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Amerikaner koksen, Europa produziert Ecstasy

Der Drogenmissbrauch ist zwar weltweit rückläufig. Aber der Opiumanbau in Afghanistan steigt dramatisch an. Das geht aus dem aktuellen UN-Drogenbericht hervor. Der Bericht zeigt auch, welche Drogen in den USA und Europa am beliebtesten sind.

Im vergangenen Jahr haben sich laut dem UN-Drogenbericht erstmals Konsum und Anbau von Drogen weltweit nicht ausgeweitet. Das geht aus dem Jahresbericht des UN-Büros für Drogenkontrolle und Verbrechensbekämpfung (UNODC) hervor, der in Genf veröffentlicht wurde.

Die jüngsten Zahlen zeigten, dass der Drogenmissbrauch rückläufig sei, sagte Antonio Maria Costa, Direktor des UNODC. Bei den meisten Drogen (Kokain, Heroin, Cannabis und Amphetaminen) seien Produktion, Handel und Konsum im Jahr 2006 stabil geblieben.

Dramatischer Anstieg in der Produktion

Die Opiumproduktion in Afghanistan bleibe aber weiterhin eines der gravierendsten Probleme. Die dortigen Opiumkulturen hätten ein Ausmaß angenommen, welches Erfolge bei der Vernichtung anderer Zulieferquellen neutralisiere, sagte Costa weiter. Die Opium-Produktion in Afghanistan ist im vergangenen Jahr dramatisch gestiegen. Laut Costa entwickele sich die Provinz Helmand in Afghanistan zum weltweit größten Rauschgiftlieferanten.

Wie aus dem UN-Drogenbericht hervorgeht, stammen mittlerweile mehr als 90 Prozent der weltweiten Opium-Menge aus Afghanistan. 2006 seien dort 6100 Tonnen des Grundstoffs für die Heroin-Herstellung produziert worden, 49 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Anbauflächen von Schlafmohn stiegen um 59 Prozent auf 165.000 Hektar - ein Rekordwert, wie das UNODC in Wien mitteilte.

USA sind größter Kokain-Absatzmarkt

Bei der Bekämpfung des Drogenschmuggels durch die Behörden konnten weltweit Erfolge erzielt werden. Mehr als 45 Prozent des weltweit hergestellten Kokains und mehr als ein Viertel des Heroins werden mittlerweile aus dem Verkehr gezogen. 1999 waren es erst 21 Prozent beim Kokain beziehungsweise nur 15 Prozent beim Heroin.

In Kolumbien sei die Anbaufläche von Kokain zwischen 2000 und 2006 um 29 Prozent verkleinert worden. Der Ertrag aus der Ernte sei jedoch weiter hoch, weil nun verstärkt Dünger und Mittel zur Schädlingsbekämpfung zum Einsatz kämen, hieß es in dem Bericht. Die USA seien weiter der größte Absatzmarkt für Kokain. In Europa meldeten vor allem Spanien, Italien und Großbritannien steigende Zahlen beim Kokainkonsum.

Ecstacy wird vor allem in Europa hergestellt

Die Partydroge Ecstasy wird dem UNODC zufolge weiter vor allem in Europa hergestellt. Europa gilt insgesamt als das Zentrum für die Produktion von amphetaminhaltigen Stoffen, die oft aus Labors in den Niederlanden, Polen, Belgien oder den Baltenstaaten kommen. Mit rund 25 Millionen Konsumenten weltweit sei der Markt für Amphetamine größer als jener für Kokain oder Heroin.

Bis zu 200 Millionen Menschen, fünf Prozent der Weltbevölkerung im Alter zwischen 15 und 64 Jahren, konsumierten im Jahr 2006 Drogen. 159 Millionen von ihnen nahmen Cannabis - 2005 waren es noch 162 Millionen. Bei 25 Millionen, das heißt bei 0,6 Prozent der Weltbevölkerung, sei von einer schweren Drogensucht zu sprechen.

DPA/AP/Reuters/AP/DPA/Reuters

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