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Wieso Frauen wählerischer sind

Beim Speed-Dating sind Männer weniger anspruchsvoll als Frauen. Während sie fast jede zweite Frau wiedersehen wollen, geben die Damen zwei von drei Männern einen Korb. Psychologen haben getestet, ob es einen einfachen Grund für diesen Unterschied gibt - und ihn gefunden.

Darf sie sitzen bleiben oder muss sie herumwandern? Das allein kann beeinflussen, wie sympathisch sie einen Mann beim Mini-Date findet

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Anders als beim normalen Kennenlernen haben Singles beim Speed-Dating nur wenige Minuten, um sich einen Eindruck vom anderen zu verschaffen. Männer schneiden dabei oft schlechter ab als Frauen, glaubten Psychologen bisher. Denn nach so einem Blitz-Kennenlernen wollen Männer im Schnitt etwa die Hälfte aller Frauen wiedersehen, mit denen sie sich unterhalten haben. Bei Frauen liegt die Quote bei gut einem Drittel. Forscher fanden das plausibel und zogen Vergleiche mit dem Tierreich: Frauen, so ihre Erklärung, investierten schließlich mehr Energie in die Fortpflanzung, also sei es für sie auch wichtiger, genau den richtigen Partner zu finden. Und frühere Experimente zeigen, dass weibliche Singles grundsätzlich wählerischer sind als männliche.

Oder werden Männer beim Speed-Dating benachteiligt? Eine neue Studie der US-Psychologen Eli Finkel und Paul Eastwick von der Northwestern University in Evanston liefert überraschende Erkenntnisse: Dass Frauen wählerischer sind, sei nur dann zu beobachten, wenn Männer bei dem kurzen Kennenlerntreffen von Tisch zu Tisch wandern, während die Damen sitzen bleiben durften. Bei einem Rollentausch sei das nicht mehr festzustellen, berichtet der Onlinedienst des Fachmagazins "Nature".

Nachteil der Ritterlichkeit

Finkel und Eastwick fiel auf, dass es bei Speed-Datings fast immer die Männer sind, die nach einem der kurzen Gespräche aufstehen und zur nächsten potenziellen Partnerin gehen. Dieses System erscheine galanter gegenüber den Frauen, gab eine kommerzielle Speed-Dating-Agentur auf Nachfrage an. Doch genau diese Ritterlichkeit scheint die Ergebnisse der Treffen zu beeinflussen, entdeckten die beiden Forscher. Sie organisierten 15 Speed-Dating-Runden mit insgesamt 350 Teilnehmern - acht davon nach dem klassischen Muster und sieben, bei denen die Frauen rotieren sollten. Die herkömmliche Vorgehensweise lieferte den typischen Geschlechterunterschied: Männer wollten 50 Prozent der Frauen kennenlernen, Frauen jedoch nur 43 Prozent der Männer.

Bei dem Rollentausch verschob sich diese Quote jedoch. Hier zeigten die Männer in nur 43 Prozent der Fälle Interesse, während die Frauen immerhin 45 Prozent der Männer wiedersehen wollten. Die Psychologen liefern zwei mögliche Erklärungen für diesen Effekt. Einerseits beeinflusse die körperliche Aktion die Wahrnehmung: Wenn man sich einer Person nähert, wird sie attraktiver, entfernt man sich, nimmt auch die Anziehungskraft ab. Andererseits könnte es auch sein, dass die Männer die herumwandernden Frauen besser sehen und damit auch ihre körperliche Attraktivität besser bewerten konnten.

Als nächstes wollen Finkel und Eastwick jetzt ältere Studien neu analysieren und sehen, ob sich der Effekt reproduzieren lässt.

DDP/DDP

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