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Kosmetika nur noch ohne Tierversuche

In der EU dürfen keine Kosmetika mehr vermarktet werden, die aus Tierversuchen stammen. Tierschützer freuen sich über das endgültige Verbot, die Industrie befürchtet einen Wettbewerbsnachteil.

  Tierschützer protestieren gegen den Einsatz von Versuchstieren im Labor

Tierschützer protestieren gegen den Einsatz von Versuchstieren im Labor

Lippenstift, Lidschatten und Nagellack: In der Europäischen Union trat am Montag ein Verbot von Kosmetikprodukten in Kraft, die mit Tierversuchen hergestellt wurden. Die Bestimmung gilt sowohl für den Import als auch für den Verkauf der Produkte und ist die letzte Stufe eines schrittweisen Verbots von Tierversuchen für Kosmetika und deren Inhaltsstoffe.

Tierversuche für die Herstellung von Kosmetika sind in der EU bereits seit 2009 verboten. Der Entschluss des Europaparlaments hierzu fiel 2003. Bislang durften in der EU aber noch Kosmetika aus Drittländern verkauft werden, die mit bestimmten Tierversuchen getestet wurden.

Der Deutsche Tierschutzbund begrüßte das Inkrafttreten des endgültigen Verkaufsstopps. Der Industrie stünden bereits "seit langer Zeit Alternativmethoden zur Verfügung", um ihre Produkte vor dem Verkauf zu testen, erklärte Tierschutzbund-Vizepräsidentin Brigitte Rusche. Deshalb sei es "nur konsequent, dass das Verbot jetzt endlich vollumfänglich in Kraft tritt". Auch die Chefin des europäischen Tierschutzverbandes Eurogroup for Animals, Reineke Hameleers, bezeichnete das weitreichende Verbot als "Erfolg". Allerdings sei die Arbeit noch nicht beendet.

Hameleers forderte die EU-Kommission auf, sich auch gegenüber Nicht-EU-Ländern wie den USA und China dafür einzusetzen, dem Beispiel der EU zu folgen. Zudem müssten EU-Kommission und Industrie weiterhin in die Suche nach Alternativen für Tierversuche investieren, um die Notwendigkeit von Tests an Tieren endgültig zu beenden, sagte Hameleers.

Suche nach Alternativen

Die EU-Kommission kündigte an, in anderen Ländern für das europäische Beispiel zu werben. "Die Kommission engagiert sich dafür, die Entwicklung alternativer Testverfahren weiterhin zu unterstützen und Drittländer aufzufordern, sich unserer europäischen Vorgehensweise anzuschließen", versprach der für Gesundheit und Verbraucherpolitik zuständige EU-Kommissar, Tonio Borg. Auch die Suche nach Alternativen will die EU einer Erklärung zufolge weiter unterstützen, "da ein vollständiger Ersatz von Tierversuchen durch alternative Verfahren bisher noch nicht möglich ist".

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte, der Verkaufsstopp sei "ein wichtiger Schritt für mehr Tierschutz". Deutschland unterstütze die rasche Anerkennung alternativer Methoden zum Tierversuch auf europäischer wie auf internationaler Ebene.

Die Kosmetik-Industrie verzichtet nach eigenen Angaben schon seit 1989 freiwillig auf Tierversuche für kosmetische Fertigprodukte und engagiert sich in der Entwicklung von Alternativmethoden. Allerdings warnt der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel, dass sich das Inkrafttreten des Verbots nachteilig auf die Entwicklung neuer Produkte der Kosmetik-Industrie auswirken könne. Es könnte dazu führen, "dass innovative Produkte nur noch außerhalb der EU angeboten werden", heißt es in einer Stellungnahme.

lea/AFP/DPA/DPA
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