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Tausende Kinder sterben an Hygienemangel

Täglich sterben weltweit 5000 kleine Kinder weil ihnen etwas fehlt, das bei uns völlig selbstverständlich ist: sauberes Wasser und Toiletten. Mangelnde Hygiene fordert mehr Todesopfer als Aids. Zum heutigen Weltwassertag fordern Hilfsorganisationen eine bessere Versorgung.

Trotz jahrelanger Anstrengungen haben mehr als eine Milliarde Menschen weiter keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser - und über zwei Milliarden müssen ohne sanitäre Einrichtungen leben. "Täglich sterben 5000 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen, weil sie und ihre Eltern nicht wissen, dass unsauberes Wasser krank macht und den Tod bedeuten kann", teilte die Welthungerhilfe vergangene Woche mit. Extrem hoch sei das Gesundheitsrisiko nach Angaben des Kinderhilfswerks UNICEF in großen Städten und überall dort, wo viele Menschen auf engem Raum leben - etwa in Flüchtlingslagern. Anlässlich des heutigen Weltwassertages fordern beide Hilfsorganisationen einen verstärkten Einsatz für Sanitärversorgung und Hygiene.

"Alle 20 Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen einer Krankheit, die durch mangelhafte Hygiene, verschmutztes Wasser oder mit Fäkalkeimen verunreinigte Nahrung verursacht wird", erklärt die Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungshilfeministerium, Karin Kortmann. "Damit tötet Hygienemangel weltweit mehr Kinder als HIV/AIDS." Insgesamt 2,6 Milliarden Menschen lebten weltweit ohne ausreichende Sanitärversorgung.

Mädchen beenden die Schule, wenn die Menstruation beginnt

In einigen Ländern gingen zehn Prozent der Mädchen von der Schule ab, wenn sie in das Menstruationsalter kämen: Denn in den Schulen gebe es entweder gar keine oder keine für Jungen und Mädchen getrennte Toiletten.

Nach UNICEF-Angaben kann ein einziges Gramm Exkremente zehn Millionen Viren, eine Million Bakterien und 1000 Parasiten enthalten. Durch bessere sanitäre Einrichtungen können Krankheiten wie Cholera, Hepatitis A oder Bilharziose vermieden werden.

1990 hatte weltweit nur jeder Zweite die Möglichkeit, eine Toilette zu benutzen. Inzwischen haben 59 Prozent der Menschen Zugang zu Sanitäreinrichtungen. "Doch zwei von fünf Menschen müssen ihre Notdurft nach wie vor an offenen Kanälen oder im Freien verrichten", teilt UNICEF mit. Die Regionen mit der schlechtesten Versorgung liegen in Afrika und Südasien. Das Millenniums-Entwicklungsziel, bis zum Jahr 2015 die Zahl der Menschen ohne sanitäre Grundversorgung zu halbieren, sei noch in weiter Ferne.

Klimawandel verschlimmert Wassermangel

Hauptproblem ist, dass Wasser ungleich verteilt ist. "Vereinfacht gesagt, gibt es dort genug, wo keine Menschen leben", sagt der französische Wasserexperte Pierre Chevallier vom Entwicklungsinstitut IRD. "Mit dem Klimawandel wird das nicht besser werden. Er wird die Verdunstung und das Abschmelzen der Gletscher fördern und die verfügbare Wassermenge verringern." Hinzu komme das rasante Bevölkerungswachstum auf dem Globus. Das UN-Umweltprogramm UNEP schätzt, dass beispielsweise Indien im Jahr 2050 mit einer auf 1,5 bis 1,8 Milliarden gewachsenen Bevölkerung 30 Prozent mehr Wasser benötigt als heute. Technisch sei das nicht unmöglich, sagt Chevallier. Dafür seien aber "riesige Investitionen" nötig.

AFP/DPA/DPA
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