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Wenn Klon-Fleisch im Supermarkt landet

100 Nachkommen einer Klon-Kuh werden in Großbritannien vermutet. Deren Fleisch ist nun teilweise im Supermarkt gelandet. Verbraucher und Behörden sind alarmiert und fordern, dass der Verkauft von Klon-Nachfahren reguliert wird.

In Großbritannien ist Klon-Fleisch in die Supermärkte gelangt. Die britische Behörde für Lebensmittelsicherheit FSA hatte festgestellt, dass zwei Nachfahren einer in den USA geklonten Kuh geschlachtet wurden und ihr Fleisch zumindest zum Teil im Supermarkt landete. Es sei zwar keine Gesundheitsgefahr bekannt, der Vorfall sei aber ein Verstoß gegen die Vorschriften, teilte FSA mit. Zudem wird vermutet, dass ein weiteres von der US-Mutter abstammendes Tier als Milchkuh auf einer Weide steht. Aus den Datenbanken des britischen Rinderzuchtverbands Holstein UK geht hervor, dass die drei als Embryos eingeführten Klon-Nachkommen etwa 97 Nachfahren haben.

Die FSA war durch einen Bericht der "New York Times" alarmiert worden. Dort hatte ein Bauer zugegeben, Milch einer Klon-Kuh mit normaler Milch verkauft zu haben. Nach Ansicht der Behörde ist Milch der Nachkommen von Klon-Tieren ein "neuartiges Lebensmittel" und benötigt daher eine gesonderte Zulassung.

Auf europäischer Ebene gibt es eine solche Vorschrift nicht. In Europa sind bis jetzt nur Produkte geklonter Tiere selbst zulassungspflichtig. Das Europaparlament könnte diese Regelung wegen ethischer und gesundheitlicher Bedenken auch auf Nachkommen von Klontieren ausweiten. Die Technik des Klonens ist für die Tiere mit enormen Leiden verbunden", sagt der CDU-Europaparlamentarier Peter Liese. Die Kommission will bis Jahresende zunächst einen neuen wissenschaftlichen Bericht vorlegen.

Klonen - ein umstrittenes Thema

In Amerika wurden Klon-Produkte bereits 2008 für den Verzehr zugelassen. Das hatte eine heftige Diskussion in Europa ausgelöst. Damals gaben laut einer von Greenpeace beauftragten Studie knapp 65 Prozent der Befragten an, beim Kauf von Fleisch- und Milchprodukten bevorzugt zu einem als "gentechnikfrei" ausgewiesenen Produkt zu greifen.

Auch über die Sicherheit wurde damals diskutiert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung konnte bei einer Untersuchung jedoch keine Risiken erkennen. Die Zusammensetzung der Produkte geklonter Kühe unterscheide sich nicht signifikant von konventionellen. Klon-Experte Heiner Niemann vom Friedrich-Loeffler-Institut in Mariensee bei Hannover sah im Gespräch mit keine Gefahr. Das Klon-Fleisch verändere nicht die Gene des Menschen und beim Klonen entstandene Reprogrammierungsfehler würden spätestens in den Nachfahren der Rinder gelöscht. Hinter der skeptischen Haltung gegenüber Klon-Fleisch vermutete er irrationale Gründe. Die Vorstellung, dass man nach Tieren auch irgendwann einmal Menschen klonen könnte, mache Angst.

Noch vollzieht sich das Klonen von Nutztieren in einer Grauzone. Die FSA schätzte vor zwei Jahren, dass weltweit knapp 4000 Klonrinder leben. Genaue Zahlen gibt es nicht, da die Tiere nicht registriert werden müssen. Noch weniger ist über ihre Nachfahren bekannt. Obwohl in Europa noch nie eine Zulassung von geklontem Rindfleisch beantragt wurde, ist das Klonen von Nutztieren ein großes Thema, dass in Zukunft noch wichtiger werden wird. Landwirte stehen unter Druck, immer mehr und billiger zu produzieren. Das Klonen kann die Produktivität steigern. "Die Tierproduktion steht daher im Spannungsfeld zwischen der ökonomischen Fragen und dem, was wir als natürlich oder artgerecht sehen.", sagt Niemann. Und: Fälle wie in Großbritannien zeigen, dass das Thema Klon-Fleisch den Verbraucher schon jetzt direkt betrifft.

Ina Vollmer
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