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Streit um Editha-Sarg

Es ist ein aufsehenerregender Fund: Im Herbst entdeckten Archäologen die mutmaßlichen Gebeine von Königin Editha im Magdeburger Dom, dann brachten sie den Bleisarg samt Inhalt nach Halle. Nun sollen die Überreste zurück aufs Kirchengelände - oder doch in ein Museum?

Die mutmaßlichen Gebeine von Königin Editha (910-946) aus dem Magdeburger Dom sollen noch in diesem Jahr an ihren Fundort zurückgebracht werden. Das kündigte Harald Meller, Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt, am Mittwoch in Magdeburg an. "Die Knochen werden wieder würdig beigesetzt. Es ist nie beabsichtigt gewesen, die Knochen auszustellen", versicherte Meller. Ein Großteil der Untersuchungen, die zurzeit in Halle laufen, werde noch in diesem Jahres beendet. Editha war die erste Gemahlin von König Otto dem Großen (912-973).

Der Bleisarg war nach der Entdeckung in das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie nach Halle gebracht wurde. Dies war in Magdeburg auf erhebliche Kritik gestoßen. Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) deutete nach einem Gespräch mit allen Beteiligten an, dass es weiter Meinungsverschiedenheiten gebe. In erster Linie gehe es um die Frage, wie der Fund nach der Untersuchung präsentiert werden solle. Auch Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) machte deutlich, dass der Sarg nach Magdeburg zurückkommen müsse. Jedoch wollte er sich noch nicht festlegen, ob er im Museum oder in einem Grab im Dom oder dort als Ausstellungsstück untergebracht werden solle. Olbertz sagte: "Der Fund hat hier seinen Ursprung, der darf nirgendwo anders hin. Der Sarg gehört in den Dom."

Domprediger Giselher Quast, der den Archäologen wegen der Öffnung des Sargs eine Störung der Totenruhe vorgeworfen hatte, sprach sich dafür aus, den Sarg in einem Gottesdienst in den Dom zurückzubringen. Der Deckel des Bleisargs, dessen Inschrift laut Meller auf Editha schließen lässt, soll zuvor in einer Ausstellung zum Domjubiläum im Kulturhistorischen Museum in Magdeburg gezeigt werden. Die Schau zum 800. Jahrestag des Baubeginns des Doms beginnt Ende August.

Archäologe Meller kündigte am Mittwoch langwierige Untersuchungen zur Klärung der Frage an, ob es sich tatsächlich um die Gebeine Edithas handele. Das Tuch, das die Knochen bedeckte, sei mittlerweile aus dem Sarg genommen worden. Darunter seien neben Knochen und einem Stück Kiefer Putz und Mörtel festgestellt worden. "Momentan spricht nichts gegen Editha", sagte Meller zum Stand der Untersuchungen, in die Forscher in zahlreichen Städten eingebunden sind. Geplant seien unter anderem DNA-Analysen und textilkundliche Untersuchungen des Tuchs. Die Kosten der Arbeiten, an deren Ende im Jahr 2011 oder 2012 eine Dokumentation stehen soll, seien erheblich.

DPA/DPA

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