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Mehr als tumbe Keulenschwinger

Bis vor wenigen Jahren galt er noch als grunzender Keulenschwinger, der unbeholfen durch die Steppe stapft. Heute zeichnet die Wissenschaft ein anderes Bild von ihm: Der Urmensch Homo neanderthalensis ist ein lange verkannter Experte für das Leben am Limit.

Etwa 300.000 Jahre lang besiedelten Neandertaler fast ganz Europa und weite Teile Asiens. Sie hatten viel Platz, denn in Warmphasen gab es höchstens 90.000 dieser Urmenschen. In Kälteperioden dürften zwischen Atlantik und Mittelasien sogar nur 10.000 Neandertaler gelebt haben. Nur wenige wurden älter als 30 Jahre. Sie waren etwa 1,60 Meter groß und wesentlich muskulöser als heutige Menschen. Weil der Brustkorb rund war, strahlte der gedrungene Körper weniger Wärme ab - am Rand der Gletscher überlebenswichtig. Die große Nase diente als eine Art "Vorwärmer" für eiszeitlich-kalte Atemluft.

Geschickte Jäger

In Gruppen von bis zu 20 Urmenschen hausten sie in einfachen Hütten und trugen Kleidung aus Fellen und Tierhäuten. Neandertaler waren gut zu Fuß und wanderten regelmäßig weite Strecken. Sie ernährten sich zu 95 Prozent von Fleisch. Den Rest der Speisekarte wie Blätter, Wurzeln, Beeren oder Nüsse dürften Alte oder Frauen mit Kindern für ihre Gruppe gesammelt haben.

Neandertaler waren geschickte Jäger, die sich bis auf wenige Meter an Wildpferde, Hirsche, Auerochsen oder Wollhaar-Nashörner heranpirschten und sie mit damals modernster Waffentechnik erlegten. Sie fertigten feine Steinklingen, die mit bei 300 Grad hergestelltem Birkenpech an Holzgriffe oder lange Speere und Stoßlanzen geleimt wurden.

Modefarben Gelb, Rot oder Orange

Der Neandertaler malte zwar keine Jagdszenen an Höhlenwände, er kannte aber Farben. In modischem Gelb, Rot oder Orange wurden wohl Haut oder Kleidung bemalt. Fundstücke wie gefärbte Muscheln mit Löchern zur Befestigung sprechen dafür, dass die Neandertaler auch einfachen Schmuck kannten.

Die Weitergabe entwickelter Jagdmethoden und Techniken zur Werkzeugherstellung zeugt davon, dass Neandertaler sprechen konnten. Verletzte wurden gepflegt und überlebten Knochenbrüche und andere Wunden oft jahrelang. Vermutlich wurden auch Heilkräuter genutzt. Neandertaler scheinen sich auch über Leben und Tod Gedanken gemacht zu haben, denn sie bestatteten ihre Toten.

DPA/DPA

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