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Der Rockstar der "Rosetta"-Mission

Den Esa-Wissenschaftler Matt Taylor kennt seit gestern die Welt – oder zumindest sein Hemd. Knallbunt mit fast nackten Frauen darauf, zeigte er sich im Kontrollzentrum. Wer ist der coole Typ?

Von Dominik Brück

Matt Taylor (r.) ist der ungewöhnliche Projektwissenschaftler der "Rosetta"-Mission

Matt Taylor (r.) ist der ungewöhnliche Projektwissenschaftler der "Rosetta"-Mission

Eigentlich sollten die Raumsonde "Rosetta" und der Landeroboter "Philae" am Mittwoch im Rampenlicht stehen. Nach zehn Jahren im All stand das Paar 500 Millionen Kilometer von der Erde entfernt vor dem Höhepunkt der Mission: Der ersten Landung auf einem Kometen.

Doch ein Mann stahl "Rosetta" und "Philae" im Esa-Kontrollzentrum in Darmstadt kurz vor dem historischen Moment die Show: Projektwissenschaftler Matt Taylor. Der knapp zwei Meter große, muskulöse Physiker fiel mit seinem Vollbart und den tätowierten Armen und Beinen sofort auf - so stellen sich wohl die wenigsten einen der führenden Wissenschaftler der europäischen Raumfahrt vor.

Dabei ist Taylor dafür verantwortlich, die Arbeit der Wissenschaftler-Teams zu koordinieren, die an der "Rosetta"-Mission beteiligt sind. Ein Lebenstraum, dem der Brite auch sein Privatleben unterordnet: "'Rosetta' ist alles für mich, zum Leidwesen meiner Familie. Die Mission ist zu meinem zentralen Lebensinhalt geworden", sagt Taylor im Gespräch mit "Nano".

"Rosetta" auf der Haut

Seine Begeisterung für die Weltraumforschung trägt Taylor auch auf der Haut. Noch bevor "Philae" auf dem Kometen gelandet war, hatte sich der Wissenschaftler im festen Glauben an den Erfolg der Mission ein Bild von der Sonde und dem Roboter auf der Kometenoberfläche aufs Bein tätowieren lassen.

Bei Matt Taylor ist "Philae" auch auf der Haut gelandet.

Bei Matt Taylor ist "Philae" auch auf der Haut gelandet.

Dieses zeigte er auch im Kontrollzentrum, wo er mit kurzen Hosen und quietschbuntem Hawaiihemd - ein Geburtstagsgeschenk seines Tätowierers - von Raum zu Raum eilte. Ein kurzes Gespräch hier, ein schnelles Interview da, Taylor schien überall gleichzeitig zu sein. Dass er in der Nacht zuvor nur drei Stunden geschlafen hatte, merkte man dem Energiebündel nicht an. Mit lockeren Sprüchen und präzisen Erklärungen war er in seinem Hawaiihemd der Star des Tages. Fast geriet in Vergessenheit, dass es hier nicht um den dynamischen Physiker, sondern um die Landung auf einem Kometen ging. Taylor vergas das jedoch zu keinem Zeitpunkt und machte immer wieder auf die Bedeutung der Mission aufmerksam: "Die Landung ist die Kirsche auf dem Kuchen", sagt er.

Das Hawaiihemd wich am Nachmittag einem der typischen Esa-Polohemden mit Missions-Logo auf der Brust. "Das war heute zu viel Aufregung für das Hemd, es riecht", twitterte Taylor. Seine Präsenz verlor er nach dem Kleiderwechsel nicht. Der Wissenschaftler stand weiter im Rampenlicht. Wer ist der coole Typ?

Schon bevor er zur Esa ging, beschäftigte sich Taylor mit dem Weltraum. Nach seinem Doktortitel am Imperial College in London erforschte Taylor Energiepartikel im erdnahen Raum und die Auswirkungen von Sonnenwinden auf das magnetische Feld der Erde. Er ist an mehr als 70 Veröffentlichungen beteiligt und hat bereits vor "Rosetta" an verschiedenen Weltraummissionen mitgewirkt.

Solche Typen machen Wissenschaft sexy

Das bisherige Highlight seiner Karriere ist und bleibt aber "Rosetta": Als "Philae" am Mittwochnachmittag auf dem Kometen aufsetzte, jubelte Taylor aus ganzem Herzen. Auf Twitter war er zu diesem Zeitpunkt längst zu einer kleinen Berühmtheit geworden. Sein Stil ist Ausdruck eines Generationenwechsels in der Wissenschaft. "Ich habe kein Tatoo, aber vielleicht ist das einfach der Generationenunterschied", sagt Taylors Vorgänger Gerhard Schwehm bei "Nano" über seinen jungen Kollegen.

Mit herausragenden Leistungen wie der "Rosetta"-Mission und ihrem ungewöhnlichen Auftreten begeistern Forscher wie Taylor die Öffentlichkeit und machen Wissenschaft sexy. Damit tragen sie dazu bei, junge Menschen auf der ganzen Welt dazu zu inspirieren, vielleicht einmal in ihre Fußstapfen zu treten. Einen großen Dienst hat Taylor der Wissenschaft mit seinem Auftritt bereits jetzt erwiesen: Die große Frage nach dem Ursprung des Lebens konnte endgültig beantwortet werden.

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