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Große Aufregung um winzigen schwarzen Punkt

Auf fast allen Kontinenten verfolgen Menschen die Venus, die vor der gleißenden Sonne entlangzieht - die letzte Chance in diesem Jahrhundert. Aber nicht überall spielt das Wetter mit.

Viele silbrig glänzende Augenpaare blicken an diesem Mittwochmorgen im Hamburger Planetarium gebannt gen Osten. Das Licht der aufgehenden Sonne wird von ihren Spezialbrillen reflektiert. Die beiden elfjährigen Mädchen Kaja und Lara blinzeln noch etwas verschlafen in Richtung des orange leuchtenden Balls, der um 04.53 Uhr über den Horizont steigt. Im Dunkeln haben sie sich auf den Weg zum Planetarium gemacht, um zu sehen, wie die Venus vor der Sonne entlangwandert. Die Mädchen sind Zeugen eines Jahrhundertschauspiels - des Venustransits.

Auf der Aussichtsplattform des Planetariums können Frühaufsteher an diesem Morgen miterleben, wie die Venus am Nachthimmel die Sonnenscheibe passiert. Der Wissenschaftsjournalist am Planetarium, Stephan Fichtner, schaut mit einem Auge durch das Okular seines Teleskopes: "Ich habe hier einen Filter eingebaut, der mindestens 99,9 Prozent des Sonnenlichtes wegfiltert", sagt der studierte Astronom. Das sei dringend nötig, denn ohne den Filter könne die Netzhaut verbrennen. Auch für einen Fachmann wie ihn sei dieser 6. Juni 2012 "etwas ganz Besonderes". Das Wetter hat ihn freudig überrascht, Fichtner hatte mit Regen gerechnet.

Hobbyastronom Udo Andrée, 47, ist ebenfalls fasziniert. Nachdem er seinen Blick vom Teleskopbild des 41,4 Millionen Kilometer entfernten Planeten gelöst hat, fehlen ihm zunächst die Worte: Eine Sonne, die durch den Filter grün gefärbt ist, und einen kleinen, aber klaren Punkt, die Venus, sieht man dort. Kirsten Möller, 48, ist zurückhaltender. "Ich sehe nichts", ruft sie enttäuscht und schiebt ihre spezielle Sonnenfinsternisbrille mit beiden Händen weiter auf die Nase.

Nicht überall spielt das Wetter mit

Vielen anderen Frühaufstehern in Deutschland geht es nicht so gut. Der Deutsche Wetterdienst hatte gewarnt, dass vielerorts Wolken die Sicht behindern könnten. Die ernüchternde Bilanz: Nur rund 20 Prozent der Menschen in Deutschland hatten die Möglichkeit, das Schauspiel zu sehen, schätzt ein DWD-Meteorologe. Klare Sicht haben hauptsächlich die Sternengucker im äußersten Osten.

In Asien fiebern die Menschen ebenfalls, ob ihnen das Wetter den Blick auf Himmel erlauben würde. Der dichte Dunst verschwindet über der Philippischen Hauptstadt Manila kurz nach dem Start des Himmelsschauspiels. Die faszinierten Beobachter können den Weg der Sonne fast sieben Stunden lang verfolgen.

"Der nächste Transit wird in 105 Jahren stattfinden und dann wird es uns alle nicht mehr geben", sagt der Direktor des Philippischen Institutes für Astronomie, Armando Lee. Er hat extra seine Frau und seinen sechs Jahre alten Sohn mitgebracht. "Das zeigt nur, wie kurz unser Leben ist im Vergleich zu himmlischen Ereignissen."

Erstaunen über großes Interesse

In Sydney lassen sich etwa 1500 Menschen auch von Wind und Regen nicht abschrecken und stellen sich am Sydney-Observatorium an. Sie wollen wenigsten ihr Glück versuchen, einen Blick auf die Sonne zu erhaschen, während dicke Wolken über den Himmel ziehen. Und viele werden nicht enttäuscht. Immer wieder reißt die Wolkendecke auf und gibt den Blick auf das Spektakel frei.

Der Chef des Observatoriums in Sydney ist erstaunt über das große Publikumsinteresse. "Wir waren schon vor Wochen ausgebucht", sagt Andrew Jacob. Australien verdanke seine "Entdeckung" durch die Europäer der Passage von Venus vor der Sonne 1769. Captain James Cook sei nach Tahiti entsandt worden, um das Phänomen dort zu beobachten und Messungen vorzunehmen. Auf dem Rückweg sei er zufällig auf die Ostküste Australiens gestoßen. "Wenn es die Venus-Passage nicht gegeben hätte, würden wir hier vielleicht eine andere Sprache sprechen", meint Jacob. "Es hätte ja auch jemand anders kommen und den Kontinent beanspruchen können."

Lea Albert und Stephan Scheuer, DPA/DPA
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