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Weinend am Wickeltisch

Die Geburt eines Kindes ist für die Eltern meist Anlass zur Freude. Wenn Mütter sich nicht recht freuen können, liegt das oft an einer Kindbettdepression. Manchmal löst die Entbindung sogar schwerere psychische Probleme aus.

Kindbettdepression: Schon der Name der Erkrankung deutet darauf hin, dass manche Mütter nach der Entbindung psychisch labil sind. Nun zeigt eine große dänische Studie, dass Frauen nach der Geburt des ersten Kindes eine ganze Reihe mentaler Störungen droht. Väter tragen dagegen kein erhöhtes Risiko. Die Forscher werten dies als Indiz dafür, dass bei den Frauen die mit Schwangerschaft und Geburt einhergehenden körperlichen Veränderungen eine wichtige Rolle spielen.

Die Untersuchung beruht auf den medizinischen Daten von mehr als 2,3 Millionen Dänen. Demnach sind Frauen in den drei Monaten nach der Geburt des ersten Kindes und insbesondere während der ersten Wochen stark gefährdet - also offenbar dann, wenn sie zum ersten Mal die Verantwortung für das neugeborene Kind übernehmen müssen. In den ersten zehn bis 19 Tagen nach der Entbindung hatten die neuen Mütter im Vergleich zu Frauen mit älteren Kindern ein mehr als sieben Mal höheres Risiko, wegen psychischer Probleme in ein Krankenhaus zu kommen. Verglichen mit kinderlosen Frauen waren sie vier Mal stärker gefährdet.

Schizophrenie und Angsterkrankungen

Neue Väter unterschieden sich dagegen nicht von anderen Männern. Generell entwickelte eine von 1000 Frauen nach der Geburt eine schwere psychische Störung, aber nur einer von 2700 Männern, wie das "Journal of the American Medical Association (JAMA)" berichtet. Zu den Problemen zählten Kindbettdepression, aber auch bipolare Störungen, Schizophrenie oder Angsterkrankungen.

In einem Kommentar der Medizinzeitschrift wird empfohlen, alle neuen Mütter auf psychische Probleme zu untersuchen und bei Bedarf zu behandeln. "Die mentale Gesundheit ist entscheidend für die Fähigkeit einer Mutter, ihre Aufgaben optimal zu bewältigen, Beziehungen zu genießen, sich auf die Geburt des Kindes vorzubereiten, mit den Belastungen umzugehen und die Freuden der Elternschaft zu schätzen", heißt es. Die dänischen Forscher um Untersuchungsleiterin Trine Munk-Olsen von der Universität Aarhus werteten alle nationalen Daten von 1973 bis zum Sommer 2005 aus. Etwa 1,1 Millionen Teilnehmer wurden in diesem Zeitraum Eltern.

Gefährdung durch körperliche Veränderungen

Nach der Geburt wurde bei 1171 Müttern und 658 Vätern erstmals eine psychische Störung diagnostiziert. Munk-Olsen glaubt, dass die Resultate der Studie grundsätzlich auch auf andere Industrieländer übertragbar sind. Den Grund für die stärkere Gefährdung von Frauen sieht die Medizinerin zumindest teilweise in körperlichen Veränderungen wie etwa Schwankungen im Hormonhaushalt. Dies könne zusammen mit Schlafmangel und den Anforderungen des Stillens dann die Probleme auslösen

Die Psychiaterin Nada Stotland aus Chicago ist nicht überrascht davon, dass Mütter ein höheres Risiko tragen als Väter. Mütter hätten einen viel stärkeren Schlafmangel als Väter, seien nach der Entbindung oftmals sozial isoliert und lebten häufig fern von Verwandten, die sie unterstützen könnten, so Stotland.

Brooke Shields als prominentes Beispiel

In die internationalen Schlagzeilen geriet das Thema im vergangenen Jahr: Damals erklärte die amerikanische Schauspielerin Brooke Shields, sie habe nach der Geburt ihres ersten Kindes Antidepressiva genommen, und wurde dafür vom Schauspieler-Kollegen Tom Cruise scharf gerügt. Für die Expertin Stotland ist dies ein Beispiel dafür, dass die Studie auf eine geteilte Resonanz stoßen wird: "Manche Menschen sagen vielleicht 'Meine Mutter hat acht Kinder aufgezogen und nie mentale Unterstützung gebraucht'", erläutert Stotland. "Andere werden sagen 'Endlich hat mal jemand erkannt wie belastend dies ist und was manche Menschen durchmachen'."

Lindsey Tanner/AP/AP
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