Startseite

Polareis schmilzt in Rekordgeschwindigkeit

In wenigen Jahren könnte der Nordpol im Sommer komplett eisfrei sein: Nach Messungen von Hamburger Wissenschaftlern schrumpft die Eisdecke an der Arktis so schnell wie nie. Schuld ist der Klimawandel.

  Satellitenaufnahme: Das Archivbild zeigt die Eisfläche am Nordpol im September 2002. Mittlerweile ist die Eisfläche noch geringer geworden

Satellitenaufnahme: Das Archivbild zeigt die Eisfläche am Nordpol im September 2002. Mittlerweile ist die Eisfläche noch geringer geworden

Das Meereis rund um den Nordpol kann sich offenbar nicht mehr von der globalen Erwärmung erholen und ist in diesem Sommer so stark abgeschmolzen wie nie seit dem Beginn zuverlässiger Messungen im Jahr 1973. Dies berichteten Klimaexperten des Netzwerks KlimaCampus am Mittwoch in Hamburg und warnten vor gefährlichen Folgen für Natur und Mensch. "Extreme Winter könnten in Europa häufiger werden", erklärte Rüdiger Gerdes vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI). Der Eisrückgang könne nur durch den "menschengemachten Klimawandel erklärt werden".

Den Wissenschaftlern zufolge waren Mitte September nur noch 3,37 Millionen Quadratkilometer Fläche mit Eis bedeckt, gegenüber durchschnittlich 7,5 Millionen Quadratkilometer in den Jahren von 1979 bis 2000. In den vergangenen 30 Jahren ist die Eisdecke damit um mehr als die Hälfte geschrumpft. Anderen Abschätzungen zufolge sei dies sogar der geringste Wert seit etwa 1500 Jahren, erklärten die Klimaforscher. Neueste Klimasimulationen gingen zudem davon aus, dass die Arktis bis Mitte dieses Jahrhunderts im Sommer komplett eisfrei sein könnte.

Forscher warnen vor extrem kalten Wintern

Die Wissenschaftler sind vor allem besorgt, mit welcher Geschwindigkeit sich die vom Eis abhängigen Ökosysteme ändern: Wegen der Eisalgen, die am Beginn der Nahrungskette stehen, seien unter Eisflächen "viel mehr wohl genährte Meerestiere zu sehen" als in den seit zwei Monaten eisfreien Bereichen, erklärte Antje Boetius vom AWI. Klimaforscher warnten zudem davor, dass der Eisrückgang den Wärmeaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre beschleunige und großräumige Windfelder beeinflusse. Dies könne zu mehr extrem kalten oder schneereichen Wintern in Europa führen.

Bereits vor drei Wochen hatten US-Forscher mit ähnlichen Zahlen auf den Eisrückgang am Nordpol aufmerksam gemacht. Das Schnee- und Eisdatenzentrum der USA (NSIDC) gab die von Eis bedeckte Fläche zu dem Zeitpunkt mit 4,1 Millionen Quadratkilometern an, ging aber davon aus, dass das Eis im Laufe des Sommers weiter schmelzen werde.

Der Rückgang des arktischen Meereises gilt als Folge des globalen Klimawandels, der das Abschmelzen im Sommer beschleunigt und die Neubildung im Winter verlangsamt. Der Prozess wird von Forschern auch als ein möglicher "Kipp-Punkt" betrachtet - eine der sich selbst beschleunigenden Entwicklungen, die den Klimawandel und seine Folgen unumkehrbar machen könnten. Das liegt daran, dass eisfreies dunkles Wasser sich durch Sonneneinstrahlung stärker erwärmt als durch Eis bedecktes. Die schneller steigende Wassertemperatur beschleunigt wiederum die Eisschmelze. Von Vorteil ist dies den Experten zufolge für die Schifffahrt und die Nutzung von Bodenschätzen in der Arktis.

mlr/AFP/AFP

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo

Partner-Tools