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Briten fürchten sich vor "Killer-Spinnen"

Der Klimawandel erreicht das nasskalte Großbritannien - und soll sogleich an einem gruseligen Phänomen schuld sein: der Invasion der Monsterspinnen. Die Boulevardpresse malt bereits Horrorszenarien.

Von Annette Berger

  Eine Schwarze Witwe kurz vor der Eiablage. Diese Spinnen kommen in vielen Teilen der USA vor - einzelne Tiere schafften es jüngst bis nach Großbritannien.

Eine Schwarze Witwe kurz vor der Eiablage. Diese Spinnen kommen in vielen Teilen der USA vor - einzelne Tiere schafften es jüngst bis nach Großbritannien.

Zäune scheinen sich im Schein einer Taschenlampe unter einer wimmelnden Masse von Krabbeltieren zu bewegen, eine "Bestie mit einer Totenkopfzeichnung" auf dem Rücken bewegt sich auf ein sechs Monate altes Baby zu - doch der Vater ist rechtzeitig zur Stelle, um seinen Säugling vor einem möglichen Biss zu schützen. Der "Daily Star" zieht alle Register, wenn es um die Beschreibung eines neuen Phänomens geht: Offenbar vermehren sich Falsche Witwen derzeit in den südlichen Teilen der britischen Insel stark.

Diese Spinnen kommen normalerweise in wärmeren Regionen Europas vor, beispielsweise im Mittelmeerraum oder in den südlichen Alpen. Ihren Namen verdanken diese Spinnen einer berühmt-berüchtigten Paarungssitte: Die Weibchen bekommen nach dem Liebesakt gelegentlich Appetit auf ihren Partner und machen sich dann selbst zur Witwe. Aber hauptsächlich ernähren sich Spinnen von Insekten.

Dass es derzeit mehr Falsche Wiwen als in anderen Jahren in Großbritannien gibt, könne an der Klimaerwärmung liegen, mutmaßt der "Daily Star" und zitiert mit einer entsprechenden Aussage einen Umweltschützer von der gemeinnützigen Organisation "Buglife". Ein Sprecher des britischen Spinnenvereins British Arachnological Society bestätigt, die Falsche Witwe komme in einigen Landesteilen extrem häufig vor.

Bisse von Falschen Witwen können schmerzhaft sein und in Extremfällen allergische Reaktionen oder Krämpfe hervorrufen. Die Spinnenexperten von der Arachnological Society warnen angesichts der aktuellen Berichterstattung über die "Killer-Spinnen" allerdings vor Panikmache. Genau genommen gebe es mehrere Arten der Falschen Witwen, von denen nur die größeren in der Lage seien, dem Menschen mit seiner vergleichsweise dicken Haut spürbare Bisse zuzufügen.

Zudem sei es wesentlich wahrscheinlicher, von einer Biene oder einer Wespe gestochen zu werden als sich einen Spinnenbiss zuzuziehen. Auch könnten die meisten Menschen eine Spinnenart nicht von einer anderen unterscheiden.

Wer es jetzt genau wissen will: Der Körper der Falschen Witwe ist etwa sieben bis zehn Millimeter groß. Diese Spinnen sind dunkelbraun bis schwarz und tragen eine Zeichnung auf dem Hinterleib, der an einen Totenkopf erinnert.

Während Tierschützer davor warnen, die Tiere einfach totzuschlagen, geht es in den Leserkommentaren zum Thema brutaler zu. Leser raten zum Staubsauger, zum Verbrennen mittels "Feuerzeug plus Deodorant" oder zum Griff nach einem Bleichmittel, der garantiert keine Spinnen übrig lasse.

Es geht aber auch noch schlimmer

Die Falsche Witwe ist übrigens - wie der Name schon vermuten lässt - mit der Schwarzen Witwe verwandt, die etwas größer und giftiger ist. Auch die Bisse der Schwarzen Witwe können Übelkeit und Krämpfe hervorrufen - und auch über diese Spinnen gibt es aus britischer Sicht Beunruhigendes zu berichten. So sollen einzelne Exemplare per Schiff aus den USA nach Großbritannien eingewandert sein. Der "Mirror" zählt unter der Schlagzeile "Sie dachten, die Falsche Witwe sei schlimm, aber jetzt ist die tödliche Schwarze Witwe in Großbritannien angekommen" Einzelfälle auf, in denen es Tieren gelungen ist, die Überfahrt aus Amerika zu überleben.

Ob die Tiere, die sich eigentlich eher in Gegenden wie Arizona wohlfühlen, dauerhaft in Großbritannien überleben, ist noch ungewiss. Vielleicht geht der Horror ja jetzt erst richtig los. Vielleicht wird aber auch nur einfach das Wetter wieder schlechter.

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