Startseite

Schwebende Zellen bekämpfen Tumoren

Ein deutsches Forscherteam hat Zellen mit Funkwellen zum Schweben gebracht. So können diese schonend behandelt werden - sehr nützlich für Eigenzelltherapien.

Das Forscherteam um Günter Fuhr hat die kleinste Einheit des Lebens zum Schweben gebracht. Mit Funkwellen hält der Biotechnologie-Professor Zellen in einer Nährlösung in der Schwebe. Dafür wurden die Wissenschaftler für den mit 250 000 Euro dotierten Deutschen Zukunftspreis nominiert, der am 13. November von Bundespräsident Johannes Rau in Berlin vergeben wird. "Zellen sind so wahnsinnig klein, dass zehn von ihnen in den Durchmesser eines Haares passen", erläutert Fuhr. Trotzdem enthält jede einzelne von ihnen in ihren Genen alle Informationen, die einen vollständigen Organismus hervorbringen können - für Forscher ist die Arbeit mit Zellen von unschätzbarem Wert. Doch für medizinische und biotechnologische Untersuchungen war eine Zelle bisher ein buchstäblich kaum fassbarer Forschungsgegenstand. Besonders ihre Empfindsamkeit macht sie zur "Unberührbaren": "Jeglicher Oberflächenkontakt - auch mit einer Glasplatte, Pipette oder Kunststoff - ist ein Signal für sie und kann Zellinformationen beeinflussen", erklärt Fuhr, Leiter des Fraunhofer- Instituts für Biomedizinische Technik (IBMT) im saarländischen St. Ingbert. Doch wie etwas erforschen, das nicht einmal berührt werden darf?

Behandlung in der Schwebe

Fuhr fand zusammen mit Rolf Hagedorn von der Berliner Humboldt- Universität und Thomas Schnelle von der Biotechnologiefirma Evotec Technologies (Hamburg) in jahrelanger Forschung einen Weg, lebende Zellen zu isolieren, zu untersuchen und zu behandeln - während sie schweben. Dabei besannen sich die Forscher auf eine 50 Jahre alten Erkenntnis aus der Physik: die Paulschen Feldfallen, in denen mit Hilfe von speziell angeordneten magnetischen Feldern Atome eine Weile im Vakuum an einem Ort schwebend gehalten werden können. Die Gruppe um Fuhr baute mit Unterstützung mehrerer Förderprojekte und wissenschaftlicher Begleiter seit 1988 auf dem Verfahren der Teilchenphysik auf und schuf eine neue Feldfalle für lebende Zellen. Radiowellen - "ähnlich denen beim Funktelefon" - halten die Zellen in einer Nährlösung in der Schwebe. Das funktioniert, weil die winzigen Bausteine der Organismen sanft von den exakt angeordneten Kraftfeldern abgestoßen werden. Das Prinzip dieses Minilabors setzte das interdisziplinäre Team in einem Biochip um.

Bekämpfung von Tumoren

Fuhr zufolge ist diese sanfte Behandlung der Zellen vor allem für die medizinische Anwendung entscheidend: So könnten sie etwa für die Eigenzelltherapie aus dem Organismus des Patienten genommen, aktiviert oder modifiziert und wieder in den Körper eingesetzt werden, um dort Tumoren zu bekämpfen, erläutert der Wissenschaftler. Die Radiowellen ließen die Zellen nach allen Erkenntnissen unverändert, erwärmten sie nur leicht. Zwar sei die biomedizinische Forschung "noch weit entfernt davon, Organe zu schaffen" doch ein erster Schritt sei mit dieser Handhabungsmöglichkeit von Zellen getan. Auf Fragen nach den Heilungsmöglichkeiten seiner Forschung vergleicht sich der Professor mit einem Hersteller von chirurgischen Geräten wie dem Skalpell: "Er operiert nicht, aber mit seinen Instrumenten können die Ärzte unzählige Heilungen vornehmen."

Jutta Steinhoff/DPA

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo

Partner-Tools