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Wovor die Deutschen Angst haben

Angst hat Hochkonjunktur in diesen Tagen - vor dem Alten, vor dem Neuen, vor dem Wandel. Eine Studie der Universität Cambridge hat unter anderem die Ängste in verschiedenen Ländern untersucht. Mit spannenden Ergebnissen.

Ein Kind schlägt die Hände vors Gesicht

Frauen haben mehr Angst als Männer, und Japaner weniger als Deutsche

Angst liegt dieser Tage voll im Trend in Politik und Gesellschaft. Dazu passend hat die Universität Cambridge eine Studie zum Thema Angststörung veröffentlicht. Wer hat Angst, wo liegen die internationalen Unterschiede und wovor ängstigen die Menschen sich? All diesen Fragen ist das Forscherteam um Olivia Remes nachgegangen.

Fakt ist: Jeder Mensch hat Angst. Überall auf der Welt. Dieses Gefühl hat das Überleben der Spezies gesichert. Allerdings ist die natürliche Angst bei vielen Menschen in modernen Gesellschaften zu einer sogenannten Angststörung geworden. Übertriebene Sorge, Angstzustände und die Vermeidung vermeintlich stressvoller Situationen beeinträchtigen das Leben schwerwiegend, sie machen krank. Im Gebiet der europäischen Union leiden gemäß der Studie rund 60 Millionen Menschen unter dem psychischen Gesundheitsproblem. Vier Menschen von 100 weltweit erleben Angstzustände.

Angst ist nicht gleich Angst

Am stärksten betroffen ist die Bevölkerung in den USA mit fast acht Betroffenen pro 100 Einwohner. Am niedrigsten ist der Wert in Ostasien, wo weniger als drei von 100 Menschen unter Angstzuständen leiden. Allerdings haben diese Zahlen auch kulturelle Gründe, so der Bericht: Während es in westlichen Gesellschaften akzeptiert ist, über Ängste offen zu sprechen, sei dies zum Beispiel in Japan "nicht erwünscht", so der Hinweis eines Professors in der "Süddeutschen Zeitung" zum Ergebnis der Studie. 2012 habe eine Studie für Deutschland ergeben, dass 13,5 Prozent der Bevölkerung schon einmal unter Angstzuständen gelitten haben.

Auch bei der Art der Ängste gebe es nationale Unterschiede, schreibt der Journalist und Mediziner Werner Bartens in der "SZ": Bei Deutschen seien spezielle Phobien häufiger als bei anderen. Wie Flugangst, Platzangst, die Furcht vor dem Krankenhaus, vor dem Tod, vor Blut, Hunden oder Spinnen. "Asiaten und andere nicht-westliche Kulturen erleben Angst eher als körperlich bedrohlichen Prozess." Das äußere sich in der Angst vor einem Herzinfarkt, vor einem Hirntumor oder vor einem Schlaganfall.

Junge Menschen stärker betroffen

Nicht neu ist die Erkenntnis, dass Frauen ängstlicher sind als Männer. Sie seien doppelt so häufig betroffen, heißt es. Allerdings macht die Studie deutlich, dass Angststörungen bei jungen Menschen häufiger auftreten als bei Menschen über 35 - und das gleichermaßen bei Männern wie bei Frauen. Zudem haben die Forscher auch festgestellt, dass eine schwere Krankheit wie Herzprobleme oder Krebs die Wahrscheinlichkeit für eine Angststörung erhöht.

Am Ende der Studie steht die Erkenntnis, dass die Erforschung der Angststörung erst am Anfang stehe. Das werde vor allem daran deutlich, dass Randgruppen wie die Ureinwohner in den USA und Australien oder auch Drogenabhängige oder sexuell ausgegrenzte Gruppen bisher nicht näher untersucht worden seien. Dabei seien gerade Angehörige dieser Gruppen offensichtlich besonders häufig von Angststörungs-Erkrankungen betroffen.

sal

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