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Der Tod und das Geld

Im Bundesministerium der Justiz wird geplant, kommerzielle Sterbehilfe per Gesetz zu verbieten. Doch was spricht eigentlich gegen professionelle Hilfe?

Von Frank Ochmann

  Professionelle Sterbehilfe wie in der Schweiz soll in Deutschland kriminalisiert werden.

Professionelle Sterbehilfe wie in der Schweiz soll in Deutschland kriminalisiert werden.

  • Frank Ochmann

Das geplante Verbot einer gegen Zahlung geleisteten Hilfe bei der Selbsttötung ist als Plan sogar Teil des geltenden Koalitionsvertrages. Also strebt Ministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nur an, was schon 2008 schriftlich als Ziel der Regierung formuliert wurde und darum auch niemanden überraschen sollte.

Doch das Thema ist gerade während der politischen Ferien bestens geeignet, ein bisschen mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen und sich mit dieser oder einer anderen Position herauszustellen. So steht das Abendland also wieder einmal vor dem Untergang. Vom offenbar unvermeidlichen "Dammbruch" ist als Folge des drohenden Gesetzes die Rede. Ein Dammbruch, weil die gewerbsmäßige Sterbehilfe verboten werden soll? Bei genauerem Hinsehen erregt vor allem eine zweite Bestimmung des Entwurfes die Gemüter. Diesem Zusatz nach soll es nämlich den jeweiligen Patienten nahestehenden Ärzten oder anderem vertrauten medizinischen Personal ermöglicht werden, einen Suizid zu unterstützen und dabei straffrei zu bleiben.

Der gesamte Medizinbetrieb basiert auf Geld

Und schon treten entrüstet alle auf die Bühne, die den heiligen Ärztestand gefährdet sehen. Niemals dürfen Ärzte töten, heißt es. Dabei nehmen Ärzte seit langem Abtreibungen vor und lassen sich solche tödlichen Eingriffe in das frühe Leben eines Menschen auch bezahlen. Das mag man bedauern oder gar verabscheuen, weil man solche Handlungen aus religiösen Gründen ablehnt. Dennoch finden sie in Deutschland im Rahmen geltender Gesetze und Standesregeln statt.

Sollten künftig also Mediziner einen legalen Beitrag dazu leisten, dass ein Mensch seinem eigenen Willen entsprechend stirbt, würde damit keine einzige bislang unberührte moralische Grenze überschritten. Das weiß ziemlich sicher auch Volker Kauder. Und darum darf es als pure Demagogie gesehen werden, wenn der CDU-Fraktionschef im Bundestag seinen Widerstand dagegen ankündigt, dass sich Ärzte und anderes medizinisches Personal am "Geschäft mit dem Tod" beteiligen.

Natürlich lässt sich lang darüber diskutieren, wer als Arzt oder sonst wie einem Kranken "nah" steht. Mit solchen Wischiwaschi-Formulierungen ist keinem gedient. Nicht den Patienten, und auch den Medizinern nicht. Was aber ist denn überhaupt so schlimm daran, wenn jemand einem Kranken gegen Bezahlung dabei hilft, seinen Willen in die Tat umzusetzen? Schließlich geschieht das jeden Tag in allen Krankenhäusern, Arztpraxen und durch Pflegedienste. Richtig, nicht beim Sterben. Also wird "Hilfe gegen Geld" erst dann zum ethischen Sonderfall, wenn der Wille des Patienten der letzte ist und einen Todeswunsch beinhaltet.

"Nahe stehen" hat beim Tod einen bitteren Beigeschmack

Volker Kauders Begriff vom "Geschäft mit dem Tod" ist im Zusammenhang mit der Sterbehilfe schon deshalb Unsinn, weil es ja gar nicht um den Tod geht. Mit dem treibt beispielsweise eine landesweit blühende Bestattungsindustrie seit jeher ihr Geschäft, und niemand nimmt ihr das sonderlich übel. Um das Sterben geht es. Und kommt dabei Geld ins Spiel, haben wir ja durchaus Grund zur Sorge. Nicht wenige Krimis erzählen davon, dass sich Menschen bereichern, in dem sie einen anderen vor der Zeit ins Jenseits befördern. Und unter denen, die sich so bereichern, finden sich durchaus viele, die den Getöteten im Leben nahe standen. Schaut man in die Kriminalstatistik, bekommt "nahe stehend" eher einen bedrohlichen als beruhigenden Klang.

Was also sollte per Gesetz tatsächlich sichergestellt werden? Dass ein Mensch legal nur dann und womöglich mit fremder Hilfe aus dem Leben scheiden kann, wenn dieser Wille des Patienten nach bestem Wissen und Gewissen geäußert wird. Dazu sollte so sicher wie möglich sein, dass die Helfer nur aus Gründen handeln, die allen Beteiligten offensichtlich sind. Dass mir jemand nach allgemein überprüfbaren Kriterien "nahe steht", ist nun mal keine Garantie für gute Absichten. Und wenn jemand mein Bestes will, garantiert das nicht, dass derjenige auch beurteilen kann, was genau das Beste für mich ist.

Besser professionell als laienhaft

Schon diese kurzen Überlegungen sprechen für professionelle Hilfe bei der Frage, wann und wie ein Schritt vom Leben in den Tod angemessen ist. Neben "menschlicher Reife" scheint eine zumindest grundlegende medizinische Ausbildung ebenso sinnvoll zu sein wie eine psychologische. Was aber spricht dann gegen eine Bezahlung solcher Dienste von hoher Qualität und natürlich auch unabhängiger Kontrolle? Sind Hospize, Krankenhäuser oder ambulante Pflegedienste ethisch fragwürdig, weil ihre Leistungen Geld kosten?

Rund um die Sterbehilfe werden – nicht erst seit den jüngsten Vorschlägen aus dem Justizministerium – vor allem Scheindebatten geführt. Ehre und Moral des medizinischen Standes werden dabei ebenso vehement verteidigt wie das hehre Ansinnen unserer Politiker. Von der Würde des Menschen und ihrer Unantastbarkeit wird ergriffen geredet und von den unverzichtbaren moralischen Grundsätzen unserer Gesellschaft. Mit einer weniger feierlichen Debatte wäre den wirklich Betroffenen, den Leidenden und sich am Ende ihres Weges Wähnenden also, sicher besser gedient.

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