Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Wurstprodukte oft mit Problem-Keimen belastet

Eine Stichproben-Analyse für die Grünen-Fraktion zeigt, dass sich in vielen Wurstprodukten Keime finden, die resistent gegen Antibiotika sind. Besonders schlecht schnitten Putenprodukte ab.

  Eine kleine Untersuchung zeigt, dass Wurstwaren oft Keime enthalten, die resistent gegen Antibiotika sind.

Eine kleine Untersuchung zeigt, dass Wurstwaren oft Keime enthalten, die resistent gegen Antibiotika sind.

In mehreren Wurstprodukten aus Supermärkten sind Keime gefunden worden, die gegen Antibiotika resistent sind. In 10 von 63 Stichproben, die im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion genommen wurden, konnten derartige ESBL-Bakterien nachgewiesen werden.

ESBL steht für "extended-spectrum beta-lactamases" und bezeichnet Enzyme, die bestimmte Antibiotika unwirksam machen. Bakterien, die ESBL bilden, sind unter anderem gegen Penicilline aber auch Cephalosporine der dritten und vierten Generation, sogenannte Reserveantibiotika, unempfindlich. ESBL-Bakterien rufen nicht in jedem Fall eine Erkrankung hervor. Sie können dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge aber besonders bei Risikogruppen wie Kleinkindern, Schwangeren und älteren Menschen dazu führen.

Für die von den Grünen in Auftrag gegebene Stichprobe wurden Anfang Mai in 13 Städten Mett, Teewurst, Salami und Schinken getestet. Die Ergebnisse der Stichprobe im Überblick:

  • Bei den Wurstwaren sind besonders die Mettprodukte (Mettbrötchen, Zwiebelmett) auffällig. Hier wurden wir in 22 Prozent der Proben ESBL Keime gefunden (8 Proben von insgesamt 36).
  • Insgesamt waren beim gesamten Test Putenprodukte besonders auffällig. Bei 66 Prozent der Proben (6 von 9 Proben) stellten die Tester ESBL Keime fest.
  • Bei Schinken wurden keine Keime gefunden.
  • Bei Teewurst und Mettwurst/Salami wurde jeweils eine Probe positiv auf ESBL getestet.

Grüne kritisieren Tiermast

Kritiker warnen, dass ESBL-Keime beim Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung ins Fleisch gelangen können. Zudem befürchten sie, dass durch den massenhaften Einsatz der Mittel Antibiotikaresistenzen zunehmen. "Mit den Produktionsmethoden beim Billigfleisch gefährden wir unsere eigene Gesundheit", kritisiert Grünen Fraktionschef Anton Hofreiter das bestehende System der Tiermast. Grünen-Agrarexperte Friedrich Ostendorff fordert daher, die Branche müsse die Haltungsbedingungen besonders bei Puten verbessern und einseitige Zucht auf Hochleistung beenden.

Seit dem 1. April gelten neue Meldepflichten und strengere Vorgaben, um den Antibiotika-Einsatz in der Tiermast einzudämmen. Tierhalter müssen Anwendungen bei Schweinen, Hühnern, Puten und Rindern künftig alle sechs Monate amtlich melden. Die Daten werden bundesweit erfasst und bewertet. Behörden können Prüfungen und Gegenmaßnahmen anordnen. Antibiotika sollen generell so selten wie möglich verwendet werden, um zu verhindern, dass sie auch bei Menschen nicht mehr wirken.

db/DPA/DPA

Weitere Themen

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools