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Von Hagens macht Guben zur "Leichenstadt"

Die Ausstellung "Körperwelten" machte ihn weltbekannt, nun öffnet der umstrittene Leichenkonservierer Gunther von Hagens ein Plastinarium in Guben. Die Bewohner des brandenburgischen Städtchens schwanken zwischen Vorfreude und Entsetzen.

Ein bizarres Panoptikum mit Poker spielenden Leichen entsteht derzeit im südbrandenburgischen Guben: Dort lässt der umstrittene Anatom Gunther von Hagens das nach seinen Angaben weltweit erste Plastinarium einrichten. Es soll die Herstellung anatomischer Präparate von Mensch und Tier zeigen. Insbesondere die Kirche übt scharfe Kritik an dem Projekt.

Früher eine Wollfabrik, dann das Rathaus

Die Hälfte des etwa 300 Meter langen Backsteinkomplexes, die früher zur Gubener Wollfabrik gehörte, beherbergte bis zum Sommer das Rathaus. Nach kontroverser Debatte verkaufte die Stadt sie im Frühjahr an von Hagens. Am 17. November eröffnet auf 2500 Quadratmetern das Plastinarium im Erdgeschoss des vierstöckigen Hauptgebäudes, das gegenüber von polnischen Plattenbauten liegt.

Derweil warten im Innenhof des Komplexes noch viele marode Gebäude darauf, umgebaut zu werden, beispielsweise zu einem Filmstudio und zur Annahmestelle für Leichen von Körperspendern. Es sind diese Körper, die seit Ende 2005, als die Pläne für eine Plastinationswerkstatt bekannt wurden, monatelang für heftige Debatten um Menschenwürde, Moral und Ethik sorgten. Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner (FDP) trat dabei immer vehement für das Projekt des Plastinators ein und wehrt sich gegen den Beinamen "Leichenstadt" für Guben.

"Wir brauchen hier Arbeitsplätze"

Dagegen scharte die Evangelische Kirche die Kritiker im Aktionsbündnis für Menschenwürde um sich. Der Gubener Pfarrer Michael Domke verurteilt die öffentliche Zur-Schau-Stellung von Leichen. "Der menschliche Körper wird hier zur Ware gemacht, die fabrikmäßig bearbeitet wird."

Deutlicher als zuvor steht derweil die Mehrheit der 23.000 Einwohner von Guben zu dem Projekt. In der Grenzstadt ist jeder Vierte arbeitslos. "Wir brauchen hier Arbeitsplätze", sagt Rentner Erhard Geller. "Außerdem erhöht das Plastinarium die Attraktivität unsere Stadt hier am Ostrand von Deutschland." Ähnlich sieht das Pensionär Helmut Moelle: "Es wäre außerdem gut, wenn sich die Kritiker genau so intensiv mit dem Schicksal der Lebenden hier beschäftigen würden wie mit der Würde der Toten."

Bisher beschäftigt von Hagens in Guben 33 Menschen, darunter polnische Spezialisten. In ein paar Jahren sollen es 200 Mitarbeiter sein. 700 Bewerbungen seien bereits eingegangen, berichtet von Hagens' persönliche Referentin Nadine Diwersi.

Pokernde Plastinate

In der ehemaligen Wollfabrik wird derweil alles für die Eröffnung vorbereitet. "Bis zu 5000 Besucher können dann täglich durch die Räume gehen und einen Blick hinter die Kulissen der Plastination von Mensch und Tier werfen", erläutert der 61-jährige von Hagens, der das Heidelberger Institut für Plastination leitet. Passend zu der früheren deutschen Hutmetropole Guben trägt er auch hier sein Markenzeichen, einen schwarzen Hut.

Zum Beginn des Rundganges erhält der Besucher Einblick in die Geschichte der Anatomie und die Entwicklung der Plastination. Es schließt sich die 1000 Quadratmeter große Werkstatt an, wo Mitarbeiter unter den Augen der Besucher Unterrichtspräparate herstellen und von 2007 an auch große Tierplastinate. Zum Schluss sollen in einem Schauraum Lehrpräparate gezeigt werden. Das wohl spektakulärste Stück ist eine Pokerrunde plastinierter Menschen, die im neuen James-Bond-Film "Casino Royale" zu sehen sein wird.

DPA/DPA
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