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Fit und schlank mit High Heels

Stöckelschuhe werden für Fußdeformationen und Haltungsschäden verantwortlich gemacht. Dagegen sehen andere sie als Weiterentwicklung des aufrechten Gangs. Ernsthafte Studien sind Mangelware. Zum Glück kann man das Stöckeln mit etwas Humor auch sportlich sehen, meint Dorothea Palte.

  Stöckelschuhe haben auch gesundheitliche Vorteile: Sie stärken die Beckenboden-Muskulatur

Stöckelschuhe haben auch gesundheitliche Vorteile: Sie stärken die Beckenboden-Muskulatur

Ist es nicht der Traum jeder Frau: Statt Quälerei im Fitnessstudio einfach durch die Stadt zu schweben, umwerfend auszusehen und gleichzeitig ein effektives Workout für Bauch-, Rücken-, Po-, Bein- und Beckenbodenmuskulatur zu absolvieren? Auf hohen Absätzen eigentlich kein Problem - wenn da nicht die Sache mit dem Druck wäre. Auf dem Kniegelenk lastet bei hohen Absätzen laut einer Studie bis zu 26 Prozent mehr Druck als bei flachen Schuhen. Eine Langzeitfolge kann Arthrose, schmerzhafter Gelenkverschleiß, sein. Doch Joggen belastet auch die Gelenke. Beim Auftreten kann die Krafteinwirkung das bis zu Achtfache des Körpergewichts erreichen. Würde deshalb jemand Laufschuhe verteufeln und passionierte Jogger des gesundheitsschädigenden Verhaltens bezichtigen? Wohl kaum!

Immerhin eine Ärztin schreibt dem Stöckelschuh einen gesundheitlichen Nutzen zu: Laut der italienischen Urologin Maria Cerruto stärkt das Anheben der Ferse beim Laufen auf hohen Absätzen die Beckenboden-Muskulatur, was Inkontinenz verhindern und nebenbei auch noch das sexuelle Lustempfinden der Frau steigern kann. High-Heels machen sexy - wir haben es längst gewusst! Ob man es gleich wie Victoria Beckham halten sollte und nach der Schwangerschaft High-Heel-Training statt Beckenbodengymnastik macht, ist allerdings nicht erforscht.

Üben und auf die Haltung achten

Wie bei jedem Sport gilt auch beim Stöckelschuhlauf: Unbedingt aufwärmen, nicht übertreiben, auf die Haltung und gutes Material achten und vor allem - viel trainieren. Wer würde schon an einem Marathon teilnehmen ohne vorher jemals ein paar Kilometer durch den Wald gejoggt zu sein? Was bei anderen Sportarten selbstverständlich ist, wird beim Stöckelschuhlaufen aufs Sträflichste vernachlässigt. Das rächt sich.

Neben der korrekten Körperhaltung können Balance- und Koordinationsübungen für festen Halt auf sechs und mehr Zentimetern sorgen. In London bietet die Ballett- und Tanzlehrerin Sarah Toner Workshops fürs Absatzlaufen an und in New York sind "Stiletto Strength"-Workouts auf hohen Absätzen der Renner. Zunächst wird in Turnschuhen aufgewärmt, dann in Stilettos trainiert. Wer gerade nicht nach London oder New York kommt, kann das High-Heel-Laufen zu Hause üben: Die Augen geradeaus, die Hüfte locker, die Arme schwingen lassen und auf die Körperhaltung achten.

Trainieren und Überbelastungen vermeiden

Plötzlich auf sechs bis vierzehn Zentimetern mehr durchs Leben zu gehen, hat noch andere Trainingseffekte: Das Gehirn stellt sich auf eine neue Höhenlage ein und wird dadurch gefordert. Sobald das Höhentraining zur Gewohnheit wird, ist der Lerneffekt allerdings futsch. Wer viel auf hohen Absätzen durch die Welt stöckelt, sollte nicht nur deswegen manchmal bewusst flache Schuhe tragen oder barfuß gehen. Vor allem fürs Autofahren oder für Märsche auf unebenem Gelände ist ein Ersatzpaar angeraten.

  Beim Stiletto ist es wie beim Haus: Es kommt auf die Statik an

Beim Stiletto ist es wie beim Haus: Es kommt auf die Statik an

Damit sich die Achillessehne nicht verkürzt, sollten die Waden regelmäßig gedehnt werden - am besten täglich beim Zähneputzen Stretching-Übungen für die Waden machen. Je enger die Schuhe, desto wichtiger ist es, die Zehen zwischendurch zu spreizen. Auch das geht nebenbei, ob nun abends auf dem Sofa oder im Büro unterm Schreibtisch: Schuhe aus und die Zehen bewegen. Mit Greifübungen an einem Knautschball lässt sich zusätzlich die Fußmuskulatur trainieren. Fußfehlstellungen wie Senk- oder Spreizfüßen wird so gegengesteuert.

Das richtige Trainingsmaterial

Um auf hohen Absätzen unfallfrei durch die Welt zu kommen, muss das Trainingsmaterial geeignet sein und passen. Zudem sollte es vor dem Ausführen in freier Wildbahn eingetragen werden.

Es ist nicht immer eigene Unzulänglichkeit, wenn der Gang auf hohen Absätzen ungelenk wirkt. Wie bei einem Haus ist auch beim Schuh die Statik wichtig. Ferse sowie Groß- und Kleinzehenballen sollten darin im Idealfall gleich belastet werden. Da sich bei hohen Absätzen die Belastung prinzipiell eher zum Ballen neigt, sollte der Absatz seiner Höhe entsprechend unter der Ferse angebracht sein. Bei Absatzhöhen bis etwa zehn Zentimeter gibt es keinen Grund, dass man schon beim bloßen Stehen wankt. Außer, es wurde bei Planung und Verarbeitung der Schuhe geschlampt. Übrigens: Auch zu flache Schuhe gelten bei Orthopäden als Fuß- und Haltungskiller: Bei ihnen verlagert sich das Gewicht zu sehr auf die Ferse. Drei bis sechs Zentimeter gelten als ideal.

Absätze mit fünf Zentimetern führen zu einer Druckerhöhung auf dem Vorderfuß um etwa 60 Prozent, 7,5 Zentimeter zu 110 Prozent. Der Fuß hat ein natürliches Fettpolster unter dem Fußballen, der diesen Druck kompensiert. Dies kann aber zu dünn sein, so dass hohe Schuhe zu brennenden Fußballen führen. Gel-Polster sind dann ein gutes Hilfsmittel.

Geheimtipp Tanzschuh

Nicht zu vergessen ist die Verletzungsgefahr: Je kleiner die Auftrittsfläche und je höher der Absatz, desto größer ist die Gefahr, umzuknicken. High-Heels mit Pfennigabsätzen sind wirklich nur etwas für sehr geübte Trägerinnen - und auch dann nur gelegentlich. Schuhe, mit denen man durch den Alltag geht, sollten maximal acht Zentimeter haben. Wer unbedingt höher hinaus will, kann Plateausohlen ins Auge fassen. Der Höhenunterschied zwischen Ballen und Ferse ist bei ihnen trotz höherem Absatz geringer.

Auch wichtig: Frau muss nicht jede Mode mitmachen. Wer z. B. breite Fußballen hat, sollte die Finger - und die Zehen - von spitz zulaufenden Pumps lassen. Besonders guten Halt und Bewegungsspielraum bieten professionelle Tanzschuhe. Die sind mit einem Absatz von sechs bis maximal neun Zentimetern zwar keine echten High-Heels, denn dieser Fachbegriff gilt erst für Schuhe mit über zehn Zentimetern, doch sind sie meist schick, besonders gut austariert und angenehm zu tragen. Wer sich bislang in hohen Schuhen nicht auf die Straße traut oder sie nur gelegentlich für besondere Anlässe braucht, ist mit einem Paar Tanzschuhen gut bedient.

Wer also sich und seinen Füßen Gutes tun will: Stöckelschuhe immer in Ruhe anprobieren, genau reinfühlen, wie es sich mit ihnen geht und steht. Dabei hilft der Stöckelschuh-Fitness-Test, der einem auch daheim anzeigen kann, ob man die Tagesform für seinen Schuhfavoriten hat: In den Schuhen etwa 60 Sekunden lang auf einem Bein stehen - ohne sich abzustützen. Wenn das nicht klappt, fehlt es entweder noch am Training oder der Schuh hat eine schlechte Statik.

Ingesamt lässt sich sagen: Zu hoch und zu oft ist schlecht, gelegentlich zu hoch schadet nicht, vorausgesetzt man hat das nötige Körpergefühl. Wenn man nun noch bedenkt, dass Bewegung in den Alltag zu integrieren eines der Zaubermittel ist, um fit und schlank zu bleiben, gibt es zum Stöckelschuh nur eins zu sagen: Sehen Sie es sportlich!

Dorothea Palte

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