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Kurkuma gegen Mukoviszidose

Gegen Leberschäden, Krebs und zur Wundheilung hat sich Kurkuma bereits bewährt. In Forschungslabors in den USA und in Kanada half das Gewürz nun, bei Mäusen die schwere Lungenkrankheit Mukoviszidose einzudämmen.

Ein Kraut, das seit Jahrtausenden indische Speisen würzt, offenbart in Tierversuchen immer neue Heilkräfte. Gegen Leberschäden, Krebs und zur Wundheilung hat sich die Gelbwurz (Curcuma longa) bereits als hilfreich erwiesen. Nach jüngster Erkenntnis von Forschern in den USA und Kanada hilft Kurkuma bei Mäusen auch, das schwere erbliche Lungenleiden Mukoviszidose (zystische Fibrose) unter Kontrolle zu bekommen. Das Ergebnis der Studie ist in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsjournals "Science" (Bd. 304, S. 600) veröffentlicht.

Im Tierversuch gelang es Marie Egan von der Yale-Universität in New Haven/Connecticut und Kollegen, die Wirkung der entscheidenden Genmutation mit dem Gewürz zu korrigieren. Die lebensgefährliche Krankheit wird durch eine Veränderung des Gens DeltaF508 und die Fehlfaltung seines Proteins ausgelöst. Eine innere Qualitätskontrolle sortiert dieses fehlerhaft gefaltete Eiweiß aus und lässt es nicht aus der Zelle hinaus. Dadurch bildet sich ein zäher Schleim in der Lunge und der Bauchspeicheldrüse der Patienten, der zum Erstickungstod führen kann.

"Vielversprechende Kandidaten für eine Therapie"

Das Team um Egan behandelte die Mäuse mit Dosen des Gelbwurz- Extraktes, die für Menschen umgerechnet noch erträglich wären. Es weist in seiner Studie nach, dass der entscheidende Bestandteil der Gelbwurz, Kurkumin, dem fehlerhaften DeltaF508-Protein half, der Qualitätskontrolle zu entgehen und bis zur Zelloberfläche vorzudringen. Dort erfüllte es seine normale Funktion. Die Forscher folgern, dass "Kurkumin und Kurkumin-Derivate viel versprechende Kandidaten für die Entwicklung von Pharmatherapien gegen die zystische Fibrose und andere Krankheiten sind, die aus fehlgefalteten Proteinen entstehen".

Die Gelbwurz gehört zur Ingwerfamilie, wächst wild im Himalaya und wird in anderen Regionen Südasiens gezüchtet. Sie hat einen milden, wenig ausgeprägten Geschmack, verleiht aber dem Currypulver seine typisch gelbe Farbe. In Europa wird sie unter anderem in einigen Senfprodukten verwendet.

Hilft auch bei Leberschäden und gegen Grünen Star

Aus finnischen Studien ist Kurkuma unter anderem als viel versprechendes Mittel gegen Leberschäden durch Alkohol und zur Vorbeugung gegen Grünen Star bekannt. Kurkumin bremste im Tierversuch auch das Wachstum von Prostata- und Brustkrebstumoren. Die US- Krebsgesellschaft testet den Gewürzeffekt derzeit bei Menschen als vorbeugendes Mittel gegen Darmkrebs.

Tierstudien von italienischen und US-Forschern fanden in dem Gewürz ein vorbeugendes Mittel gegen Alzheimer und andere altersbedingte Leiden. Zwei Forscher der Universität von Mississippi dokumentierten den Erfolg von Kurkumin bei der Behandlung von Wunden, Stauchungen und Verzerrungen und versuchten 1995, die Substanz dafür in Amerika patentieren zu lassen. Ihr Patentantrag wurde zurückgewiesen, als die indische Regierung klarstellte, dass die geriebene Gelbwurz in Südasien schon seit Jahrtausenden als "Reinigungsmittel des Körpers" in Gebrauch ist.

Gisela Ostwald/DPA/DPA

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