HOME

Darum haben erfolgreiche Männer bei der Familienplanung die Nase vorn

Viel Macht, viele Nachkommen: In der Menschheitsgeschichte pflanzten sich erfolgreiche Männer besonders erfolgreich fort. Auch heute spielt der Status eine wichtige Rolle – allerdings aus einem anderen Grund.

Ein Vater hält ein Neugeborenes auf dem Arm.

Vater mit Neugeborenem: hoher Status gleich erfolgreiche Fortpflanzung?

mit hohem Status pflanzen sich in allen nicht-industriellen Gesellschaften besonders erfolgreich fort. Das schreiben US-Forscher im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS). Christopher von Rueden von der University of Richmond und Adrian Jaeggi von der Emory University in Atlanta analysierten 46 Fachartikel, in denen es um den Zusammenhang zwischen Status und Reproduktionserfolg geht.

Der Status wurde dabei mit Hilfe verschiedener Kriterien gemessen – dazu zählten etwa körperliche Merkmale, Jagdfähigkeit, materieller Reichtum und politischer Einfluss. Die Forscher aus den stellten fest, dass der Zusammenhang gleich groß war, egal ob die Gesellschaften vom Jagen und Sammeln oder von der Landwirtschaft oder Tierhaltung leben.

Der Reproduktionserfolg beruht zum einen auf der Fähigkeit viele zu zeugen, zum anderen auf der Fähigkeit, diese am Leben zu erhalten. Die Meta-Studie bestätigt die Vermutung, dass der Status besonders zu ersterem beiträgt. In monogamen Gesellschaften wird dies, so die Forscher, dadurch unterstützt, dass ein Mann mit hohem Status die aus biologischer Sicht bessere Partnerin bekommt – zum Beispiel eine junge Frau, die oft gebärt.  

Status des Mannes entscheidend für Partnerwahl

Auch in der heutigen Gesellschaft spielt der Status Experten zufolge, die nicht an der Meta-Studie beteiligt waren, eine große Rolle. Allerdings ergibt sich kaum mehr der ursprüngliche Effekt. So meint der Humanethologe Wulf Schiefenhövel, dass in modernen industriellen Gesellschaften der Status des Mannes fast nur noch entscheidend für die Partnerwahl, nicht aber für die Anzahl der Kinder sei. Aus Sicht der Evolutionsbiologie sei das damit zu erklären, dass es nicht primär auf die Zahl der geborenen, sondern auf die Zahl der überlebenden Kinder ankomme. 

Ulrich Kutschera vom Institut für Biologie der Universität Kassel sieht ebenfalls im Status ein wichtiges biologisches Merkmal. So gelte auch in modernen Gesellschaften das Hypergamieprinzip, nach dem Frauen die evolutionär herausgebildete Tendenz haben, ranghöhere Männer zu bevorzugen – auch Hochheiraten genannt. Die Suche nach einem Mann mit hohem Status führe heute allerdings gerade nicht dazu, dass die Kinderzahl steige: "Eine naturwidrige Bevölkerungspolitik führt dazu, dass gebildete Frauen erst spät an Nachwuchs denken, wenn die qualifizierten Männer schon vergeben sind." Frauen verzichteten dann lieber auf Kinder, als sich mit einem Durchschnittstypen fortzupflanzen.

ikr/DPA

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren