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Coffee to go - ein No-Go?

Auf dem Arbeitsweg noch schnell einen Kaffee im Pappbecher mitnehmen - das ist ungemein praktisch, aber ökologisch ein Fiasko. Doch sind die Alternativen überhaupt besser für die Umwelt?

Von Alexander Sturm und Katharina Grimm

  Jedes Jahr landen in Deutschland sechs Millliarden Einwegbecher auf dem Müll.

Jedes Jahr landen in Deutschland sechs Millliarden Einwegbecher auf dem Müll.

Früher trank man Filterkaffee. Die Maschine schnaubte und gluckste, die braune Brühe tröpfelte in die Kanne und die ganze Küche roch nach frischem Kaffee. Zur klassischen Kaffee-und-Kuchen-Zeit genoss man das Gebräu aus feinen Porzellan-Tässchen und bei Omas Geburtstag gar im Café. Dort mit dem Hinweis: Draußen nur Kännchen.

Heute heißt es: "Einen Iced-Chocolate-Mocha-Soja-Latte mit Haselnut-Flavour, bitte." Auch das ist Kaffee – doch statt im blümchenverzierten Geschirr fließt er häufig in Pappbecher. Kaffee wird immer mehr zum Unterwegs-Getränk: In den Großstädten drängen sich die Kaffeeketten, selbst Fast-Food-Konzerne setzen auf den Mitnehmtrend. 1500 Coffeeshops gibt es deutschlandweit. Ein lohnendes Geschäft, schließlich trinken laut einer Studie mehr als zwei Drittel der Deutschen gelegentlich Kaffee aus Pappbechern, bei den 18- bis 35-Jährigen sind es 80 Prozent. Deutschland als mobiles Kaffee-Schlürfland – ganz nach dem Vorbild der Becher-Boom-Nation USA.

Pappbecherkette reicht 57 Mal um den Erdball

Doch der Trend hat schlimme Folgen für die Umwelt: Laut Deutschem Kaffeeverband trinkt der Durchschnittsbürger etwa 150 Liter im Jahr, etwa 40 Prozent wird außer Haus konsumiert. Das bedeutet: Die Deutschen verbrauchen jährlich rund sechs Milliarden Einwegbecher laut Naturschutzbund WWF. Nach kurzer Karriere landen die Becher nach dem Austrinken auf dem Müll.

  Abgeholzter Regenwald in Brasilien: Laut dem Umweltverband WWF werden für Pappbecher jährlich eine halbe Million Bäume gefällt.

Abgeholzter Regenwald in Brasilien: Laut dem Umweltverband WWF werden für Pappbecher jährlich eine halbe Million Bäume gefällt.

Würde man alle Becher aufeinanderstapeln – ein 0,25 Liter-Becher misst gewöhnlich neun Zentimeter – entstünde ein 540.000 Kilometer hoher Müllberg. Und das sind nur Zahlen für Deutschland. Weltweit, rechnet das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie vor, landen jährlich rund 23 Milliarden Becher auf dem Müll. Ineinandergeschoben würde die Becherkette 57 Mal um die Erde reichen. Und laut WWF werden für Pappbecher jährlich über eine halbe Million Bäume gefällt.

Kein Wunder, dass der Bechertrend Umweltschützer empört. Aber was ist die Alternative? Intuitiv liegt es nahe, statt Pappbecher Keramikbecher zu verwenden. Aus ihnen lässt sich schließlich mehrfach trinken. Also müssten sie umweltfreundlicher sein. Das Problem: Ihre Herstellung verbraucht nicht nur mehr Energie, sie wiegen auch mehr – was den Spritverbrauch beim Transport in die Höhe treibt. Zudem kostet die Reinigung Wasser und Spülmittel. Das alles schlägt negativ in der CO2-Bilanz zu Buche.

Einwegbecher schlägt Tasse – aber nicht immer

Pappbecher dagegen sind viel leichter, die Transportkosten somit niedriger und Umweltschäden durch Abwaschen null. Allerdings ist die Innenseite der Becher mit wasserabweisendem Kunststoff beschichtet, was das Recyceln erschwert. Zudem ist für ihre Produktion Holz notwendig. Trotzdem: Laut einer unabhängigen Studie der Niederländischen Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung #link; http://www.tno.nl/downloads/Summary%20Research%20Drinking%20Systems.pdf; schneiden Einwegbecher in Sachen CO2-Belastung um mindestens 20 Prozent besser ab#. Nur jahrelang gebrauchte Keramikbecher (in der Regel halten sie zwischen 500 bis 3000 Mal), gleichen die höheren CO2-Kosten für Transport und Reinigung aus.

Wichtiger, schreiben die Forscher, seien aber die Häufigkeit des Spülens und der dafür notwendige Energieeinsatz. "Die Lebensdauer eines Keramikbechers beeinflusst die Umweltbelastung zu einem geringeren Grad." Je seltener er gespült wird, desto besser die Ökobilanz. Ab fünfmaligem Gebrauch ohne Spülen seien Keramikbecher umweltverträglicher. Ihre Schlussfolgerung: Alleine die Nutzungsgewohnheiten entscheiden darüber, was die Umwelt weniger belastet.

Fazit: Bewusst entscheiden

Sprich: Jeder Einzelne kann durch seinen Gebrauch die Ökobilanz positiv beeinflussen. Aber wie kommt der Kaffeetrinker nun ökologisch korrekt durch den Tag?

Eine Variante, die den Müllberg verringert und zugleich CO2 einspart, ist: Einfach den Coffe-to-go-Becher mehrfach verwenden – und nicht sofort wegwerfen. Wer etwa auf dem Weg zu Arbeit oder in der Mittagspause täglich Coffee to go trinkt, kann sich auch einen eigenen Mehrwegbecher kaufen. Das spart sogar Geld: Einige Kaffeekette gewähren Kunden, die ihren eigenen Becher mitbringen, einen Preisnachlass von bis zu 50 Cent.

Geht der Keramikbecher nicht gleich beim ersten Gebrauch zu Bruch und wird er mehrmals - genau gesagt mindestens fünfmal - am Tag ohne Spülen verwendet, ist er die umweltverträglichste Variante. Es gilt also: Nicht den Pappbecher verteufeln, aber vergleichen und dann entscheiden.

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