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Mit links zum Erfolg

Was haben Barack Obama, Angelina Jolie, Dieter Bohlen und Marilyn Monroe gemeinsam? Alle erlangten ihre Berühmtheit gleichsam mit links. Doch Linkshänder haben es in ihrem Alltag nicht immer leicht.

In vielen Kulturen ist die Abneigung gegen Linkshänder tief verwurzelt, davon zeugt unsere Sprache auch heute noch. Nach christlicher Überlieferung kam der Teufel vom 'rechten' Weg ab, Christus hingegen sitzt zur Rechten Gottes. Wer dagegen 'linkisch' ist, hat 'zwei linke Hände', wer nicht 'rechtschaffen' ist, wird schnell zum 'linken Vogel'. Dabei gibt es viele linkshändige Wissenschaftler, Musiker, Politiker und Stars: Nicht nur Barack Obama oder George Bush, sondern auch Marilyn Monroe, Julia Roberts, Charlie Chaplin und Marie Curie erlangten ihre Berühmtheit mit links. Auch Dieter Bohlen, Queen Elisabeth II. und Johannes B. Kerner zählen zu den zehn bis 15 Prozent der Menschen, die nach vorsichtigen Schätzungen Linkshänder sind. In Deutschland gibt es etwa zwölf Millionen. Heute, am Weltlinkshändertag, wollen sie darauf aufmerksam machen, dass unsere Welt noch immer auf Rechtshänder ausgelegt ist.

Zahlreiche Linkshänder im Spitzensport

Die Ursache für die Linkshändigkeit ist noch offen, eine genetische Veranlagung gilt als wahrscheinlich. Bewiesen ist das aber noch nicht. Obwohl eineiige Zwillinge genetisch identisch sind, kommen bei ihnen Links-Rechtshänder-Kombinationen ähnlich häufig vor wie bei anderen Geschwisterpaaren. Auch wenn die Eltern beide linkshändig sind, heißt das noch lange nicht, dass die Kinder diese Händigkeit ebenfalls erben. Einige wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass die Zahl besonders intelligenter "Lefties" hoch sein soll, aber eine ebenfalls höhere Zahl minderbegabter Linkshänder verdirbt nach einigen Studien den Durchschnittswert. Eindeutig überrepräsentiert sind Linkshänder im Spitzensport. So soll ihr Anteil bei Zweikampf-Sportarten wie Boxen, Tennis oder Fechten bei bis zu 55 Prozent liegen. Für die Behauptung, Linkshänder seien kreativer, gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis.

Drillen auf Rechts bringt Probleme mit sich

Heute, am Weltlinkshändertag, wollen die Linkshänder den Rechtshändern der Welt deutlich machen, mit welchen Tücken des Alltags und der Maschinenwelt sie sich täglich herumplagen: Am Computer sitzt der Ziffernblock auf der falschen Seite, am Geldautomaten wird der Karteneinschub zur akrobatischen Fingerübung. Aus der Gitarre wollen keine harmonischen Klänge herauskommen und Scheren, Dosenöffner und Fotoapparate sind einfach falsch herum ausgelegt.

Um darauf aufmerksam zu machen, rief der US-Amerikaner Dean Campbell 1976 den Weltlinkshändertag ins Leben. Als Datum für den Aktionstag wählte er bewusst Freitag, den 13. August. Damit wollte er ein Zeichen gegen den Aberglauben setzen, der sich oft um die Linkshändigkeit rankt. Linkshändige Frauen wurden früher beispielsweise als Hexen verbrannt.

Auch heute noch fühlen sich manche Linkshänder benachteiligt. Die Diskriminierung fange schon in der Kindheit an, sagt Matthias Wüstefeld, der in Münster eine von bundesweit 76 Beratungsstellen für Linkshänder betreibt. Schüler wurden in der Bundesrepublik beispielsweise noch bis in die 1970er Jahre von der 'bösen' linken auf die vermeintlich 'gute' rechte Hand umgeschult. "Noch bis vor kurzem stand in den Lehrplänen einiger Bundesländer, dass Lehrer versuchen sollen, leicht linkshändigen Kindern das Schreiben mit rechts beizubringen", so Wüstefeld. Doch das erzwungene Drillen auf die rechte Hand kann gravierende Probleme mit sich bringen "Mögliche Folgen sind Konzentrationsschwierigkeiten, Lese- und Rechtschreibschwächen oder auch Sprachstörungen wie Stottern", sagt Wüstefeld, der selbst Linkshänder ist. All dies könne dazu führen, dass sich die Kinder immer weiter zurückzögen oder sozial auffällig würden. Auch Inkontinenz sei eine mögliche Auswirkung. Viele Kinder blühten regelrecht auf, wenn sie damit begännen, ihre dominante Hand zu gebrauchen. Sie gewännen an Selbstsicherheit und fühlten sich ausgeglichener.

Linkshänder lassen sich nicht umpolen

Neue Studien zeigen auch, dass sich Linkshänder nie vollständig auf rechts umpolen lassen. Denn die übergeordneten Hirn-Regionen, die an Planung und Kontrolle von Bewegungen teilnehmen, bleiben zeitlebens am selben Ort. Bei der Umschulung verlagern sich nur die Bereiche, die direkt an der Bewegungssteuerung beteiligt sind, zunehmend in die bei Rechtshändern dominante linke Hirnhälfte.

Jedenfalls ist die linkshändige Minderheit mittlerweile nicht mehr vom Aussterben bedroht: Mittlerweile gibt es sogar einige Clubs für Linkshänder und Rückschulungsberatungen für Umerzogene. Versandhäuser bieten spezielle Scheren, Armbanduhren und sogar Bumerangs.

DPA/CK/DPA
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