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Warum uns eine Stunde mehr müde macht

Es ist wieder soweit: Die Uhr wird zurückgestellt. Doch obwohl die Winterzeit eine Stunde mehr Schlaf bringt, fühlt sich jeder Fünfte nach der Zeitumstellung müde und schlapp. stern.de erklärt, woran das liegt und was gegen den Mini-Jetlag hilft.

Von Marika Muster

  • Marika Muster

Eigentlich sollte die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit ein Grund zur Freude sein - vor allem für Langschläfer. Sie dürfen sich über eine Extrastunde freuen, die sie im Bett verbringen können. Doch trotz der geschenkten 60 Minuten klagen viele Menschen beim Wechsel zur Winterzeit über Probleme, wie nun eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK gezeigt hat. So fühlen sich 17 Prozent der tausend Befragten durch die überschüssige Stunde gesundheitlich beeinträchtigt, 19 Prozent müde und schlapp.

Zeitumstellung bringt innere Uhr durcheinander

"Die Uhrenumstellung verursacht eine Art Mini-Jetlag", erklärt Prof. Jürgen Zulley (62) vom Schlafmedizinischen Zentrum der Universität Regensburg. Im Vergleich zu einem Flug über mehrere Zeitzonen, findet aber keine reale Zeitverschiebung statt. Das Tageslicht, das uns normalerweise hilft, unsere innere Uhr zu stellen, gibt einen 24-Stunden-Rhythmus vor, die Uhren aber einen künstlichen 25-Stunden-Tag. Laut Umfrage braucht fast jeder Dritte ein bis zwei Tage, um sich an diese künstliche Rhythmusverschiebung zu gewöhnen, jeder Zehnte drei bis vier Tage, einige Menschen sogar wochenlang.

Schuld an dem Mini-Jetlag sind die Hormone. "Die Hormonproduktion hängt zum einen vom individuellen Biorhythmus ab, zum anderen von den Lichtverhältnissen", so Zulley. So wird bei bei Dunkelheit mehr Melatonin freigesetzt, das für den Schlaf zuständig ist. Da auch alle anderen Körperfunktionen wie die Verdauung und die Körpertemperatur von den Hormonen abhängen, reagieren viele Menschen mit Befindlichkeitsstörungen auf die künstliche Zeitverschiebung. Dabei leiden die Betroffenen laut Befragung überwiegend an Müdigkeit und Schlappheit (74 Prozent), Schlafstörungen (50 Prozent), Gereiztheit (30 Prozent) und Konzentrationsmangel (26 Prozent). Einige Menschen klagen auch über depressive Verstimmungen (7 Prozent) oder Appetitlosigkeit (3 Prozent).

Was gegen den Mini-Jetlag hilft

Im Alter sinkt die Melatoninproduktion ab und es kommt vermehrt zu Ein- und Durchschlafstörungen. Dennoch gaben mehr als die Hälfte der über 60-Jährigen an, sie hätten durch die Umstellung auf die Winterzeit keinerlei Schwierigkeiten mit Gesundheit oder Schlafrhythmus. Dagegen fühlen sich Menschen im mittleren Alter (30-49 Jahre) viel häufiger beeinträchtigt. Prof. Zulley führt dies darauf zurück, dass viele Ältere morgens nicht zur Arbeit müssten und den Wechsel daher nicht so bewusst wahrnehmen würden wie Jüngere. Auch Menschen, die sehr wetterfühlig sind oder zu einer leichten Winterdepression neigen, hätten häufiger Schwierigkeiten mit der Zeitumstellung.# Diesen Menschen empfiehlt der Experte, den Rhythmus langsamer umzustellen: "Gehen Sie am Samstag eine halbe Stunde später ins Bett und machen das gleiche am Sonntag noch mal. Nehmen Sie auch Ihre Hauptmahlzeiten eine halbe Stunde später ein, denn die sind ein wichtiger Zeitgeber für die innere Uhr." Durch die Aufteilung in zwei Mal eine halbe Stunde sei die Umstellung für den Organismus leichter zu verarbeiten und es treten seltener Befindlichkeitsstörungen auf.

EU erwägt Aus für die Zeitumstellung

Bis Ende des Jahres berät die Europäische Union, ob die Zeitumstellung überhaupt beibehalten wird. Ursprünglich sollte die Regelung dafür sorgen, dass Tageslicht besser genutzt und somit Energie gespart werden kann. Experten glauben inzwischen aber, dass die Uhrenumstellung keinerlei Energieersparnis bringt und daher völlig unsinnig ist. Fraglich ist nur, ob man dann die Sommer- oder die Winterzeit als Norm ansetzt. Wie Prof. Zulley befürchtet, würden bei einer Standardsommerzeit vor allem Schüler, die ohnehin schon früh aufstehen müssten, darunter leiden und plädiert daher für die Winterzeit als Normalzeit. Doch wie auch immer sich die Experten entscheiden, fest steht, dass Betroffene durch den Wegfall der Umstellung wieder schlafen schlafen könnten.

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