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Bayern erlegen Braunbären Bruno

Am Sonntag noch war er quietschfidel in einem See geschwommen, am frühen Montagmorgen erlegten bayerische Jäger den "Problembären" Bruno. Naturschützer heulen auf - um den erfolgreichen Jäger wird ein Geheimnis gemacht.

Braunbär "Bruno" ist tot. Der seit Wochen im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet umherstreunende Bär wurde in der Nacht zu Montag in der Nähe des Spitzingseegebiets im Landkreis Miesbach von Jägern erschossen. Das bestätigte ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums der Nachrichtenagentur DPA. Der Bär sei gegen 4.50 Uhr in der Nähe der Rotwand erlegt worden. Der Wirt des 1700 Meter hoch gelegenen Rotwandhauses hatte die Polizei alarmiert, nachdem "Bruno" am Sonntagabend gegen 20.30 Uhr wenige Meter an der Hütte vorbei marschiert war.

Die Gäste hätten gerade beim Abendessen gesessen, sagte Hüttenwirt Peter Weihrer. "Ich habe die Leute beruhigt und gebeten, nicht aus dem Haus zu gehen." Schließlich sei er selbst vor die Türe gegangen und habe den Bären angeschrieen, der daraufhin geflüchtet sei. "Er hat vor uns Angst gehabt."

Wer tötete Bruno?

Die bayerischen Behörden wollen keine näheren Angaben zu den Schützen machen. Das bayerische Umweltministerium erklärte lediglich, der Bär sei kurz vor 05.00 Uhr morgens "von jagdkundigen Personen" auf der Kümpflalm in der Nähe des Spitzigsees erlegt worden. Nähere Informationen wollte das Ministerium erst auf einer für 13.00 Uhr geplanten Pressekonferenz in Schliersee bekannt geben. Das Landratsamt Miesbach dementierte unterdessen Gerüchte, wonach es Landkreis-Angestellte gewesen seien: "Wir beschäftigen keine Jäger", erklärte ein Sprecher.

Wer den Schuss auf den Bären abfeuerte, sei der Behörde nicht bekannt. Wie es in Jägerkreisen hieß, soll es sich nicht um staatliche Berufsjäger gehandelt haben. Auch der bayerische Jägerverband erklärte, nichts über den Schützen zu wissen: "Der, der den Bären geschossen hat, ob Polizist, Jäger oder Berufsjäger, wird sicherlich nicht sehr froh damit werden", sagte ein Jagdverbandssprecher. Es seien bereits Morddrohungen eingegangen, fügte er hinzu. Jetzt müsse der Personenschutz im Vordergrund stehen. Der Jägerverband hat mit Bedauern auf den Abschuss von Braunbär "Bruno" reagiert. "Die Stimmung in unserem Haus ist gedrückt", sagte der Sprecher. "Wir bedauern den Abschuss, aber er war wohl notwendig", fügte er hinzu.

Naturschützer kritisierte den Abschuss scharf. "Das ist die dümmste aller Lösungen", sagte der Präsident des Deutschen Naturschutzrings, Hubert Weinzierl, im niederbayerischen Wiesenfelden. "Ich bin tief traurig darüber." In anderen Ländern lebten Bär und Mensch friedlich zusammen. "Nur in Deutschland wird er liquidiert." Braunbären könnten mit geeigneten Maßnahmen aus den Siedlungen vertrieben werden. "Bären der Welt, meidet Bayern", sagte Weinzierl.

"Tragödie für den bayerischen Naturschutz"

Die Jugendorganisation des Bund Naturschutz hat den Abschuss des Braunbären "Bruno" alias "JJ1" scharf kritisiert. "Das ist eine Tragödie für den bayerischen Naturschutz", erklärte der Geschäftsführer der Naturschutzjugend, Bernd Orendt, am Montag in München. Orendt warf dem bayerischen Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) Aktionismus vor. "In Kärnten spazieren Bären an Kindergärten vorbei, ohne dass sich jemand aufregt und auch die bayerische Bevölkerung freut sich über "JJ1", nur der Umweltmister kriegte es mit Angst um seine Karriere zu tun und machte einen Schnellschuss", sagte Orendt. Die Naturschutzjugend sei tiefst betroffen und entsetzt. "Wir hoffen, dass sich so etwas nie wiederholen wird."

Die Naturschutzjugend hatte geplant, drei Aktivisten in "täuschend echten" Bärenkostümen durch die Alpen wandern zu lassen. "Wir haben die Aktion jedoch ausgesetzt, nachdem uns versichert wurde, dass die Jäger in Bayern dem Bären nicht aktiv nachstellen würden." Die Jugendorganisation erwäge für "Bruno" eine Traueranzeige in Zeitungen zu schalten.

"Bruno war ein Risiko-Bär"

Die Tötung des streunenden Braunbären Bruno alias "JJ1" war nach Einschätzung der internationalen Naturstiftung WWF angesichts des Verhaltens des Tieres gerechtfertigt. "Bruno war nach unserer Einschätzung bereits ein Risiko-Bär", sagte die österreichische WWF-Sprecherin Susanne Grof. "Man könnte ihn beinahe verhaltensgestört nennen." Das habe auch die Art und Weise gezeigt, wie er Tiere riss.

Der WWF habe sich die unpopuläre Entscheidung, den Braunbären "aus dem Verkehr zu ziehen", sicher nicht leicht gemacht, sagte Grof. Die Naturschützer hätten sich dabei auf die Meinung von Experten der Universitäten Wien und Freiburg gestützt. "Angesichts der allgemeinen Medien-Hype hier und in Deutschland war es für die Behörden sicher eine extrem schwierige Entscheidung", den Bären zum Abschuss frei zu geben. "Das Gefahrenpotenzial wurde einfach nicht erkannt." Grof sagte, es sei "erheblich leichter, einen Bären abzuschießen, als ihn zu fangen".

Finnische Spezialhunde versagten

Nach wochenlangen vergeblichen Versuchen, das Tier lebend zu fangen, war "Bruno" zu Wochenbeginn wieder zum Abschuss freigegeben worden. Zuvor war es auch den vielgerühmten finnischen Bärenjägern mit ihren speziell ausgebildeten Hunden nicht gelungen, den Bären zu stellen. Noch am Samstag war das Tier mehreren Mountainbikern begegnet. Sie sahen ihm zu, wie er durch den Soinsee im Landkreis Miesbach schwamm. Danach wurde er von drei Wanderern dabei beobachtet, wie er ins Gebirge aufstieg. Gegen Abend riss der Bär in der Gegend ein Schaf.

Die Wanderer hatten Bruno noch verfolgt, bis er sich zu ihnen umdrehte. Bayerns Bärenbeauftragter Manfred Wölfl hatte das Verhalten der Urlauber scharf verurteilt. "Den Bären zu verfolgen ist wie Bungee-Jumping ohne Seil."

DPA/AP/AP/DPA

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