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Was taugen Luftfilter für die Wohnung?

Feinstaub, Dieselqualm, Stickoxide – neue Geräte versprechen, den Dreck von draußen aus dem Haus zu halten. Sind sie sinnvoll?

  Feinstaubalarm in Stuttgart: Luftfilter sollen dafür sorgen, dass die Belastung in Wohnungen möglichst gering bleibt.

Feinstaubalarm in Stuttgart: Luftfilter sollen dafür sorgen, dass die Belastung in Wohnungen möglichst gering bleibt.

Wollen Sie ein dreiviertel Jahr länger leben? Dann vermeiden Sie Feinstaub. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge verkürzt sich das Leben eines EU-Bürgers durch Feinstaubbelastung um durchschnittlich 8,6 Monate.

Vor allem im Winter legt sich eine Schmutzglocke über Deutschlands Großstädte. Ungünstig sind Inversionswetterlagen, wenn die kalte Luft aus tiefen Schichten von wärmerer Luft überlagert wird. Dann akkumulieren die unsichtbaren Partikel über Tage in der Atemluft. Nicht zufällig trifft der erste Feinstaubalarm dieses Jahres seit Montag die Autofahrerstadt Stuttgart. Sie liegt in einem Tal, die verschmutzte Luft kann nirgendwohin entweichen.

Feinstaubpartikel sind kleiner als ein tausendstel Millimeter. Sie gelangen bis in die äußersten Verästelungen der Lunge und weiter ins Blut. Sie verursachen nicht nur Atemwegsinfekte und Lungenkrebs, sondern spielen auch für die Entstehung von Herzerkrankungen, Schlaganfällen und Diabetes eine große Rolle.

In der Außenluft stammen die Mikropartikel aus Autoabgasen, Reifenabrieb, Fabrikschlöten und der Landwirtschaft. Sogar wenn die Fenster geschlossen bleiben, dringt der Feinstaub durch das Gemäuer in die Wohnungen. Dort vermengt er sich mit dem Feinstaub aus Zigarettenrauch, Staubsaugern, Laserdruckern, rußenden Kerzen, Backausdünstungen und vielen anderen Quellen. "Wer in den Städten näher als 50 Meter an einer viel befahrenen Straße wohnt, leidet besonders häufig an gesundheitlichen Problemen", sagt die Epidemiologin Annette Peters vom Deutschen Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt des Helmholtz Zentrums München. Und dann sei es fast schon egal, ob man im Erdgeschoss oder sechsten Stock wohne. Schon vor einigen Jahren warnte auch die Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamtes, dass in Innenräumen, in denen die Menschen 80 bis 90 Prozent ihrer Zeit verbringen, die Luft oft höher belastet sei als draußen.

In einigen Ländern gehören Luftreiniger bereits zur Standardeinrichtung

Können Luftreiniger hier Abhilfe schaffen? In den smogbelasteten Großstädten Chinas, aber auch in Amerika, Kanada und England gehören sie so selbstverständlich zur Haus- oder Wohnungseinrichtung wie ein Staubsauger. Nun drängen die Hersteller auch nach Deutschland.

Zur Auswahl in den Baumärkten steht eine große Palette an elektronischen Geräten, die Preise liegen zwischen 50 und weit über 1000 Euro. Sie saugen die Raumluft an und führen sie durch Wasserbäder oder Filter. Seit kurzem sind auch Produkte am Markt, die keinen Strom brauchen: Heizkörper-Filter. Sie bestehen aus einer weißen, plattenförmigen Membrane, die oben auf die Heizungsgitter gelegt werden. Ihr Prinzip basiert darauf, dass ein großer Teil der Raumluft durch die Heizung zirkuliert und danach aufsteigt.

  Unscheinbares Gerät: Heizkörper-Filter reinigen die aufsteigende warme Luft.

Unscheinbares Gerät: Heizkörper-Filter reinigen die aufsteigende warme Luft.

Aber wie wirksam sind diese Geräte? Und wieviel kostet eines, das was taugt? Auf der Suche nach einer Antwort landet man schnell beim Institut für Umwelt- und Energietechnik e.V. (IUTA) in Duisburg, das Luftreiniger vor allem für den asiatischen Markt zertifiziert. Zugegeben keine ganz objektive Quelle, schließlich wird im Auftrag der Hersteller getestet. Hartmut Finger, der dort an diesem Thema forscht, sagt: "Die meisten Geräte filtern heute 95 Prozent der Staubpartikel oder sogar noch mehr." Allerdings bedeute das nicht, dass die Atemluft danach nahezu partikelfrei sei, weil ja ständig neuer Staub entstehe.

Außerdem benötige der Luftreiniger eine gewisse Zeit, um die komplette Raumluft einmal zu filtrieren. Erreichbar sei jedoch deutlich mehr als eine Halbierung der Konzentration. "Aber nur, wenn das Gerät der Raumgröße angemessen ist", so Finger. Entscheidend dafür sei die "Clean Air Delivery Rate", die auf der Verpackung oder Geräterückseite vermerkt sei. Sie wird in Kubikmetern pro Stunde angegeben und ist ein Maß für die zur Verfügung gestellte saubere Luft. Für ein Zimmer mit 12 Quadratmetern sei beispielsweise eine "Clean Air Delivery Rate" von 120 Kubikmetern angemessen. Auf ein ganz anderes Kriterium weist Finger noch hin, an das kaum ein Kunde beim Kauf denke. Wie laut ist das Gerät? "Da hilft nur: Auspacken, anschalten und prüfen, ob Sie mit dem Geräuschpegel leben können", so Finger.

Hausstauballergiker profitieren von den Geräten

Der nicht elektronische Heizkörper-Filter wurde von einem anderen Institut getestet und soll laut Prüfzertifikat etwa 90 Prozent des Feinstaubs aus der Luft in Innenräumen aufnehmen können. Er ist demnach den elektronischen Geräten unterlegen. Erwin Karg vom Helmholtz Zentrum München hat die Unterlagen genauer analysiert und ist nicht ganz überzeugt. Zwar werde die Luft wohl effektiv gefiltert, gleichzeitig aber könnte sich möglicherweise die Heizleistung verringern, sagt er. Im Klartext: Saubere Luft, weniger Stromkosten, aber höhere Heizkosten.

Heinz-Jörn Moriske vom Umweltbundesamt betrachtet den Trend zu Luftreinigern eher skeptisch. "Hausstauballergiker profitieren mit Sicherheit davon. Aber sogar an einer viel befahrenen Straße ist die Smogsituation ja nicht vergleichbar mit der in asiatischen Großstädten." Gegen gasförmige Schadstoffe (wie Stickoxide aus Dieselmotoren) seien die Geräte nahezu wirkungslos.

Was jeder tun kann, auch ohne Luftreiniger: Die Quellen von Feinstaub beseitigen. Das Helmholtz Zentrum München hat eine Liste mit Maßnahmen zusammengestellt. Staubsauger sollten mit HEPA-Feinstaubfiltern ausgestattet sein, ältere Laserdrucker lassen sich nachrüsten. Pumpsprühflaschen setzen weniger Partikel frei als Spraydosen. Bettdecken sind Feinstaub-Fänger und sollten deshalb zum Ausschütteln aus dem Fenster gehalten werden. Am wichtigsten jedoch: nicht im Haus oder der Wohnung rauchen – so ließe sich die Partikel-Anzahl um bis zu 95 Prozent verringern.

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