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Die neue Glocke sitzt

Elf Wochen lang strömten Tag für Tag Millionen Liter Öl ins Meer. Jetzt erzielten BP-Ingenieure möglicherweise einen Durchbruch beim Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko. Sie haben eine neue Auffangglocke über dem Bohrloch installiert. Doch Gewissheit herrscht erst in einigen Tagen.

Nach 84 Tagen Alptraum ein Lichtblick im Kampf gegen die Ölpest: Experten des BP-Konzerns haben einen 100 Tonnen schweren Zylinder über dem Leck am Meeresgrund platziert. Wenn alles klappt und der Zylinder richtig dicht über dem Leck abschließt, soll kein weiteres Öl ins Meer strömen, hoffen die Experten. Doch es dürfte bis zu 48 Stunden dauern, bis klar ist, ob die Operation "Top Hat 10" endlich den ersehnten Erfolg beschert. Ein BP-Video von der Operation zeigt nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN, dass nur noch geringe Mengen Öl austreten.

Videoaufnahmen zeigen, wie der riesige Zylinder langsam auf das Leck in 1500 Meter Tiefe gesenkt wurde. Küstenwachen-Admiral Thad Allen, der von US-Präsident Barack Obama ernannte Einsatzleiter, sprach von einem entscheidenden Fortschritt. Allerdings müssten zunächst diverse Tests gemacht werden. Damit werde man am Dienstagmorgen beginnen. Sie würden zwischen sechs und 48 Stunden dauern. Ziel sei es, das Leck zumindest zeitweise völlig abzudichten. BP-Topmanager Doug Suttles gab sich optimistisch. "Wir machen weiterhin gute Fortschritte."

Endgültige Lösung nicht vor Mitte August

Die neue "Operation Top Hat 10" sei ein deutlicher Fortschritt zur Deckel-Variante, die seit Wochen im Einsatz ist und nur locker auf dem Bohrloch sitzt. Diese bisherige Kappe konnte nur einen Bruchteil des ausströmenden Rohöls aufhalten. Bereits während des Tests des neuen rund 30 Meter hohen Zylinders, konnte die Fontäne aus dem Bohrloch erstmals komplett aufgehalten werden, sagte Allan: "Wir können das Loch komplett abdichten."

Auf eine endgültige Lösung muss aber noch voraussichtlich bis Mitte August gewartet werden. Auch wenn die Operation mit einem Erfolg endet, werde BP zwei Entlastungsbohrungen zum Ursprung der Quelle tief im Meeresgrund fortsetzen, betonte BP-Manager Suttles. Dort solle das Steigrohr mit Schlamm und Zement verschlossen werden.

Bohrstopp im dritten Anlauf verhängt

In der Vergangenheit waren diverse Rettungsversuche gescheitert. Seit der Explosion und dem Untergang auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" vor elf Wochen fließen Tag für Tag Millionen Liter Rohöl ins Meer. Die US-Golfküste ist über weite Strecken verseucht. Es handelt sich um die schwerste Ölpest in der US-Geschichte.

Zugleich verhängte die US-Regierung ein neues Verbot für Öl-Tiefseebohrungen. Angesichts der verheerenden Ölpest sei ein Moratorium angebracht, um Menschen und die Natur an der Küste vor den Gefahren neuer Tiefseebohrungen zu schützen, ordnete Innenminister Ken Salazar am Montag an. Das Moratorium solle zunächst bis Ende November gelten. Zuvor war die Regierung in zwei Gerichtsinstanzen gescheitert. Die Richter bemängelten, der Schritt sei nicht ausreichend begründet. Das neue Moratorium hängt nicht länger von der Gewässertiefe ab, sondern gilt für jede Tiefseebohrinsel. Gegen die staatlich verhängte Zwangspause waren Vertreter der Ölbranche vor Gericht gezogen.

DPA/APN/swd/DPA
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