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Werden Knuts Nachfolger überleben?

Gesehen hat sie noch niemand, doch ihr Schmatzen ist schon zu hören - im Nürnberger Zoo kamen mindestens drei Eisbären-Babys zur Welt. Ob sie überleben, ist ungewiss. Der Tiergarten würde den Nachwuchs eher sterben lassen, als ihn mit der Flasche aufzuziehen.

Bislang sind es nur Schmatzlaute und Rufe, die ihre Existenz verraten, gesehen hat sie aber noch niemand: In den Höhlen des Eisbärengeheges im Nürnberger Zoo schlummern mindestens drei Eisbären-Babys, sagt Tiergartenleiter Dag Encke. Möglich sei aber auch, dass noch mehr Tiere geboren wurden. Bisher seien die Rufe dreier verschiedener Jungtiere zu hören. Eisbärenweibchen "Vilma" habe Ende November ihren Nachwuchs zur Welt gebracht, ihre Artgenossin "Vera" Mitte Dezember. Die erste kritische Phase hätten die Babys überstanden.

Allerdings bestehe noch bis zur sechsten Woche nach der Geburt die Gefahr, dass die Muttertiere ihren Nachwuchs nicht akzeptierten. "Ab übernächster Woche haben wir dann Grund zur Zuversicht", sagt Encke. Sollten die Babys überleben, könnten die Zoobesucher ab Ende Februar damit rechnen, sie im Freigehege zu sehen. Sie hätten dann etwa die Größe eines Dackels. Die Zooleitung werde sich aber solange zurückhalten, bis klar sei, ob die Jungtiere durchkommen, sagt Encke.

Kein Fläschchen für die Babys

Sollten die Mütter ihren Nachwuchs jedoch verstoßen, würde der Tiergarten seine Eisbären-Babys eher sterben lassen, als sie mit der Flasche groß zu ziehen. Zwar habe man in Nürnberg bis in die 1970er Jahre insgesamt 20 Eisbären mit der Hand aufgezogen, sagt Encke. Dies entspreche aber nicht mehr den neuesten Erkenntnissen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP). Handaufzucht wie im Fall des Berliner Eisbären-Babys "Knut" ist laut Encke keine Garantie für das Überleben eines Jungtieres. Außerdem würden vom Menschen großgezogene Tiere ihren eigenen Nachwuchs "signifikant schlechter annehmen" als Naturaufzuchten. "Heute hat man erkannt, dass die soziale Integrität der Tiere entscheidend ist, um sie langfristig aufzuziehen", sagt der Zoodirektor.

Zwar müsse der Tiergarten damit rechnen, von einigen Seiten als Tierquäler bezeichnet zu werden. Das Nicht-Einschreiten diene aber letztlich dem weiteren Erhalt der Art: Die Erfahrung zeige, dass Erstgebärende beim natürlichen Verlust ihres Babys einen zweiten Nachwuchs "ganz souverän selbst aufziehen". Ein Jungtier im Fall von Vernachlässigung hingegen von der Mutter zu entfernen, könne bei ihr einen solchen Schock auslösen, dass sie auch künftige Junge nicht versorge, sagt Encke.

Die beiden Eisbärenweibchen "Vilma" und "Vera" sind nach Enckes Angaben Naturaufzuchten. Für Erstgebärende gingen die beiden sehr souverän mit ihrem Nachwuchs um. Gerade die häufige Kontrolle von Mutter und Kind könnte laut Encke in früheren Jahren dazu geführt haben, dass viele Bären mit der Hand aufgezogen werden mussten. Heute lasse man den Nachwuchs "absolut in Ruhe".

Der Nachwuchs kam, bevor Kameras angebracht werden konnten

Weil die Babys früher als erwartet auf die Welt kamen, war in den Bruthöhlen der Eisbärenweibchen keine Überwachungskamera installiert worden. Daher konnte der Tiergarten bisher weder konkrete Angaben über den Zustand und die Zahl der Babys machen noch der Öffentlichkeit Bilder vom Nachwuchs präsentieren. Daraufhin waren Vorwürfe laut geworden, der Tiergarten habe es versäumt, die Eisbären-Geburt werbewirksam einzusetzen. Um die Mütter nicht unnötigem Stress auszusetzen und dadurch die Aufzucht der Jungbären zu gefährden, verzichte der Zoo aber zunächst weiterhin auf den nachträglichen Einbau der Kameras, sagt Encke.

Derzeit ist der Tiergarten aber relativ zuversichtlich: Aus der Bruthöhle von Bärendame "Vera" sei immer wieder das Schmatzen und Rufen von zwei Bären-Babys zu hören. Die Mutter selbst sei ruhig und entspannt. Und auch bei Bärendame "Vilma" habe der Tiergarten "das Gefühl, dass der Nachwuchs gut versorgt ist". Zwar verlasse das Tier die Bruthöhle regelmäßig, gehe jedoch wieder zurück, sobald es im Inneren etwas höre.

In wenigen Wochen können die Tierpfleger nach Enckes Einschätzung voraussichtlich einen ersten Blick auf die Welpen riskieren. Durchatmen könne man erst, wenn die Tiere die ersten drei Monate überstanden hätten und die Höhle verließen. Seit der Umstellung auf Naturaufzuchten vor rund 30 Jahren hat der Nürnberger Tiergarten sieben Eisbären erfolgreich großgezogen. Der letzte Eisbären-Nachwuchs wurde in Nürnberg im Winter 1993/94 geboren.

DPA/AP

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