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Bin ich jetzt alt?

Das fragt sich auch die Hamburger Kabarettistin und Autorin Sybille Schrödter immer mal wieder ... Zum Beispiel neulich beim Italiener.

Spaghettiträger. Spaghettiträger? Allein das Wort. Ich mag es nicht. Weder das Wort, noch jedwede kurze Ärmel, wie sie auch immer heißen mögen. Zugegeben, das war nicht immer so. Genau genommen trug ich meine Arme noch letzte Woche gern und völlig ohne Arg ganz unbedeckt. Es war so ein warmer Spätsommertag, an dem man schon eine Jacke darüber, aber den Sommer noch darunter trägt. Trug, muss ich jetzt sagen. Es fing ganz harmlos an. Ich war mit einer Freundin essen. Sie ist ein paar Jährchen jünger als ich, und darauf legt sie auch gesteigerten Wert. Wehe, wenn ich mal sage, dass wir uns aus der Schule kennen. Da kommt aber sofort von ihr: "Aber ich war vier Klassen unter ihr!"

Wir gingen zu unserem Lieblingsitaliener und setzten uns nach drinnen, weil es draußen immer so zieht. Das war der erste Fehler. An den Fensterplatz. Der zweite. Hier hatte es sich nämlich über den Tag mächtig aufgeheizt. Mir wurde bereits beim ersten Glas Prosecco so heiß, dass ich die Jacke ausziehen musste. Plötzlich starrte sie mich an. Dieser Blick jagte mir kalte Schauer über den Rücken. Also, Jacke an. Sie fixierte mich in einer Art und Weise, dass mir davon wieder so heiß wurde, dass ich die Jacke aus- und, als sie aufhörte zu gucken, weil die Pasta kam, wieder anzog.

Das ging ein paar Male so hin und her. Ich wollte ihr schon auf den Kopf zusagen, dass sie auf dem Holzwege sei, wenn sie glaubte, jenes Aus- und Anziehen könne auch nur im Entferntesten auf Hitzewallungen zurückzuführen sein, als ihr Blick mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Jacke an. Wo hatte ich diesen Blick schon einmal gesehen? Wo? Aber natürlich! So guckte sie immer im Supermarkt in die Truhen, um sicherzugehen, dass das Fleisch noch frisch war. Mir wurde heiß. Jacke aus. Aber was war das? Sie sah gar nicht in Richtung Achselhöhle, sondern ein wenig tiefer.

Merkwürdig, dachte ich noch, meine Problemzonen sitzen doch ganz woanders, da hörte ich sie laut sagen: "Süße, du musst unbedingt mal was für deine Oberarme tun!" Ich sah sie ungläubig an, zog wortlos meine Jacke über und verließ das Lokal. Draußen angekommen schwitzte ich teuflisch. Egal. So haben Spaghettiträger mein Leben verändert. Eine Freundin weniger und eine Problemzone mehr!

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