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Dollars verraten Reisewege von Viren

Wie sich Viren verbreiten, kann man an der Bewegung ihrer Wirte erkennen. Beim Menschen ist das nicht so schwer, denn er hinterlässt eine untrügliche Spur: Geld.

Anhand der Reiserouten von Dollarscheinen wollen Göttinger Forscher die Ausbreitung von Epidemien vorhersagen. Auf den Spuren der Geldscheine beobachtete ein deutsches Forscherteam das moderne Reiseverhalten der US-Amerikaner und entwickelte ein mathematisches Modell dafür. Da Krankheitserreger ebenso wie Geldscheine durch Menschen von Ort zu Ort getragen werden, kann man mit Hilfe des Modells künftige Seuchenzüge wie etwa eine Grippe-Pandemie besser vorhersagen. Die Forscher um Dirk Brockmann vom Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation stellen ihre Arbeit im britischen Fachjournal "Nature" vor.

Durch die stark gestiegene Mobilität breiten sich Krankheitserreger weltweit rasant aus. Während historische Seuchen wie die Pest eher langsam und wellenartig vorwärts kamen, verbreiten sich Keime heute auf den Reiserouten der Menschen blitzschnell um den Globus. So benötigte die Pest im 14. Jahrhundert noch drei Jahre, um Europa von Süd nach Nord zu durchqueren - mit einem Durchschnittstempo von zwei Kilometern pro Tag. Die Lungenkrankheit Sars hingegen tauchte 2003 binnen Wochen auf mehreren Kontinenten auf. Es sei jedoch bislang nicht gelungen, solche Bewegungsströme ausreichend in der Theorie zu beschreiben, sagen die Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft.

50 Millionen Geldscheine

Für ihr neues Modell analysierten die Forscher die Daten des Internetportals www.whereisgeorge.com. Auf der Web-Site können User ihre Geldscheine registrieren, das Geld dann ausgeben und seinen Weg online verfolgen. "Da wir Menschen nicht wie Tiere mit Sendern verfolgen können, suchten wir Daten möglichst über Millionen von Bewegungen einzelner", erläutert Brockmanns Kollege Lars Hufnagel, der zurzeit an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara forscht. Auf der Website sind rund 50 Millionen Geldscheine registriert.

Reisebewegungen lassen sich genau vorhersagen

Das Datenmaterial über die Reisewege der Geldscheine erlaube genaue Rückschlüsse auf das Reiseverhalten von Menschen unabhängig von den benutzten Verkehrsmitteln, sagte Brockmann. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Geldbewegungen und damit das moderne Reiseverhalten so genannten universellen Skalierungsgesetzen gehorchen: Das Reisemuster über kleine Entfernungen gleicht dem über große Distanzen.

Das auf Grundlage dieser Daten entwickelte mathematische Modell beschreibe mit bislang nicht gekannter Genauigkeit Reisebewegungen auf Entfernungen von einigen wenigen bis zu mehreren tausend Kilometern, sagen die Forscher. Da für viele Krankheitserreger die Ansteckungsmechanismen von Mensch zu Mensch gut bekannt seien, könne mit Hilfe der neuen Theorie erstmals eine globale Seuchenausbreitung realistisch berechnet werden.

DPA/AP/DDP/AP/DPA

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