Ganze und versengt die sünd'ge Saat."

Schweifsterne galten als Unglücksboten

Bei allem Spott ist die Furcht vor den oft unverhofft auftauchenden Schweifsternen tief im menschlichen Bewusstsein verankert. Jahrhunderte lang galten Kometen als Unglücksboten - flammende Menetekel am nächtlichen Firmament, die Kriege, Seuchen und Hungersnöte ankündigen. Auch der Halleysche Komet, der uns etwa alle 76 Jahre besucht und nach dem 1741 gestorbenen britischen Astronomen Edmond Halley benannt ist, hatte bei seiner Wiederkehr vor hundert Jahren schon einiges auf dem Kerbholz: So soll seine Erdpassage im Jahr 218 nach Christus in China eine Revolte gegen den Herrscher ausgelöst haben. Das Erscheinen im Jahr 1066 galt als Vorbote der Schlacht bei Hastings und des Sieges der Normannen über die Angelsachsen.

Zu den alten Mythen gesellt sich eine zwar sehr unwahrscheinliche, aber gleichwohl reale Gefahr, die von Kometen für die Erde ausgehen könnte: Der Zusammenstoß eines solchen Himmelskörpers mit unserem Planeten würde tatsächlich eine globale Katastrophe auslösen. Von einer Kollision mit der Erde war der Halleysche Komet im Jahr 1910 aber weit entfernt, auch wenn er uns damals deutlich näher kam als bei seiner Wiederkehr 1986. Halleys Auftauchen vor gut 24 Jahren verlief zumindest für Beobachter in Mitteleuropa denkbar unspektakulär: Himmelsgucker hierzulande konnten den tief am Himmel stehenden Halley nur mit Mühe ausmachen - ganz im Gegensatz zu den prächtigen Kometen Hale-Bopp und Hyakutake in den 1990er Jahren.

Sonden reisen zu "schmutzigen Schneebällen"

Dennoch war dieser Besuch des Halleyschen Kometen für Wissenschaftler spannend. Eine ganze Armada von Forschungs-Raumsonden nahm 1986 Kurs auf den bekanntesten aller Kometen, der wie seine Artgenossen den charakteristischen Schweif bei der Annäherung an die Sonne ausbildet. Damals funkte die europäische Raumsonde "Giotto" Bilder des kartoffelförmigen Kerns von Halley zur Erde - und Daten, die bewiesen, dass Kometen Verbindungen aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff enthalten.

Seither gab es weitere Kometen-Missionen, die unser Verständnis von den gern als schmutzige Schneebälle beschriebenen Schweifsternen erweitern sollten. So schoss die Nasa-Sonde "Deep Impact" im Juli 2005 einen massiven Kupferblock in den Kern des Kometen Tempel 1, wobei hochfeiner Staub aufgewirbelt wurde. Experten fanden Anzeichen für verschiedene geologische Schichten. Eine der spektakulärsten Missionen läuft bereits seit 2004, als die Europäer die Sonde "Rosetta" auf eine zehnjährige Reise zum Kometen Tschurjumow-Gerasimenko schickten. Dort soll sie 2014 ein Landegerät mit dem Namen "Philae" absetzen - zu einem "Ritt auf dem Kometen".

AFP/AFP

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