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Bär flüchtet aus Deutschland

Der in Bayern zum Abschuss freigegebene Braunbär hat Deutschland offenbar schon wieder verlassen und ist wahrscheinlich nach Österreich zurückgekehrt. Doch auch dort muss er um sein Leben fürchten.

"Mit großer Wahrscheinlichkeit ist der Bär nach Österreich zurückgekehrt", sagte der Sprecher des Landratsamts Garmisch-Partenkirchen, Wolfgang Olexiuk. "Wir haben die Suche inzwischen eingestellt."

Die Abschussgenehmigung des bayerischen Umweltministers Werner Schnappauf hatte einen heftigen Streit ausgelöst, der auch Tierschützer untereinander entzweite. Landratsamtssprecher Olexiuk erklärte, dass sich bisher in dem bayerischen Staatsforst, in dem Bär die vergangenen Tagen umhergewildert war, noch keine Jäger mit Gewehren auf die Pirsch nach dem seltenen Tier gelegt hätten. Insgesamt hätten sieben Forstbeamte seit dem Morgen das 1.000 Hektar große Gelände oberhalb des Eibsees bei Grainau abgesucht. "Wir haben keine neuen Spuren gefunden", sagte der Sprecher.

Schnappauf: Bei dem Tier handelt es sich um einen "Problembären"

Am Nachmittag sei die Suche dann abgebrochen worden. "Wir glauben, dass er sich nicht mehr in Bayern aufhält", erklärte der Sprecher. "Wir warten auf ein Lebenszeichen." Mit großer Wahrscheinlichkeit sei das Tier wieder auf österreichischem Gebiet. "Das bietet sich für den Bär an, von dort ist er gekommen", sagte Olexiuk. "Vielleicht folgt er seinem Urinstinkt."

Soll der Bär getötet werden?

Auch die Umweltorganisation World Wildlife Found (WWF) habe eine Lebendfalle auf österreichischem Boden aufgestellt. "Man wartet jetzt, bis das Tier wieder aktiv wird, damit man weiß, wo es sich bewegt", sagte Olexiuk. Im Laufe des Dienstages seien keinerlei neue Schäden festgestellt worden, die dem Bären zuzuschreiben seien.

Umweltminister Schnappauf verteidigte unterdessen seine Entscheidung, das unter Artenschutz stehende Tier zum Abschuss freizugeben. Dies sei eine seiner "schwersten Entscheidungen überhaupt" gewesen. Aber über ein Dutzend von ihm um Rat gebetene Bären-Experten und Biologen hätten dies einstimmig empfohlen. "Ich habe gleichwohl entschieden, dass die Fangversuche durch den WWF Österreich und die Universität Freiburg fortgesetzt werden, weil es natürlich die vorzugswürdige Lösung wäre", erklärte der CSU-Politiker.

Schnappauf bekräftigte, dass es sich bei dem Tier um einen "Problembären" handle. Ein normaler Bär ernähre sich weitgehend von den Früchten des Waldes und reiße im Schnitt zwei Schafe im Jahr. "Dieser Bär hat jetzt in Bayern innerhalb 48 Stunden etwa ein Dutzend Schafe gerissen." Knackpunkt sei jedoch gewesen, dass er in einen Hühnerstall mitten in einer Siedlung des Ortes Greinau eingedrungen sei. Hätte der Bauer in dem Moment nach dem Rechten geschaut, wäre er in akuter Lebensgefahr gewesen.

Tierschutzbund empört

Während auch der WWF Schnappaufs Einschätzung teilte, reagierte der Deutsche Tierschutzbund empört. "Der Abschuss ist das Allerletzte, was wir uns erlauben können, wenn wir es mit dem Artenschutz ernst nehmen", sagte Tierschutzbund-Präsident Wolfgang Apel. "Wir sollten eigentlich froh sein, dass wir solche Tiere wieder bekommen", fügte er hinzu. Man solle versuchen, den Bären ins Gebirge abzudrängen.

WWF-Sprecher Jörn Ehlers sagte dagegen, dass der Bär "möglicherweise wirklich erschossen werden muss", auch wenn dies eine bittere Entscheidung sei. Der WWF versuche den Bären mit Fallen lebend zu fangen, um ihn mit einem Sender auszustatten oder in ein Gehege zu verfrachten. "Dass das gelingt, ist allerdings nicht sehr wahrscheinlich", sagte Ehlers. Eine Jagd mit einem Betäubungsgewähr sei bei dem Jungbären äußerst schwierig und gefährlich. "Klar ist, der Bär kann da, wo er jetzt ist, nicht bleiben", betonte der WWF-Sprecher. Das Tier habe sich daran gewöhnt, dass er dort, wo Menschen seien, relativ einfach Nahrung finde. "Und das ist genau sein Verhängnis."

Michael Pohl/AP/AP

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