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Sonnenschein macht Flirtlaune – so wirken Frühlingsgefühle

Die Tage werden länger, die Röcke kürzer: Das Frühjahr steht vor der Tür – und mit ihm die sogenannten Frühlingsgefühle. Viele verspüren einen Energieschub – doch worauf beruht er?

Frühlingsgefühle - woher kommen sie und was machen sie mit uns?

Stimmt es, dass man sich im Frühjahr leichter verliebt? Zwei Experten verraten, was es mit Frühlingsgefühlen auf sich hat (Symbolbild)

Wie entstehen Frühlingsgefühle, warum beschäftigen sie uns so sehr und warum macht uns der Anblick luftiger und bunter Kleidung gute Laune? Eine Psychologin und ein Hormon-Experte machen zum Frühlingsbeginn am 1. März den Check.

Frühlingsgefühle – gibt es sie tatsächlich?

Ja. "Das Frühlingsgefühl existiert. Man spürt ein Gefühl der Aufbruchstimmung, ein Gefühl, Ballast abzuwerfen von der kalten dunklen Winterzeit", sagt Matthias Weber, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). "Die Tage werden wieder länger, die Dunkelheit verschwindet und das führt dazu, dass man mehr Tatendrang bekommt."

Was genau passiert in unserem Körper?

Nicht die höheren Temperaturen sind der Auslöser für bessere Stimmung. Vielmehr wird durch die zunehmende Lichteinwirkung über das Auge in der Zirbeldrüse im Gehirn das Schlafhormon Melatonin reduziert. Dies führt zu hormonellen Veränderungen. "Das Glückshormon Serotonin steigt, aber auch Dopamin und Noradrenalin. Man fühlt sich aktiver und wacher. Dieses neue Auferstehen der Aktivität wird vom Körper als begrüßenswertes Gefühl aufgefasst", erläutert Weber. Nicht nur das Auge nimmt den Frühlingsbeginn wahr. "Man riecht förmlich, dass der Frühling wieder beginnt, wenn der erdige Geruch des Bodens in den Sonnenstrahlen einem in die Nase steigt."


Entscheidend ist der Kontrast in der Helligkeit

Die Natur erwacht  und auch der Mensch?

Das ist sehr subjektiv. "Wenn ich ein munterer Winterspaziergänger bin, leide ich seltener unter saisonaler Depression", erklärt Gesundheitspsychologin Julia Scharnhorst. Gleichzeitig bedeutet dies: Wer in den dunklen Monaten genug Licht tankt, nimmt die Frühjahrssonne weniger intensiv wahr. Aus psychologischer Sicht seien Frühlingsgefühle auf Kontrasteffekte zurückzuführen. Aber auch menschliche Gewohnheiten, die über Jahrhunderte weitergegeben worden sind, spielten eine Rolle.

"Erst mit der Erfindung von künstlichem Licht ist es möglich, sich in den dunklen Stunden überhaupt zu beschäftigen. Früher mussten die Menschen in ihren Hütten und Höhlen schlafen", erläutert sie.

Sorgen optische Reize wie kurze Röcke und knappe T-Shirts für das hormonelle Erwachen?

Gesundheitspsychologin Scharnhorst ist skeptisch: "Das hat vielmehr etwas mit unserer Erwartungshaltung zu tun". Nach dem Motto: Draußen tut sich was, also muss sich auch in meinem Leben etwas verändern. Weber hingegen erklärt: "Durch hormonelle Einwirkungen wie die Pille, durch Winterreisen und andere künstliche Bedingungen können die natürlichen Reize heute abgeschwächt werden. Aber sicherlich sind sie immer noch vorhanden."

Im Frühjahr nutzen mehr Menschen Online-Dating

Was tut sich im Frühjahr so auf den Partnerbörsen?

Die Frühlingszeit ist eine flirtreiche Saison auf den Plattformen der großen Anbieter. Im Vergleich zum Herbst weist das Portal Parship.de 11 Prozent, Konkurrent Elitepartner.de sogar 17 Prozent mehr Registrierungen aus. Bei Parship seien User im Frühling viel aktiver: Im vergangenen Frühjahr seien mit 5,2 Millionen Erstnachrichten rund 12 Prozent mehr als im Herbst verschickt worden, heißt es dort.

Auch an Ostern steigt demnach die Flirtlaune. Gerade nach Silvester würden mehr Menschen auf Online-Plattformen ihr Glück in der Liebe suchen  beflügelt von der Hoffnung auf Neuanfang, erklärt Scharnhorst. Auch die Erklärung zu Ostern klingt simpel: "Die Leute haben einfach mehr Zeit, jemanden zu suchen".

Gefühle werden gern mit dem Wetter begründet

Warum sind Frühjahrsgefühle überhaupt ein Thema?

Ursachen sind vor allem unser Zusammenleben und unsere Tendenz zur Selbstbespiegelung in der westlichen Welt, meint Scharnhorst. "Wir neigen dazu, leichte Änderungen recht unspezifisch zu interpretieren. Geht es uns heute gut, sagen wir: Oh, das müssen die Frühlingsgefühle sein. Fühlen wir uns schlecht drauf, ist es die Frühjahrsmüdigkeit." Außerdem sei es kein Zufall, dass das Wetter vor allem in Unterhaltungen ein beliebtes Thema sei. "Ritualisierte Gespräche über Themen, bei denen jeder mitsprechen kann, haben eine soziale Funktion. Durch sie lässt sich Kontakt und Ähnlichkeit zwischen Menschen herstellen." 

Gibt es Frühlingsgefühle auch in anderen Kulturen und auf anderen Kontinenten?

"Auch in Nordamerika sind Frühlingsgefühle als 'Spring Fever' bekannt", erläutert Hormon-Experte Weber. "Aber je näher man dem Äquator kommt, desto geringer sind die Unterschiede zwischen Tag und Nacht, zwischen Sommer und Winter. Umso weniger sind dort also Frühlingsgefühle feststellbar." 

js/David Fischer/DPA
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