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Der große Lauschangriff

Erst seit wenigen Jahren kennen Astrophysiker Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Werden sie darunter erdähnliche finden? Viele Himmelshorcher sind davon überzeugt, bald auf Signale fremder Intelligenzen zu stoßen.

Von Horst Güntheroth

Die Szenerie ist atemraubend. Üppig wuchern Sträucher und Bäume, Farne und Orchideen und bedecken die hügelige Landschaft. Inmitten dieser tropischen Wildnis klafft eine riesige Lücke: eine Talmulde, über die sich glitzernd und kreisrund eine gigantische Aluminiumschüssel spannt, 305 Meter im Durchmesser. Von monströsen Masten gehalten, hängt darüber in 130 Meter Höhe eine Plattform, voll gepackt mit High-Tech. Regelmäßig müssen Helfer die Pflanzen beschneiden, damit die Natur den Fremdkörper nicht verschlingt. Vögel zwitschern, Echsen und Schlangen huschen durchs Gestrüpp.

Das Arecibo-Teleskop im Herzen der Karibikinsel Puerto Rico ist das größte Radioteleskop der Welt, Empfangsstation für kurzwellige Strahlung aus dem All. In dieser Kulisse wurden Szenen des James-Bond-Films "Golden Eye" gedreht. Hier erforschen Astrophysiker aus aller Welt ferne Objekte des Universums. Und hier suchen die Fahnder der Soko SETI nach Botschaften von Außerirdischen.

Zweimal im Jahr fliegen Jill Tarter, Direktorin des SETI-Institutes (Search for Extraterrestrial Intelligence) im kalifornischen Mountain View, und ihre Kollegen auf die Insel. Dann suchen die Wissenschaftler jeweils drei Wochen lang den Himmel ab. Laut Satzung haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, "den Ursprung, die Natur und das Vorkommen von Leben im Universum" zu erforschen. Anpeilen können sie Koordinaten am Firmament nur mit Hilfe der Erddrehung; sie müssen warten, bis die Rotation des Globus die Superantenne in die gewünschte Position gebracht hat.

Mit ihren Lauschaktionen hoffen die Fahnder, ein Signal aufzufangen, das nicht natürlichen Ursprungs ist. Einen Piepser, der irgendwie verraten würde, dass im fernen All jemand funkt. Mit der Botschaft rechnen sie fest. "Jeden Tag können wir etwas finden", sagt Tarter.

Doch das Ergebnis nach jahrzehntelanger Suche: null. Der Kosmos schweigt. Trotzdem ist keiner von den mehr als 100 SETI-Forschern enttäuscht, geschweige denn entmutigt. Im Gegenteil. Schließlich habe man erst gerade mal 750 Sterne abgehorcht. Ein Klacks sei das gegen die 100 Milliarden Sonnen allein in unserer Milchstraße. "Dort draußen muss es Leben geben", sagt Physiker Paul Horowitz. "Und wenn die fremden Wesen versuchen, zu anderen Zivilisationen Kontakt aufzunehmen, werden wir Erfolg haben", spätestens in ein paar Jahrzehnten, da ist er sich ganz sicher.

Dass die Erde nicht der einzig belebte Ort im All ist, davon sind nicht nur die SETI-Leute, sondern zahlreiche Wissenschaftler seit langem überzeugt. Denn Leben, so glauben sie, ist ein universelles Phänomen, schlichtweg eine Folge der physikalischen und chemischen Umstände. Und warum sollten dann die Bedingungen, unter denen sich vor knapp vier Milliarden Jahren auf dem Globus aus unbelebter Materie die ersten Zellen bildeten, nicht auch anderswo im Weltall herrschen oder zumindest geherrscht haben? In einem gigantischen Kosmos, in dem unsere Milchstraße nur eine von Milliarden Galaxien ist.

Aber wo? Die Astrophysiker sind sich einig: Als Brutstätten kommen keinesfalls glühende Sterne, sondern nur kühle Planeten oder Monde infrage. Und von denen keineswegs jeder. In unserem Sonnensystem gibt es offensichtlich nur einen Ort, an dem sich Leben entwickelt hat - die Erde. Zwar vermuten Exobiologen, dass auch auf dem Mars oder dem Jupitermond Europa Spuren von Organismen verborgen sein könnten, doch bislang fehlt jeder Nachweis. Damit auf einem Planeten höhere Kreaturen gedeihen können, muss er offenbar eine feste Oberfläche und eine gewisse Größe haben, sodass seine Schwerkraft eine Atmosphäre halten kann. Außerdem sollte er sich in einer "Lebenszone" um seine Sonne herum bewegen; dann herrschen moderate Temperaturen, und es kann Wasser in flüssiger Form geben - ideales Lösungsmittel, unentbehrlich für den Stofftransport in Organismen.

Immerhin wissen Astronomen inzwischen, dass unser Planetensystem keineswegs das einzige im All ist. Zwar vermuteten sie schon immer, dass eine Vielzahl solcher Systeme existieren müsse, doch erst 1995 wurde daraus Gewissheit. Da meldeten die Schweizer Astrophysiker Michel Mayor und Didier Queloz vom Observatorium in Genf die Entdeckung des ersten "extrasolaren" Planetensystems. Eine astronomische Sensation - zuvor war niemandem ein solcher Fund gelungen, weil die Trabanten im Gegensatz zu den Sternen nicht leuchten und somit selbst den hochauflösendsten Teleskopen verborgen bleiben.

Die Schweizer vollbrachten das Kunststück mit einer indirekten Nachweismethode (siehe Kasten). Zunächst konnten sie ihre Ergebnisse selbst nicht glauben. "Wir haben die Daten gedreht und gewendet", erzählt Mayor, "und ein Jahr mit der Veröffentlichung gewartet. Am Ende blieb nur eine einzige Erklärung übrig." Der Planet, den sie aufspürten, kreist um den Stern 51 Pegasi im Sternbild Pegasus, 42 Lichtjahre von der Erde entfernt. Allerdings entpuppte sich die neue Welt als ein heißer Riese. Etwa so groß wie Jupiter ist er und seiner Sonne sehr nah. In nur vier Tagen umrundet er sein Zentralgestirn. Eine Plattform für Leben? Wohl kaum.

Inzwischen konnten die Schweizer sowie ein US-Team um die Astrophysiker Geoffrey Marcy von der University of California Berkeley und Paul Butler von der Carnegie Institution of Washington weit über 120 Trabanten um ferne Sterne aufspüren. Und fast jeden Monat kommen neue hinzu. Die Liste ist beeindruckend, aber bislang waren alle Funde sehr groß - von ähnlichen Maßen wie Jupiter oder gar noch mächtiger - und hatten enge Umlaufbahnen, also sehr heiße Oberflächen. Erst vor wenigen Wochen aber machten Astronomen der Europäischen Südsternwarte ESO mit einem verfeinerten Verfahren im Sternbild Altar einen Planeten aus, der deutlich kleiner ist; nur 14-mal so schwer wie die Erde. Und vor einigen Tagen meldeten andere Forschergruppen die Entdeckung zweier weiterer, ähnlich kleiner.

Nun steht fest: Planetensysteme sind Massenware im All. Doch ob es dabei Himmelskugeln der erforderlichen Größe gibt, die zudem in einer "Lebenszone" um ihre Sonne kreisen, bleibt offen. Allerdings glauben viele Astrophysiker, dass allein in unserer Milchstraße Millionen erdähnliche Planeten existieren könnten. Kürzlich gelang es australischen Forschern der University of New South Wales sogar, grob zu lokalisieren, wo mit den Gesuchten zu rechnen ist: Die "bewohnbare Region" ist ein ringförmiges Gebiet zwischen Rand und Mitte der Milchstraße, in dem es schwere Metalle gibt. Die nämlich sind nötig, damit ein erdähnlicher Planet überhaupt entstehen kann. Außerhalb dieses Gürtels, zum Rand der Milchstraße hin, sind schwere Metalle rar, in ihrer Mitte ist es zu ungemütlich für Leben, weil sich dort zu oft kosmische Katastrophen, etwa Supernova-Ausbrüche, ereignen.

Längst ist eine neue Generation von Teleskopen in Planung, die die ersehnten Sternenbegleiter finden soll. So schlummert in den Schubladen der Esa das Projekt "Darwin". Konzipiert ist eine Flotte von acht Sonden, die ins All geschossen werden soll. Sechs davon sind Teleskope und werden als Signalempfänger arbeiten, das siebte High-Tech-Paket soll die Daten der sechs zusammenschalten, das achte wird als Kommunikationsstation zwischen der Sonden-Armada und der Erde gebraucht.

"Wir werden Darwin auf der Nachtseite der Erde in etwa 1,5 Millionen Kilometer Abstand positionieren", sagt Professor Walter Flury von der Esa. Spätestens 2015 soll der Verband die Umgebung von Sternen absuchen - nach Signalen, die charakteristisch für Leben sind. Die Detektoren werden im mittleren Infrarotbereich arbeiten: Bei diesen Wellenlängen verraten sich biologische Aktivitäten, etwa die Fotosynthese von Pflanzen oder die Atmung von Organismen. Die Nasa plant Ähnliches. "Terrestrial Planet Finder" heißt ihr Projekt, ein Verbund von mehreren Weltraumteleskopen, die ebenfalls Auffälligkeiten im Infrarotbereich analysieren sollen. Auch ihr Start ist für das kommende Jahrzehnt vorgesehen; Experten gehen davon aus, dass Nasa- und Esa-Mission vereint werden, um Kosten zu sparen.

Sollten diese Himmelsspäher eines Tages verräterische Signale auffangen, blieben deren Ursprünge allerdings im Dunkeln. Wie ist die Evolution auf dem belebten Planeten abgelaufen? Hat sie mit den gleichen Zutaten gearbeitet wie auf der Erde? Und was ist dabei herausgekommen? Mikroben? Geschöpfe mit Herz und Hirn? Oder gar intelligente Wesen?

Die meisten Exobiologen sind davon überzeugt, dass sich fremdes Leben - ebenso wie das irdische - auf Kohlenstoffbasis entwickelt, weil Kohlenstoffatome fast überall im All vorkommen und eine Fülle komplexer Moleküle bilden können, die für die Abläufe in Organismen unentbehrlich sind. Ganz ausschließen aber möchten sie auch andere Elemente als Lebensgrundlage nicht. Etwa Silizium, das ebenfalls reichlich auf vielen Planeten vorhanden sein dürfte.

Zudem gehen die Wissenschaftler davon aus, dass nicht einmal paradiesische Zustände herrschen müssen, damit Organismen gedeihen können. Denn auch in extrem unwirtlichen Zonen unseres eigenen Planeten findet sich Leben. So vegetieren in Gesteinsschichten kilometertief unter der Erdoberfläche Mikroben, ebenso im Polareis bei minus 20 Grad. Selbst heiße Quellen in ozeanischen Tiefen sind besiedelt; unter tonnenschwerem Druck leben dort Bakterien bei über 100 Grad, ohne Sauerstoff und ohne einen einzigen Lichtstrahl.

Für höher entwickelte Geschöpfe allerdings bedarf es wohl kommoder Verhältnisse. Dann aber ist Vielfältiges und Exotisches möglich. "Beim Körperbau kennt der Erfindungsreichtum der Natur keine Grenzen, entsprechend werden die Formen außerirdischen Lebens noch so fantasievolle Science-Fiction-Entwürfe weit übertreffen", glaubt Jack Cohen, Biologe an der University in Warwick, Großbritannien. "Die Evolution ist richtungslos. Organismen sind Produkte der Umweltbedingungen auf ihrem Planeten."

So wird die Gestalt der Kreaturen beispielsweise von der dort herrschenden Schwerkraft bestimmt werden. Bei großer Gravitation rechnen Wissenschaftler mit stämmigen Lebewesen, die einen kräftigen Knochenbau und genug Muskelmasse haben, um gegen die Anziehungskraft des Planeten anzukommen. Bei geringer sind die Außerirdischen wahrscheinlich zart gebaut, bewegen sich mit langen Beinen vorwärts oder können fliegen. Auch die Dichte einer Atmosphäre beeinflusst die Körperform. So dürften Geschöpfe, die in einer dünnen Gashülle atmen müssen, große Münder oder Nasen haben. Und solche, die in einer dichten vegetieren, wesentlich kleinere Ein- und Ausströmöffnungen.

Generell vermuten viele Forscher, dass Extraterrestrische uns ähnlicher wären, als wir es uns ausmalen. "Sie werden bei Schwerkraftgesetzen wie auf der Erde kaum kleiner sein als ein Hund oder größer als ein Elefant", sagt SETI-Chefastronom Seth Shostak. "Wenn man die Geschichte der Evolution betrachtet, so wurden viele Merkmale mehrfach entwickelt, so zum Beispiel das Auge. Das ist also ein brauchbares Konzept. Und wenn man in den Zoo geht, sieht man, dass alle Tiere mit interessanten Gehirngrößen nicht etwa hundert Arme haben. Und auch nicht einen einzigen. Irgendetwas zwischen vier und acht Extremitäten scheint optimal zu sein. Es gibt sogar Evolutionsbiologen, die sagen, alles läuft zwangsläufig auf den Menschen hinaus. Außerirdische Lebensformen werden also nicht aussehen wie Staubsauger oder Kofferradios, sondern wie irgendetwas, das uns von der Erde her bekannt vorkommt."

Wie aber könnten wir Kontakt zu solchen Verwandten im All aufnehmen? Hinfliegen? Ausgeschlossen. Schon eine Reise zu unserem Nachbarplaneten Mars dauert mit heutigen Antriebsmöglichkeiten über ein halbes Jahr, zu einem extrasolaren wäre es schnell eine Ewigkeit. Die einzig realistische Chance der Kommunikation: per Funk, also mit Lichtgeschwindigkeit. Doch selbst dann bräuchte ein Signal zu entfernten Objekten Jahrtausende oder Jahrmillionen - länger als die Existenz vieler möglicher Zivilisationen.

Also kommen nur Planeten in nächster All-Nachbarschaft infrage - und auch dann wird bestenfalls eine Einwegkommunikation möglich sein: zuhören, abhorchen. Denn schon zu einem Planeten in 40 Lichtjahren Entfernung - und das ist für kosmische Verhältnisse vor unserer Haustür - bräuchte ein Signal 40, hin und zurück also 80 Jahre. Ein wahres Geduldsspiel. Der Frager würde die Antwort kaum mehr erleben.

Doch werden die Aliens überhaupt etwas senden? Warum sollten sie uns etwas zu sagen haben? Zum einen, so die Hoffnung der SETI-Leute, könnte man ja den interplanetaren Funkverkehr zwischen außerirdischen Populationen abhorchen. Zudem ließe sich auffangen, was eine Hochzivilisation an Funkwellen ungewollt ins All sendet. So wie unsere Erde. Seit es Radio und Fernsehen auf dem Globus gibt, strahlen die Programme auch ins Universum: die Tor-Schreie des Radiomoderators bei der Fußball-WM 1954 in Bern, die Songs der Beatles, der Korrespondentenbericht vom Einsturz des World-Trade-Centers.

Angenommen, wir empfingen Signale der Fremden: Welche Sprache sprechen sie? Könnten wir mit ihrem interstellaren Kauderwelsch überhaupt etwas anfangen? Vielleicht müsste man nicht Wörter und Sätze dechiffrieren, so hoffen die Wissenschaftler, sondern könnte nur Bilder bestaunen. Zumindest gäbe es dann wohl kaum Missverständnisse. Oder aber die Außerirdischen sind klug und selbst aktiv auf Kontaktsuche und arbeiten deshalb mit mathematischen, intergalaktisch verständlichen Formelsprachen. Möglicherweise flüstern sie uns längst so manches - nur wir verstehen es einfach noch nicht!

Eine Fülle von Wenn und Aber. Die SETI-Leute jedenfalls sind fest davon überzeugt, dass Astrophysiker demnächst mögliche Wohnorte für außerirdisches Leben entdecken. Dann werden sie nicht wie bisher im Trüben fischen müssen, sondern endlich wissen, wohin genau sie ihre Teleskope richten sollen. In Kürze werden sie ihre Suche intensivieren, mit Hilfe eines neuen Teleskops namens ATA. Das "Allen Telescope Array" ist nach dem Microsoft-Mitgründer und Multimilliardär Paul G. Allen benannt, schließlich hat der 13,5 Millionen Dollar für die Anlage gestiftet. 290 Meilen nordöstlich von San Francisco, beim Hat Creek Observatory, ist das Teleskop bereits im Bau. Ein ganzes Feld von Reflektorantennen, jede mit einem Durchmesser von 6,1 Meter, wird dort entstehen. Insgesamt 350 solcher Einzelmodule sollen zusammengeschaltet werden. 32 Antennen werden noch in diesem Jahr errichtet, der Rest im nächsten Jahrzehnt. "Dann werden wir mehrere Sterne und mehrere Frequenzen gleichzeitig beobachten können", sagt SETI-Gründer Frank Drake, "das wird unsere Suche um mindestens das Hundertfache beschleunigen."

Und was wird passieren, wenn eines Tages der ersehnte Piepser kommt? Seit 1989 gibt es dazu ein von der SETI-Gruppe verfasstes Papier. Der Titel: "Grundsatzerklärung über Maßnahmen bei der Entdeckung außerirdischer Intelligenz". Darin geht es vor allem darum, wie man intern jeglichen wissenschaftlichen Zweifel an der Herkunft einer Alien-Botschaft ausschaltet und wie man dann die Fachwelt, Regierung und Öffentlichkeit informiert. Ein frommer Wunsch sei dieser Verhaltenskodex, glaubt Shostak, mehr nicht. Mit Sicherheit würden die Medien rasch von der Entdeckung Wind bekommen und alles sofort hinausposaunen.

Viele Menschen, glaubt der SETI-Mann, würden dann wohl bei der Lektüre der Morgenzeitung in aller Ruhe weiter den Kaffee schlürfen, da sie ohnehin längst glauben, dass Außerirdische der Erde heimlich Besuche abgestattet und etwa Kornkreise hinterlassen haben. Andere Zeitgenossen wiederum werden die Entdeckung anzweifeln. "Schließlich wollen einige Millionen US-Bürger immer noch nicht glauben, dass Astronauten auf dem Mond waren", sagt Shostak. Die Nicht-Ignoranten aber wären fassungslos. "Der Beweis, dass der Mensch intelligente kosmische Nachbarn hat, würde einen gewaltigen Schlag darstellen gegen jede noch verbliebene Hybris, gegen den Glauben, der Mensch sei intellektuell, kulturell oder moralisch allen überlegen."

Und wenn gar Geschöpfe entdeckt würden, die uns überlegen sind wie wir den Tieren? Die vielleicht unser Tun und Treiben auf der Erde ebenso beobachten wie ein Biologe die Aktivität in einem Ameisenhaufen? Ertragen wir die Geister, die wir rufen? Oder sind wir dann ebenso hilflos wie einst Goethes Zauberlehrling?

Es wäre der GAU für das menschliche Selbstbewusstsein. Und den sollte man lieber gar nicht riskieren - dafür jedenfalls plädierte Sir Martin Ryle, englischer Physiker und Nobelpreisträger. Er bat die Himmelslauscher, "alles zu unterlassen", was zum Kontakt mit Außerirdischen führen könnte. Denn er befürchtete großes Unheil. Wenn Fremde auf die Menschheit aufmerksam gemacht würden, könnten die "zur Kolonisation der Erde" aufbrechen. Dann würde es uns wohl ebenso ergehen wie den Indianern, nachdem Christoph Kolumbus auf dem amerikanischen Kontinent gelandet war. Auf das große psychologische Problem für die Menschheit bei einer solchen Entdeckung hat bereits vor vielen Jahren der Schweizer Carl Gustav Jung hingewiesen. "Bei einer direkten Konfrontation mit uns überlegenen Geschöpfen von einer anderen Welt", so der Psychoanalytiker, "würden uns die Zügel aus der Hand gerissen. Und wir wären, wie ein weinender alter Medizinmann sagte, "ohne Träume".

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