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Chinas Angst vor Sommersprossen

Der Wunsch nach makelloser weißer Haut lässt immer mehr Chinesinnen zu besonderen Pflegeprodukten greifen. Ein lukratives Geschäft für die Kosmetikindustrie.

Von Marlies Uken

Der vergangene Sommer war schlimm für Huang Xiao. 35 Grad in Shanghai, die Sonne brannte - und die 21-jährige Chinesin saß im Auto und nahm Fahrstunden. "Ich hatte solche Angst, nur auf der linken Seite braun zu werden", erzählt die Studentin, "es war ein Horror." Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 30, langärmeliges Shirt, Sonnenhut: Huang Xiao fuhr alles auf, was das Bräunen verhindern konnte, das Stirnrunzeln des Fahrlehrers wurde konsequent ignoriert. Mit Erfolg. Die linke Schulter blieb weiß.

Makellose weiße Haut ist für Chinas Frauen schon seit Jahrhunderten der Inbegriff von Schönheit und Weiblichkeit. Die moderne Chinesin hilft diesem Schönheitsideal jetzt künstlich nach. Sie vertraut auf so genannte "Whitening"-Produkte. Das sind Feuchtigkeitscremes, Reinigungswässerchen und andere teuere Essenzen, die Aufheller enthalten, um die Haut noch heller erscheinen zu lassen. Mit ihrer Hilfe sollen selbst Sommersprossen verblassen. Nach Schätzungen von Marktforschungsinstituten machen diese Artikel mittlerweile rund 60 Prozent des Umsatzes von Gesichtspflege-Produkten in China aus. Allein Nivea Shanghai verzeichnete in der Sparte ein Wachstum von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der gesamte chinesische Kosmetikmarkt setzt jährlich mehr als 1,7 Milliarden US-Dollar um. Tendenz steigend.

Wer Shanghaier Damen an einem Sonnenscheintag beobachtet, kann verstehen, warum die Kosmetikbranche mit einem Wachstum von mehr als dreißig Prozent in den nächsten Jahren rechnet. Denn dann legen junge Frauen ein für Westler wunderliches Verhalten an den Tag. Der weiße Sonnenschirm mit UV-Schutz wird eilig aufgespannt, die weißen Handschuhe mit Gummizug (Ellbogen-Länge) aus dem Täschchen gekramt und über die blanken, frisch rasierten Arme gezogen. Auf der Edel-Einkaufsmeile Huhai Lu ist die Schattenseite plötzlich heiß begehrt. Straßencafes in der Sonne werden nur von Ausländern bevölkert – Shanghaier Ladies schlürfen ihren grünen Tee im Plastikbecher lieber in dunklen U-Bahnschächten. Manche Frau stellt beim Gang über die Kreuzung gar ihre Handtasche auf die Schulter, um den gefährlichen Weltraumstrahlen im Gesicht zu entgehen. Weibliche Fahrradfahrer setzten riesige getönte Plastik-Schirmmützen auf, die sich bis zum Kinn herunterklappen lassen. Für weiße Haut wird kein Aufwand gescheut. Und jede Hässlichkeit in Kauf genommen.

"Weiße Haut überdeckt drei Makel im Gesicht", sagt ein altes chinesisches Sprichwort. Tatsächlich scheint die Vorliebe für makellose Haut in der Vergangenheit zu liegen. Am chinesischen Hof zerrieben die Damen Perlen und puderten sich damit ihr Gesicht, um würdevoller und aristokratischer auszusehen. Manche schluckten das staubige Zeug sogar, um weißere Haut zu bekommen. Wer reine Haut besaß, galt und gilt als vermögend, denn er arbeitet offensichtlich nicht unter der Sonne auf dem Feld. "Weiße Haut ist in Asien schon immer ein Zeichen für einen höheren gesellschaftlichen Status gewesen", sagt Andrew Chang, Geschäftsführer von Nivea Shanghai. Vor allem junge, erfolgreiche Chinesinnen, die sich mehr an TV-Serien wie "Sex and the City" als an Konfuzius orientieren, legen Wert auf ein perfektes Äußeres. Aus ganz praktischen Gründen: "Mit weißer Haut hat man bessere Chancen im Beruf, vor allem bei westlichen Firmen", glaubt die 20jährige Jin Xiaoyun. Ganz zu schweigen von den Chancen bei chinesischen Jungs. Die bevorzugen natürlich auch weiße Haut.

Angeheizt wird die neue Leidenschaft von der omnipräsenten Kosmetikwerbung. Claudia Schiffer strahlt in solch makelloser Weißheit von L'Oreal-Werbeplakaten in Shanghai, dass kein Deutscher sie wieder erkennt. Jeder dritte Werbespot scheint sich um noch schöneres schwarzes Haar oder um weiße Haut zu drehen. Und von den Titelseiten der unzähligen Frauenmagazine lächeln ausschließlich asiatische Frauen - mit vollkommener Haut.

"Will man in China erfolgreich sein, muss man Whitening Produkte anbieten", sagt Nivea-Chef Chang. In einem Shanghaier Vorort produziert das Beiersdorf-Unternehmen seine Bleichmittel. Sie sind weltweit nur in Asien erhältlich. "Allerdings nicht in Indien", erklärt Chang. "Die dunkle Haut der Inder ist ein hoffnungsloser Fall für Whitening."

Blanc Expert, White-Plus, White Perfect: Der Markt ist seit Mitte der Neunziger stark umkämpft. Fast jeden Monat tönt eine Firma, sie habe endlich die Schlüsselrezeptur zu noch weißerer Haut gefunden. Erst im März brachte Estée Lauder "Cyberwhite" auf den Markt (30 Milliliter für umgerechnet 75 Euro). Es will Sommersprossen innerhalb von zwei Wochen um 30 Prozent verringern. Aufgeschlüsselt klingen die Inhaltsstoffe des RGH3-Komplexes recht unspektakulär: Reiskleie, Zedernholz, grüner Tee und Zuckerkomplexe wie Glukosamine. "Allein unsere Filiale verkauft rund 300 Flaschen im Monat", sagt Verkäuferin Jing Qi aus Shanghai. "Es ist der totale Renner." Andere internationale Edelmarken lassen sich nicht Lumpen. Lacôme wirbt mit Tagescreme, Sonnenschutzfaktor 50, Chanel verspricht mit seinem neuem Make-up "Blanc Pureté" vollkommene Perfektion für´s Gesicht. Auch Nivea, in China eher im preisgünstigeren Segment aktiv, hat seine Whitening-Rezeptur gerade vollkommen überarbeitet. "Pflegeprodukte haben hier eine extrem kurze Lebenszeit", sagt Chang. "Die neuen reichen Frauen wollen bei Laune gehalten werden."

Die gute Laune verging einem Großteil der Konsumentinnen indes vor einigen Jahren, als ihre Haut anfing zu jucken, rot wurde und Pickel sprossen. Das Gegenteil von perfekter Haut. In einigen Cremes fanden die Gesundheitsbehörden Quecksilber - teilweise in Dosierungen, die die Grenzwerte um das tausendfache überstiegen. "Quecksilber zur Hautbleichung ist mittlerweile in den Produkten verboten", erklärt Jie Zheng, Leiter der Hautabteilung des Ruijin-Krankenhauses in Shanghai. Er behandelt zur Zeit mehr als zehn Patientinnen, die wegen Weißheitsprodukten unter Hautproblemen leiden. In der Regel enthalten die Cremes Fruchtsäuren, Zuckerkomplexe oder Enzyme, um das Dunkeln des Hautfarbstoffes Melanin zu verzögern. "Nicht jede Haut verträgt diese Inhaltsstoffe", erklärt Jie, "erst recht nicht, wenn man die Cremes zu lange anwendet." Er empfiehlt seinen Patientinnen traditionelle chinesische Medizin aus Kräuterextrakten. Die sei sanfter und koste statt 75 Euro nur fünf Cent. Zu den Erfolgsaussichten befragt, muss der Hautexperte lächeln. "Nach spätestens vier Wochen wirken alle Weißheitsprodukte meist nicht mehr." Das liege einfach am Melanin, dessen Färbungsgrad sich nur beschränkt beeinflussen lasse. "Danach fängt bei allen Wässerchen die Zeit des Fest-dran-Glaubens an."

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